Dienstplan

Zuverlässiges Frei macht Arbeitgeber attraktiv

Olav Sehlbach muss es wissen: 1.000 Einrichtungen haben mit seinem Prüfsystem Mitarbeiter befragen lassen. Auf dem Zukunftskongress Pflege berichtet er. Wir sprachen vorab mit ihm.

Veranstalter des 1. Zukunftskongresses Pflege am 13. Oktober in Frankfurt ist die Genossenschaft für Pflege und Gesundheit, die sich an Pflegeunternehmen und Einzelpflegekräfte wendet - ein Verein, der Einzelunternehmen durch die Form der Genossenschaft und individuelle Beratung stärken möchte; Jutta König, Autorin der Schlüterschen Verlagsgesellschaft, hat ihn ins Leben gerufen. Auf dem Zukunftskongress geht es um die Frage, wie Unternehmen in der Altenpflege am klügsten auf gegenwärtige und künftige Trends reagieren. Der Impulsvortrag von Olav Sehlbach (Foto unten) steht unter dem Titel „Best practice – Wie werde ich Magnet-Arbeitgeber?“

Pflegen-online: Herr Sehlbach, mit dem Branchen-Prüfsystem Attraktiver Arbeitsgeber Pflege erhalten Sie einen so tiefen Einblick in die Stimmungslage deutscher Altenpflegeeinrichtungen wie sonst kaum jemand. Sagen Sie: Worauf legen Mitarbeiter in der Altenpflege besonderen Wert?

Olav Sehlbach: Die Dienstplanzuverlässigkeit steht eindeutig ganz oben. Man möchte sich darauf verlassen, dass das freie Wochenende auch wirklich frei bleibt und man nicht einspringen muss. Relativ viele Einrichtungen, so beobachten wir, machen aber noch immer eine 100-Prozent-Planung, das heißt, sie gehen davon aus, dass niemand krank wird, dass es keine Ausfälle gibt. Ein solcher Dienstplan ist schon in dem Moment obsolet, in dem er aufgestellt wird. Es gibt immer Ausfälle – davon muss man bei der Planung einfach ausgehen.

Jedes Haus, egal, welche Größe, ist gut beraten, wenn sich genau überlegt, wie es dieses Problem künftig lösen will. Es kann etwa einen Springer-Pool einrichten oder mit Überhängen planen, und, und, und - wichtig ist, dass es sich etwas einfallen lässt. Denn wenn es in einer Einrichtung Gewohnheit ist, Mitarbeiter aus dem Frei zu holen, spricht sich das schnell rum. Man darf nicht vergessen: Die Altenpflege ist ein lokaler Markt, man kennt sich, man spricht über seine Erfahrungen.

Wie wichtig ist das Gehalt?

Ich halte es für weniger relevant. Es gibt ja keine Riesenunterschiede: Es ist nicht so, dass man in Haus x das Doppelte von dem in Haus y verdient. Die meisten Träger zahlen ähnlich, bei dem einen ist das Grundgehalt höher, der andere zahlt dafür mehr Zuschläge – das ist alles relativ transparent. Wichtiger ist eine angenehme Atmosphäre, einfach gute Führung, die weichen Faktoren zählen – hier ist der Arbeitgeber ganz klar gefordert, seine Führungskräfte weiterzuentwickeln.

Gibt es Einrichtungen mit Arbeitgeberattraktivitätsprogrammen?

Nein, es gibt keine umfassenden Programme wie in der Industrie mit Employer Branding und Personalentwicklung. Viele machen gar nichts, es gibt eine große Jammerkultur auf Seiten der Träger. Doch einige machen punktuell etwas: Gesundheitsfürsorge ist recht beliebt in der letzten Zeit, manche Träger in der ambulanten Pflege bieten Incentives wie die private Nutzung von Handys oder Autos, auch die Dienstplangestaltung ist ein Thema, etwa die 7-7-Woche: Das heißt, sieben Tage täglich circa 10 Stunden Dienst und sieben Tage frei im Wechsel.

Was bemängeln Arbeitnehmer am häufigsten an ihren Arbeitsgebern?

Unser Prüfsystem enthält 35 Statements, denen die Mitarbeiter voll bis gar nicht zustimmen können. Die Aussage, der die wenigsten zustimmen, lautet: „Ich kann nachvollziehen, wie die unterschiedlichen Gehaltstufen aufgebaut sind.“ Ebenfalls auffällig wenig Zustimmung erhielt die Aussage: „Unsere Einrichtung ist nach innen genau so, wie sie nach außen auftritt.“

Interview: Kirsten Gaede

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