Wer hat diesen Mann gesehen?

Ein polnischer Pflegehelfer könnte eine Mordserie im häuslichen Milieu zu verantworten haben. Die Kripo bitte um Unterstützung. Der Verdächtige hat in Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Schleswig-Holstein und Brandenburg gearbeitet.

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Es ist ein Albtraum: Da versuchen Angehörige ihrer pflegebedürftigen Mutter oder dem gebrechlichen Vater ein möglichst langes Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, indem sie eine persönliche Hilfskraft ins Haus bestellen. Doch dann zeigt sich, dass diese nicht nur unangemessen ruppig agiert, sondern auch noch hochkriminell sein könnte. Ein besonders schockierender Fall beschäftigt derzeit die Kripo München. Dort soll ein Altenpflegehelfer für den Tod eines 87-Jährigen verantwortlich sein.

Grzegorz Stanislaw Wolsztajn, 36 Jahre

Wie erste Ermittlungen zeigen, dürfte dieser eine Fall aber nur die Spitze eines Eisberges sein. Gegen den Mann laufen bereits mehrfach polizeiliche Ermittlungen, die alle auf ähnliche Fälle hindeuten. Um zu ermitteln, wo diese Person – ein 36jähriger, korpulenter Pole namens Grzegorz Stanislaw Wolsztajn - zuvor schon überall ihr Unwesen getrieben hat, bittet die Polizei nun um Mithilfe der Bevölkerung und hat einen öffentlichen Fahndungsaufruf gestartet.

Auch deutsche Agenturen haben ihn vermittelt

Nach dem, was bislang bekannt ist, könnte es sich also um eine ganze Serie mordverdächtiger Fälle im häuslichen Pflegebereich handeln, die auf das Konto von Wolsztajn gehen. Denn Wolsztajn hat seit über zehn Jahren in Deutschland und England an verschiedenen Orten als ungelernte Pflegehilfskraft gearbeitet, vermittelt teilweise über polnische und slowakische, aber auch in Deutschland ansässige Agenturen.

Wolsztajn alamierte selbst den Notruf

Der aktuelle Fall wurde publik, nachdem Wolsztajn sich am Rosenmontag selbst an den Pflegenotruf wandte, weil er angeblich seinen zu betreuenden 87-jährigen Rentner leblos im Bett gefunden hätte. Der zur Leichenschau hinzugezogene Arzt stellte jedoch Auffälligkeiten fest und bescheinigte eine nicht aufgeklärte Todesart.

Mehrere Ampullen Insulin im Gepäck

Polizeiliche Überprüfungen ergaben, dass gegen den Polen bereits mehrfach polizeilich ermittelt wird, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung eines ebenfalls von ihm betreuten Rentners in Weilheim. In seinem Besitz wurden zudem zwei EC-Karten des Verstorbenen sowie Bargeld in Höhe von 1210 Euro gefunden. In seinem Gepäck fanden sich ein sogenannter Insulin-Pen und mehrere Ampullen mit Insulin. Der Beschuldigte gab inzwischen zu, das Bargeld und die EC-Karten nach dem Ableben des Rentners aus dessen Geldkassette gestohlen zu haben.

Der Verdächtige sitzt in der JVA Stadelheim

Nachdem Rechtsmediziner mehrere fragliche Einstichstellen an der Leiche festgestellt hatten sowie einen extrem niedrigen Blutzuckerwert, bestritt der polnische Pflegehelfer zunächst, damit etwas zu tun zu haben. Doch schließlich gab er zu, dem Rentner Insulin gespritzt zu haben. Weitere Angaben wollte er nach Auskunft der Staatsanwaltschaft München nicht mehr machen. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erhoben, er sitzt zurzeit in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Weiterer Todesfall

In Deutschland hat der 36-Jährige nach jetzigem Ermittlungsstand 20 Person betreut (siehe Karte). Neben dem getöteten 87-Jährigen mussten vier weitere von ihm betreute Personen mit teilweise lebensbedrohlichem Zuständen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei allen wurde ein nicht erklärbarer, teils extrem niedriger Blutzuckerwert festgestellt. Dank medizinischer Notfallmaßnahmen konnten alle vier zunächst überleben, eine dieser Personen starb jedoch rund zwei Monate später.

Auffälliges aggressives Verhalten

Teilweise verständigten die Angehörigen den Rettungsdienst, teilweise der Pflegehelfer selbst. Gestohlen hatte dieser nach bisherigen Erkenntnissen in diesen vier Fällen aber nichts. Stets reiste er jedoch unmittelbar nach der Einlieferung der zuvor von ihm betreuten Personen ins Krankenhaus wieder ab. Bei einer weiteren Person wurde festgestellt, dass diese wenige Tage nach der Ankunft des 36-Jährigen verstarb. Die genauen Umstände sind jedoch noch nicht geklärt. Bei drei weiteren Personen besteht der konkrete Verdacht, dass der Pfleger sie bestohlen hat. In elf weiteren Fällen, bei denen Wolsztajn ebenfalls als Pfleger engagiert war, liegen bislang keine Erkenntnisse hinsichtlich krimineller Machenschaften vor. Allerdings wurden hier seine Arbeitsverträge allesamt vorzeitig beendet – zum einen wegen mangelnden Engagements oder aggressiven Verhaltens gegenüber den zu Betreuenden, zum anderen, weil die betreuten Personen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Von Berlin bis Weilheim

Nach bisherigen Erkenntnissen war Wolsztajn in ganz Deutschland pflegerisch im Einsatz: Er bot seine Dienste von Kiel über Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Bonn, Mainz, Mannheim und Stuttgart bis nach München und Weilheim an.

Hinweise bitte ans Polizeipräsidium München

Die Kripo München fragt nun: Wer kann Angaben zu Grzegorz Stanislaw Wolsztajn machen? Wer kennt Aufenthaltsorte von ihm oder kann Personen nennen, die von ihm betreut wurden? Die Polizei bittet jeden, der sachdienliche Hinweise geben kann, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 11, 80333 München, Ettstraße 2, Telefon 089/2910-0 oder auch mit jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Autorin: Birgitta vom Lehn

Foto/Karte: Polizeipräsidium München

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