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Pflegewissenschaft

Wie geht es weiter mit Corona-Regeln in der Pflege?

Wie verkraften Bewohner, Patienten und Angehörige die Corona-Maßnahmen? Wie kommen Pflegekräfte mit der angespannten Lage zurecht? Auf alle diese Fragen sucht gerade eine Gruppe von über einem Dutzend Pflegewissenschaftler praxistaugliche Antworten

Initiiert hat die Gruppe der Deutsche Pflegerat (DPR) – als Reaktion auf den Corona-Expertenrat im Bundeskanzleramt, der von der Bundesregierung aufgerufen ist, „Empfehlungen für die Pandemiebewältigung und zur Vorbeugung von weiteren Pandemien“ zu entwickelt. In diesem Expertenrat sitzen 19 teils sehr bekannte Wissenschaftler wie Christian Drosten, Lothar Wieler und Hendrik Streeck. Es sind die Virologie und die Medizin vertreten, aber auch andere Disziplinen, etwa die Medizinethik, Psychologie und Kognitionswissenschaft.

Pflegewissenschaft nicht im Corona-Expertenrat der Regierung

Doch die Pflegewissenschaft ist nicht dabei. Das hat der Deutsche Pflegerat kritisiert, er hat nach eigenen Aussagen immer wieder an die Regierung appelliert, auch Vertreter der Pflegewissenschaft und Hebammenwissenschaft in den Expertenrat einzubeziehen. „Wir haben unsere Mitarbeit angeboten, als der Expertenrat eingerichtet wurde“, sagt DPR-Präsidentin Christine Vogler. „Es hieß dann, man würde unsere Expertise abfragen. Aber wir möchten nicht nur mal abgefragt werden. Deshalb haben wir jetzt den Expertenrat Pflegewissenschaft/Hebammenwissenschaft eingerichtet. In den beiden Disziplinen ist viel – und wird immer noch viel – zur Pandemie geforscht. Diese Expertise möchten wir der Berufsgruppe Pflege zur Verfügung stellen, damit sie vor Ort die richtigen Entscheidungen treffen kann.“

Der DPR-Expertenrat ist das erste Mal am 10. März 2022 virtuell zusammengekommen. Als Sprecher wurde Prof. Dr. Thomas Fischer (Dresden) bestätigt. Bis Mai 2022 wollen die Wissenschaftler eine erste Stellungnahme zum Umgang mit der Corona-Pandemie und der immer noch bestehenden pandemischen Situationen veröffentlichen.

Die 16 Mitglieder des Expertenrats Pflegewissenschaft/Hebammenwissenschaft und Pandemie sind:

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Nicola Bauer
Foto: privat
Nicola Bauer

Prof. Dr. Nicola Bauer, bisher Professorin für Hebammenwissenschaft an der Hochschule für Gesundheit in Bochum, wechselt zum 1. April 2022 an die Universität zu Köln. Sie hat bereits eine Forschungsarbeit zur Pandemie durchgeführt: ‚Digitale Hebammenbetreuung im Kontext der Covid-19 Pandemie‘ in Kooperation mit dem Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung und dem Deutschen Hebammenverband). Dabei wurden 1.821 Frauen nach der Geburt und 1.551 freiberufliche Hebammen bundesweit zum Angebot von digitalen Hebammenbetreuungsleistungen während der Covid-19-Pandemie befragt.

 

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Prof. Dr. Christa Büker
Foto: Portrait: privat / Canva
Prof. Dr. Christa Büker

Prof. Dr. Christa Büker von der Fachhochschule Bielefeld forscht zur Pandemie. Als Delegierte der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP) ist sie beteiligt an der Entwicklung der S1 Leitlinie „Häusliche Versorgung, soziale Teilhabe und Lebensqualität bei Menschen mit Pflegebedürftigkeit im Kontext ambulanter Pflege unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie“.

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Martin Dichter
Foto: Portrait: DBfK / Canva
Martin Dichter

Martin Dichter vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln, ist Delegierter der Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) für die S1- Leitlinien zur „Sozialen Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der Covid 19 Pandemie“ sowie „Häusliche Versorgung, soziale Teilhabe und Lebensqualität bei Menschen mit Pflegebedürftigkeit im Kontext ambulanter Pflege unter den Bedingungen der COVID-19 Pandemie“. Auch an der qualitativen multizentrischen Studie „HEICO- Pflegeheime in der COVID-19 Pandemie“ ist Martin Dichter beteiligt. Außerdem hat er die Projektleitung übernommen für ein Survey zu „Impfungen von Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen stationärer Altenpflegeeinrichtungen und deren Konsequenzen“.

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Astrid Elsbernd
Foto: Portrait: privat
Astrid Elsbernd

Prof. Dr. Astrid Elsbernd ist Studiendekanin und Institutsleitung an der Hochschule Esslingen in der Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege. Seit März 2020 arbeitet sie in der Task Force „Langzeitpflege und Eingliederungshilfe“ als Sachverständige (und in weiteren Unterarbeitsgruppen). Die Task Force wird verantwortet vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. 2020 bis 2021 hat Astrid Elsbernd zusammen mit Lisa Heidecker an einer Forschungsstudie zur Lage der Langzeitpflege in der Zeit der Corona-Pandemie gearbeitet, die unter dem Titel Aus der Krise lernen als Buch erschienen ist.

