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Über 2 Dutzend Tipps

Woran gute Zeitarbeitsfirmen zu erkennen sind

Eine Pflegefachkraft, die verschiedene Firmen kenngelernt hat, der Initiator von „Faire Zeitarbeit“ und eine Beraterin erzählen, was sie für wichtig halten

Versprechen kann man Vieles, auch in der Zeitarbeit. Doch die Praxis sieht nicht selten anders aus. Das hat auch Katharina P. erfahren. Sie möchte hier nicht mit ihrem richtigen Namen zitiert werden, um nicht „auf einer schwarzen Liste zu landen“. Die erfahrene Pflegefachkraft hatte sich mit Anfang 50 entschieden, ihrem festen Job im Team einer Klinik den Rücken zu kehren, um mehr private Freiheit zu genießen. „Des Gehalts wegen hätte ich das nicht gemacht. Aber die 24-Stunden-Schichten wurden mir einfach zu viel, und ich wollte auch zwei freie Tage in der Woche haben.“

Schicke Adresse, enges Büro

Also bewarb sie sich bei einer norddeutschen Zeitarbeitsfirma, die sie auch sofort unter Vertrag nahm. Im Internet wirbt diese mit flotten Filmchen und wohlklingenden Phrasen wie „Vertrauen schaffen“, „Loyalität zeigen“ und „Probleme vor Ort besprechen“, Es hätte sich auch um eine „sehr schicke Adresse“ gehandelt, erzählt Katharina P., aber dann hätten im Büro die dortigen drei Angestellten so beengt gesessen, dass an ruhige Mitarbeitergespräche gar nicht zu denken gewesen sei. „Das hätte mich schon hellhörig machen müssen“, sagt sie heute.

[Sie spielen mit dem Gedanken in die Zeitarbeit zu gehen? Dann lesen Sie unbedingt unseren Artikel Bin ich der Typ für Zeitarbeit?]

Wenn Zeitarbeitsfirmen die Klinik-Kontakte fehlen

In der Folgezeit fiel es der noch recht jungen Firma schwer, die erfahrene Fachkraft zu vermitteln. „Das war schon seltsam, aber sie besaß offenbar gar keine Kontakte zu den Kliniken vor Ort, obwohl sie mir dies bei unserem Eingangsgespräch zugesagt hatte. Das Büropersonal hatte auch gar keine richtige Ahnung hinsichtlich der einzelnen beruflichen Pflegefachrichtungen, stellte sich heraus.“ Noch während der Probezeit wurde Katharina P. gekündigt. Die Firma hatte sie nicht ausreichend beschäftigen können und wollte sich offenbar rechtzeitig vor finanzieller Überlastung schützen.

Nun ist Katharina P. bei einer anderen Firma beschäftigt und zufrieden. „Ich weiß jetzt, worauf ich achten muss“, sagt sie und nennt folgende 5 Punkte:

  • In der Zeitarbeitsfirma sollten nicht nur Büroleute sitzen, sondern es müssen auch Leute vom Fach da sein.
  •  Wenn der Chef oder die Chefin zuvor selbst Pflegedienstleiter war, ist das ideal.
  • Welche Versprechungen macht die Firma mir und wie realistisch sind diese? Habe ich ausreichend Urlaub?
  • Gibt es nur eine schicke Firmenadresse und keine Möglichkeit für die Zeitarbeiter, in Ruhe Gespräche zu führen?
  • Achtung vor Werbeprämien! Sie können Missstände verschleiern.
  • Bewertungsportale wie „Kununu“ checken und hier vor allem auf negative Bewertungen achten: die positiven können selbst eingestellt sein!

Initiative „Faire Zeitarbeit“

Um sich von den Unseriösen der eigenen Branche abzugrenzen, haben Berliner Personaldienstleister die Initiative „Faire Zeitarbeit in der Alten- und Krankenpflege“ gegründet. Zunächst bleibt die Initiative auf Berlin beschränkt, aber in Zukunft soll sie auch bundesweit agieren, betont Initiator Andreas Worch, Geschäftsführer der anbosa Personaldienstleistungen GmbH. Eine entsprechende Internetplattform befinde sich im Aufbau.

[Schleichen sich Pflegekräfte, die Zeitarbeit machen, aus der Verantwortung? Oder können durch kritische Zeitarbeiter sogar Veränderungsprozesse in Kliniken und Pflegeheimen angestoßen werden? Lesen Sie unsere beiden Kommentare Zeitarbeiter – resigniert und gehetzt und Herzlose Zeitarbeit? 4 Gegenargumente]

Faire Zeitarbeitsfirmen verzichten auf aggressives Abwerben

Die „fairen“ Zeitarbeitsfirmen distanzieren sich ausdrücklich davon, den personellen Notstand in der Pflege weiter verschärfen zu wollen. Außerdem lehnen sie es ab, unrealistisch hohe Stundenverrechnungssätze von den Pflegeunternehmen zu verlangen. Stattdessen versprechen sie:

  • bezahlbare / zumutbare Verrechnungssätze
  • kein aggressives Abwerben (etwa durch An- und Abwerbeprämien)
  • keine Anstellungen aus Entleihbetrieben
  • betriebliche Weiterbildung der Zeitarbeitskräfte

Vorsicht, wenn die Kommunikation hakelt! 

Für Andrea Lehwald, die sich als ehemalige Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin mit einer Beratungsfirma für Kliniken und Pflegeeinrichtungen in Meerbusch bei Düsseldorf selbständig gemacht hat, spielt in der Zeitarbeit – wie generell in Betrieben – die Mitarbeiterzufriedenheit die entscheidende Rolle. Die Autorin des Buchs „Krankenpflegepersonal finden und binden“ (Schlütersche 2019) nennt 6 Punkte, worauf Pflegekräfte bei der Suche nach der richtigen Zeitarbeitsfirma achten sollten:

  • Gibt es eine gute Kommunikation der Mitarbeiter? Ist die Atmosphäre offen und transparent?
  • Bietet die Firma regelmäßige (digitale) Treffen und Firmenevents für ihre Mitarbeiter an?
  • Mund-zu-Mund-Propaganda ist der beste Indikator!
  • Kümmert die Firma sich um die einzelnen Mitarbeiter?
  • Wichtiger als Provisionen und Benefits ist die Wertschätzung der Mitarbeiter!
  • Bietet die Firma Fort- und Weiterbildung an?

Verantwortungsvoller Umgang mit Covid-19-Gefahr

Ob eine Zeitarbeitsfirma ihre Mitarbeiter schätzt, zeigt sich aktuell auch am Umgang mit er Covid-19-Gefahr: Gute Zeitarbeitsfirmen testen ihre Mitarbeiter regelmäßig (und verweisen nicht lapidar auf die Kliniken und Pflegeinrichtungen) und unterstützen sie, wenn es darum geht, eine Corona-Impfung zu erhalten.  

Autorin: Birgitta vom Lehn

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