Ein bisschen mehr Gehalt: Über 170 Euro zusätzlich kommen die wenigsten Pflegekräfte mit Weiterbildung Praxisanleitung. 
Foto: Jens Schünemann
Ein bisschen mehr Gehalt: Über 170 Euro zusätzlich kommen die wenigsten Pflegekräfte mit Weiterbildung Praxisanleitung. 

Beruf und Karriere

Wie gut ist das Praxisanleiter-Gehalt?

Der Gehaltssprung ist nicht so deutlich wie bei den klassischen Weiterbildungen,  beispielsweise der Intensivpflege. Doch in vielen Kliniken und einigen Pflegeheimen verdienen Praxisanleiter in jedem Fall mehr als vorher

Bei der Weiterbildung Praxisanleitung sind wieder einmal alle Pflegekräfte im Vorteil, die nach Tarif bezahlt werden – nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes (TVöD) oder nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas (AVR).

Für sie alle bedeutet es eine höhere Eingruppierung in der P-Tabelle, sofern sie überwiegend als Praxisanleiterin oder Praxisanleiter arbeiten: Sie steigen von der P7 auf in die P8. Die Gehaltsgruppe P7 gilt für Pflegekräfte, die eine dreijährige Ausbildung, aber keine Weiterbildung haben, und auf Normalstation arbeiten. P8 gilt für Pflegekräfte, die in Spezialbereichen arbeiten (etwa Onkologie, Psychiatrie, Notaufnahme, Intensivstation) oder eben Sonderaufgaben verrichten wie die Praxisanleitung.

Praxisanleiter bekommen oft rund 160 Euro mehr Grundgehalt 

Der Unterschied zwischen P7 und P8 bedeutet für frisch Examinierte nach TVöD 176 Euro. Nach zwei Jahren beginnt der Unterschied zu schmelzen, erst auf 149 Euro, später auf 69 Euro. Wenn der Unterschied zwischen P7 und P8 mit der Berufserfahrung auch weniger wird: Immerhin fließt er als Bestandteil des Grundgehalts auch noch in die Berechnungsbasis für die Jahressonderzahlung und die Leistungsprämie mit ein.

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Zu den Krankenhäusern, die nach TVöD zahlen, gehören alle kommunalen Kliniken (München Klinik, Klinikum Region Hannover, Klinikum Magdeburg, Vivantes in Berlin) und einige Unikliniken. Kommunale Pflegeheime gibt es nur selten, dort wo es sie gibt – wie in den Pflegeheimen Esslingen steigen die Pflegekräfte mit Weiterbildung Praxisanleitung ebenfalls von P7 in P8 auf.

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Vivantes zahlt Praxisanleitern außerdem 150 Euro Zulage

Auch in den Krankenhäusern und Pflegeheimen Caritas gelangen Pflegekräfte mit der Weiterbildung Praxisanleitung von P7 in P8, das bedeutet dort ebenfalls einen Gehaltssprung von circa 160 Euro.

In einigen Häusern gibt es auch noch eine Zulage für Pflegekräfte mit Weiterbildung Praxisanleitung: So zahlt der kommunale Klinikverbund Vivantes in Berlin 150 Euro Zulage für die Praxisanleitung –auch für diejenigen, die nicht den überwiegenden Teil ihrer Arbeitszeit als Praxisanleiterin oder Praxisanleiter tätig sind. Wer überwiegend mit der Praxisanleitung beschäftigt ist, kommt so auf über 300 Euro extra: durch die rund 150 Euro durch den Sprung von P7 in P8 und die 150 Euro Zulage.

Viele Wenn und Abers beim Gehalt von Praxisanleitern  

Was die Antworten auf die Frage nach der Vergütung von Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter so kompliziert macht, ist, dass wie bei Vivantes oft unterschieden wird zwischen:

  • Pflegekräften, die nur in der Praxisanleitung arbeiten
  • Pflegekräften, die den überwiegenden Teil ihrer Arbeitszeit in der Praxisanleitung arbeiten
  • Pflegekräften, die den geringeren Teil ihrer Arbeitszeit in der Praxisanleitung arbeiten

In dem kommunalen Verbund München Klinik beispielsweise gibt es Praxisanleiter, die in der Zentralen Praxisanleitung arbeiten, und dezentrale Praxisanleiter, ebenfalls mit Weiterbildung, die im Stationsteam arbeiten. „Die Stellen in der Zentralen Praxisanleitung sind nach P8 eingruppiert, die dezentralen Praxisanleiter wiederum bleiben in ihrer bisherigen Eingruppierung“, heißt es bei der München Klinik. Der Gehaltsunterschied zwischen den beiden Praxisanleiter-Varianten lasse sich aber nur schwer beziffern. Denn die zentralen Praxisanleiter haben sehr regelmäßige Dienstzeiten, weshalb für sie die vielen Zulagen für Wechselschichten, Nachtschichten etc. entfallen, von denen die Praxisanleiter auf Station profitieren.

Entgeltgruppe 11 für Freigestellte an der Uniklinik Düsseldorf  

Das Universitätsklinikum Düsseldorf stuft freigestellte Praxisanleitende wie Lehrkräfte in der Pflege ein – also mindestens in der Entgeltgruppe 10 – sie ist, was die Eingruppierungskriterien betrifft, vergleichbar mit P10. Das heißt: Eine Pflegefachkraft, die zuvor ohne Weiterbildung auf Normalstation gearbeitet hat, steigt durch die Weiterbildung und die Freistellung als Praxisanleiterin von der Entgeltgruppe 7 auf in die Entgeltgruppe 10. Statt 2999,63 Euro (Stufe 2) Grundgehalt erhält sie dann 3638,23 Euro. Ist für die Praxisanleitung auch noch eine zweijährige Weiterbildung nötig (etwa in Intensivpflege oder Onkologie), kommt die Pflegefachkraft in die Entgeltgruppe 11 (3.983 Euro Grundgehalt in Stufe 3).

Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter, die ohne Freistellung auf den Stationen Auszubildende betreuen, erhalten keine Höhergruppierung aber eine tariflich vereinbarte Zulage von rund 80 Euro. Aber auch hier gilt: Durch die vielen Schichtzulagen, die freigestellte Praxisanleiter kaum oder in jedem Fall seltener erhalten, ist der Verdienstunterschied am Ende vermutlich gar nicht so groß wie er zunächst scheint.

Hier geht es zur Entgelttabelle der Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes der Länder (TV-L) für Pflegekräfte – wie gesagt: Dort sind die Grundgehälter aufgeführt ohne Zulagen (die oft noch einmal rund 500 Euro ausmachen).    

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