Recht

Wenn Raucherpausen zum Ärgernis werden

Rauchen während der Arbeit – ein täglicher Streitpunkt in Pflegeheim und Klinik: Nichtraucher beschweren sich über Raucherpausen, Raucher fordern mehr Verständnis. Wie damit umgehen? Müssen Arbeitgeber Raucherpausen dulden?

Inhaltsverzeichnis

„Rauchen ist Privatsache und wird nicht anders behandelt als das Einkaufen während der Arbeitszeit. Es gibt somit keinen dahingehenden Rechtsanspruch“, kommentierte der Kölner Rechtsanwalt Michael Beuger dieses Thema in der Frankfurter Rundschau.

Betriebsrat hat Mitbestimmungsrecht

Die gängige Praxis, dass Arbeitnehmer zum Rauchen gehen – außerhalb von Pausen und in der Arbeitszeit – muss der Arbeitgeber nicht dulden. Er kann verlangen, dass Raucher die Arbeitszeit unterbrechen, also „ausstempeln“, und die Arbeitszeit nachholen. Weiter heißt es in dem Artikel: „Wird die Raucherpause von einem Tag auf den anderen untersagt, müssen Betroffene dies auch akzeptieren: Ein Anspruch für die Zukunft besteht selbst nach jahrelanger Duldung im Unternehmen nicht. Gibt es einen Betriebsrat, hat dieser allerdings bei einem Komplettverbot ein Mitbestimmungsrecht.“

Laissez-faire macht Nichtraucher unzufrieden

„Ein Arbeitgeber muss nicht dulden, dass ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verlässt und rauchen geht. Er kann ihn auf die reguläre Pause verweisen", bestätigt Dr. Ingo Vollgraf von der Kanzelei Caemmerer Lenz. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht rät dringend dazu, für das Rauchen im Betrieb eine klare Regelung zu finden. „Wenn vom Arbeitgeber geduldet wird, dass Mitarbeiter während der Arbeitszeit in erheblichen Umfang rauchen gehen, schafft dies oft Unzufriedenheit unter den Kollegen, die nicht rauchen und an denen die Arbeit in diesen Zeiten hängen bleibt. Das wird häufig als ungerecht empfunden, vor allem, wenn die sogenannten Raucherpausen nicht einmal nachgearbeitet werden müssen. Deshalb: Wer die Raucherpausen nicht klar regelt, handelt sich eine Menge Folgeprobleme ein."

Klare Regelung ist ratsam

Wenn es im Betrieb keine Stechuhren gibt, um die Raucherzeiten zu erfassen, bietet sich etwa ein Software-Tool auf dem Rechner an, das das Ein- und Ausloggen ermöglicht. „Vor allem in kleineren Betrieben können diese Zeiten auch auf Vertrauensbasis von den Rauchern selbst registriert und nacharbeitet werden. Auch eine solche Regelung sollte aber klar und für alle vernehmbar - auch für die Nichtraucher - kommuniziert werden. Alles ist besser, als einfach über das Thema Raucherpausen stillschweigend hinwegzugehen, wenn es in der Belegschaft gärt", sagt Dr. Ingo Vollgraf.

Das Rauchen grundsätzlich nur in der regulären Pause zu erlauben, hält Ingo Vollgraf übrigens für wenig sinnvoll. Es könne zu unerwünschten Nebeneffekten führen. „Raucher freuen sich auf ihre Zigarette und das damit verbundene Ritual. Ihnen das zu lange vorzuenthalten, kann zu Unkonzentriertheit und einem spürbaren Leistungsabfall führen." Trotz der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und dem betrieblichen Gesundheitsschutz sei eine bevormundende Raucherregelung deshalb nicht „zielführend".

Autorin: kig

Illustration: Wiedenroth

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