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Thomas Fischer
Foto: Portrait: Hoffotografen / Canva
Thomas Fischer

Thomas Fischer von der Evangelischen Hochschule Dresden ist Sprecher des DPR-Expertenrats. Er koordiniert die Leitlinie „Häusliche Versorgung, soziale Teilhabe und Lebensqualität bei Menschen mit Pflegebedarf im Kontext ambulanter Pflege unter den Bedingungen der COVID19-Pandemie“. Außerdem vertritt er die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft im Kompetenznetz Public Health Covid 19, wo er auch Co-Sprecher der AG „Pflege, Gesundheit, Alter“ ist. Zurzeit erstellt er eine Literaturübersicht zu Sars-CoV-2 im Pflegeheim.

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Uta Gaidys
Foto: privat
Uta Gaidys

Prof. Dr. Uta Gaidys leitet das Department Pflege und Management an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Zusammen mit Anke Begerow war sie von April 2020 bis Juli 2021 Projektleiterin der Covid-19 Pflegestudie. Die Studie ist ein web-basierter Survey. Es wurden 3.687 professionell Pflegende aus allen Pflegesettings befragt. Es stellte sich heraus, dass die Zunahme der Arbeitsbelastung in der stationären Langzeitpflege am höchsten ist (89,4 Prozent) und 75,7 Prozent der Befragten aus der Intensivpflege und 72,7 Prozent aus der stationären Langzeitpflege eine beeinträchtigte Versorgungsqualität erleben.

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Prof. Dr. Margareta Halek
Foto: privat
Prof. Dr. Margareta Halek

Prof. Dr. Margareta Halek vom Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke hat die Entwicklung der ersten pflegerischen Leitlinie (S1) zur Versorgung von Menschen in der stationären Altenhilfe geleitet und wirkt augenblicklich beim Up-Date dieser Leitlinie mit. Außerdem hat Margareta Halek in der Studie namens Heico untersucht, wie die Familien der Bewohner die pandemische Situation und die Pflegesituation erlebt haben.

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Prof. Dr. Annegret Horbach
Foto: Portrait privat / Canva
Prof. Dr. Annegret Horbach

Prof. Dr. Annegret Horbach von der Frankfurt University of Applied Sciences arbeitet mit quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden. Sie nimmt Pflegebedürftige und Patienten und deren An- und Zugehörigen in allen Settings (sektorenübergreifend)  in den Blick und sucht Lösungsstrategien für die unterschiedlichen Herausforderungen im Laufe eines Lebens von Geburt bis zur Bestattung. Aktuell untersucht Annegret Horbach, wie sich die Corona-Pandemie auf das Arbeitsleben von Fachkräfte im Gesundheitswesen auswirkt und gibt Einblicke in den kreativen Umgang mit Verordnungen.  

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Andreas Kocks
Foto: Uniklinik Bonn
Andreas Kocks

Andreas Kocks MScN ist Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Bonn und Sprecher im Netzwerk Pflegewissenschaft und Praxisentwicklung der Universitätsklinika in Deutschland (VPU). Schwerpunkte seiner Pandemieforschung sind das Erleben der Angehörigenausschluss in Universitätskliniken wie auch allgemein Pandemieerfahrungen und Strategien des Pflegemanagements. Andreas Kocks ist außerdem Initiator einer Stellungnahme zum Forschungsbedarf für den akuten Aufbau nötiger Evidenz im klinisch pflegerischen Pandemiemanagement.

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Prof. Dr. Melanie Messer
Foto: privat
Prof. Dr. Melanie Messer

Prof. Dr. Melanie Messer leitet an der Universität Trier die Abteilung Pflegewissenschaft II. Sie forscht zu den Folgen der Covid-19-Pandemie auf Versorgungssituationen und evidenzbasiertes Handeln. Ihr Fokus liegt auf Aspekten der Versorgungsqualität, Patientenzentrierung und Gesundheitskompetenz.

Dr. Peter Nydahl ist Pflegewissenschaftler am Universitätsklinikum Schleswig Holstein. Er beschäftigt sich mit der weltweiten Versorgung von Intensivpatienten mit und ohne Covid-19 und der Belastung von Pflegefachkräften auf Intensivstationen. Außerdem hat er am Positionspapier der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) zur Besuchsregelung auf Intensivstationen unter Pandemiebedingungen mitgearbeitet.

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Anna-Henrike Seidlein
Foto: privat
Anna-Henrike Seidlein

Dr. Anna-Henrikje Seidlein arbeitet am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Greifswald. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich die Pflegewissenschaftlerin mit den ethischen Problemen, die sich aus der Pandemie und – unter anderem – deren Bewältigung ergeben. Im Mittelpunkt stehen die Pflegefachpersonen auf den Intensivstationen; ihre Abwägungs- und Aushandlungsprozesse auf der intrapersonalen Ebene, in der Beziehung zu den Patienten, aber auch im interprofessionellen Team.

Außerdem nehmen am Expertenrat teil:

Prof. Dr. Annett Horn (Münster)

Prof. Dr. Katrin Balzer (Lübeck)

Prof. Dr. Kirsten Kopke (Hannover)

Prof. Dr. Günter Meyer (Wolfsburg)

 

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