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Ausländische Pflegekräfte

Wie ein italienischer Pfleger  Deutschland erlebt 

Francesco Fontanini konnte kaum Deutsch als er 2015 ins Westpfalz-Klinikum kam, inzwischen hat er sich gut eingelebt. Wir fragten ihn, was Team und ausländische Pflegekräfte selbst für einen geschmeidigen Einstieg tun können     

Francesco Fontanini verließ Sizilien, um in Deutschland als Pflegefachperson zu arbeiten. Heute ist der 32-Jährige auf der Pneumologie des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern im Einsatz. Sein nächstes Ziel: die erste italienische Stationsleitung der Klinik zu werden.

Herr Fontanini, wie sahen Ihre ersten Schritte in Deutschland aus?

Francesco Fontanini: Ich bin Ende 2015 durch ein Projekt des Westpfalz- Klinikums Kaiserslautern nach Deutschland gekommen, zusammen mit vier anderen Italienern. Wir waren bereits ausgebildete Pflegefachpersonen, hatten in unserer Heimat drei Jahre studiert – nur auf Deutsch konnten wir gerade einmal „Hallo“ sagen. Deshalb haben wir zunächst einen Intensivsprachkurs absolviert, fünf Monate lang acht Stunden täglich. Mit der bestandenen B1 Prüfung fing ich an, als Pflegehelfer im Frühdienst zu arbeiten. Parallel besuchte ich weiter einen Deutschkurs, Ende 2016 habe ich auch die B2-Prüfung abgelegt. Seitdem arbeite ich als Pflegefachkraft.

Was hat Ihnen geholfen, sich in den Arbeitsalltag einzugewöhnen?

Wir fünf waren damals für die deutschen Kollegen eine Neuigkeit – die ersten angeworbenen Italiener im Klinikum. Sie wollten uns kennenlernen, viel über unser Leben, unsere Traditionen wissen und zeigten uns, dass wir willkommen sind. Das war ein großes Glück. Wir wurden zu Dorffesten mitgenommen, nach drei Tagen auf Station war ich schon zur Hochzeit eines Kollegen eingeladen. Dieses Entgegenkommen von beiden Seiten ist ganz wichtig: Wer als Pflegefachperson zuwandert, muss bereit sein, alles zu geben – aber es braucht auch ein Team, das Lust auf die neuen Kollegen hat.

Welche Situationen haben Sie in der ersten Zeit auf Station als schwierig empfunden?

Was mir am Anfang besonders zu schaffen gemacht hat, waren Dialekte. Das war furchtbar. In der Schule lernte ich ja in erster Linie Hochdeutsch – traf dann aber im Stationsalltag auf einmal Hunderte von Patienten, die Pfälzisch sprachen. Da gucken Sie schon blöd. Und müssen eben immer wieder nachfragen.

Wie war das im Kontakt mit Patienten und Angehörigen?

Sie waren manchmal schon genervt. Klar, Patienten erwarten doch, dass der Pfleger für sie ein Problem löst und sie richtig versorgt. Wenn dann jemand kommt, der ihren Dialekt nicht versteht, darf man nicht mit viel Geduld rechnen. Trotzdem sollte man nicht gleich die Kollegen holen und hoffen, dass sie nun übernehmen. Solche Situationen gehören zum Alltag, und meistens kann man sie auch selbst klären.

Was ist Ihr wichtigster Rat an ausländische Pflegefachpersonen, die neu in Deutschland ankommen?

Mit den deutschen Kollegen wirklich zu leben, auch außerhalb der Arbeit mit ihnen Zeit zu verbringen. Den Alltag lernt man nur durch sie kennen. Es ist natürlich leichter, sich mit denjenigen zusammenzutun, die aus dem eigenen Land stammen, aber wenn das zu viel ist, verliert man sein Ziel. Es ist wichtig, ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen dem Gefühl, nicht allein zu sein mit seinen Schwierigkeiten, und dem Bestreben, sich hier ein eigenes Leben aufzubauen.

Und was können Sie den deutschen Kollegen empfehlen?

Wer eine ausländische Pflegefachperson im Team hat, braucht schon eine offene Haltung. Vor ihm steht ja ein Mensch, der eine große Veränderung in seinem Leben durchgemacht hat und der selbst auch offen für Neues ist. Und sicher ist gerade am Anfang Geduld wichtig, denn mit der Zeit kommt schon alles. Wir sind ja examinierte Pflegefachpersonen – und das ist ein internationaler Job. Wer Pfleger ist, bleibt Pfleger für immer, in jedem Land.

Interview: lin

Das Interview erschien zuerst im Magazin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz

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