Deutscher Pflegepreis

Wie diese Frau Teenagern Lust auf Pflege macht

Wenn die 22-jährige Krankenpflegerin (RKU Ulm) in Schulen über ihren Beruf spricht, kommt sie schon mal auf Filme wie „Suicide Squad“ zu sprechen. Jetzt hat die BVUK.Gruppe Helena Dyck zur „Botschafterin der Pflege“ gekürt.

Inhaltsverzeichnis

Dass Helena Dyck dösende Schüler im Handumdrehen wachrüttelt, ist leicht vorstellbar: Wie sie da bei der Preisverleihung im Varieté Wintergarten in Berlin auf den Stufen hoch zur Bühne kurz über ihr langes rotes Abendkleid stolpert, darüber lacht und nach der Laudatio atemlos zu einer kleinen, sprudelnden Rede ansetzt, jargon- und floskelfrei – das wirkt 100 Prozent belebend, auch auf ein gesetzteres Publikum, wie es hier am Vorabend des Deutschen Pflegetags zusammengekommen ist für die Verleihung des Deutschen Pflegepreises (in sechs Kategorie).

Sie ist keine typische Überfliegerin

Mit dem Preis „Botschafterin der Pflege“ möchte die auf betriebliche Altersvorsorge sowie Berufsunfähigkeitsabsicherung spezialisierte BVUK.Gruppe Pflegekräfte mit überdurchschnittlichen Leistungen und starkem Engagements würdigen. In ihrer Pressemitteilung heißt es: Man habe sich für die Stroke-Nurse Helena Dyck von den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) entschieden, weil diese:

  • trotz ihres jungen Alters binnen kurzer Zeit zu einer absoluten Leistungsträgerin auf ihrer Station wurde

  • sehr patienten- und teamorientiert und vor allem begeistert von ihrem Beruf ist

  • sich begeistert für den Nachwuchs in der Pflege engagiert: Sie kümmert sich um interessierte Schüler und betreut Auszubildende und Praktikanten

  • bald berufsbegleitend ein pflegepädagogisches Studium aufnehmen wird.

Nun, das klingt nach dem Arbeitszeugnis einer Überfliegerin. Kommt auch das gut bei Realschülern an? Ja, das wird deutlich im persönlichen Gespräch mit Helena Dyck am darauffolgenden Tag auf dem Deutschen Pflegetag am Stand der Schlüterschen.

Interview mit Helena Dyck

pflegen-online: Wie gelingt es Ihnen, die Schüler zu begeistern?

Helena Dyck: Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass ich aus der Jugendwelt komme und ihre Sprache spreche. Ich sage ihnen zum Beispiel, dass der Beruf das richtige ist für Leute, die Abenteuer erleben möchten – dass es hier Wunden zu versorgen gibt, dass man richtig schnell reagieren und mit der Maske schnell zur Stelle sein muss, wenn jemand unter Atemnot leidet.

‚Das ist ein cooler Beruf, werd‘ Wundmanager oder Atemtherapeut‘, – das sage ich besonders den Jungen, wenn sie wieder einmal meinen, man würde in dem Beruf nur Waschen und Putzen.

Was auch gut ankommt, ist, dass ich die Filme und You-Tube-Videos kenne, die sie sehen. ‚Ihr mögt den Film Suicide Squad?‘, frage ich und sage: ‚Wenn ihr solche Sachen im Arbeitsalltag erleben wollt‘, dann geht in die Psychiatrie ...‘

pflegen-online: Und das wirkt?

Helena Dyck: Ja! Natürlich ist nicht immer alles ganz ernst gemeint, aber es hilft tatsächlich, wenn man diesen besonderen Draht zu den Schülern hat. Ich habe ihnen beispielsweise auch erzählt, dass ich eine sehr mittelmäßige Schülerin war. Das hat sie sehr erstaunt, weil ihnen wohl eine Pflegepädagogin bei anderer Gelegenheit erzählte, dass sie Latein beherrschen und gute Noten haben müssten.

Ich bin aber auch erst in meinem Beruf richtig ehrgeizig geworden, weil mich die Pflege begeistert, weil sie mir Spaß macht. Wenn ich das den Schülern erzähle, sind sie immer sehr überrascht.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Helena Dyck: Ich mag den menschlichen Kontakt, die Kreativität, die man ausleben kann und die Möglichkeit durch Fort- und Weiterbildung in verantwortungsvolle Position zu kommen.

Was mich ganz besonders beeindruckt, ist, dass die Patienten mir ihr Leben anvertraut.

In welchen Situationen mögen Sie Ihren Beruf besonders gern?

Helena Dyck: Wenn ich die Chance habe, länger mit Patienten zu reden und sie mir etwa Liebesgeschichten anvertrauen. Und ich genieße natürlich auch die Tage, an denen ich in die Schulen gehe und mit Schülern reden kann.

Sie studieren Pflegepädagogik – wird Ihnen, wenn Sie abgeschlossen haben, nicht der Patientenkontakt fehlen?

Helena Dyck: Nein, weil ich in der Praxis bleiben werde. Dass hier in Deutschland viele Pflegewissenschaftler nicht mehr praktisch arbeiten, finde ich geradezu traurig. Das ist in anderen Ländern anders. Dort hat sich offenbar schon herumgesprochen, dass man ohne ein Bein in der Praxis den Kontakt zum Pflegeberuf verliert, und anfängt, sich mit Fragen zu beschäftigen, die für die Kollegen am Patientenbett keine oder kaum Bedeutung haben.

pflegen-online: Sie haben ein Preisgeld von 4.000 Euro für eine Reise erhalten. Wohin wird es gehen?

Helena Dyck: Ich weiß es noch nicht. Der Gutschein ist bis 2020 gültig und dieses Jahr ist mein Urlaub schon gezahlt. Darum werde ich den Gutschein erst nächstes Jahr verwenden.

Autorin: Kirsten Gaede

Foto: Patricia Haas

Foto: v.l.n.r.:Kath. Hochschule Freiburg/APS/Kath. Hoschule Mainz

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