Recht

Wenn Raucherpausen zum Ärgernis werden

Rauchen während der Arbeit – ein täglicher Streitpunkt in Pflegeheim und Klinik: Nichtraucher beschweren sich über Raucherpausen, Raucher fordern mehr Verständnis. Wie damit umgehen? Müssen Arbeitgeber Raucherpausen dulden?

Inhaltsverzeichnis

[Der Artikel erschien zuerst im April 2018 und wurde am 7. September 2021 aktualisiert.]

„Rauchen ist Privatsache und wird nicht anders behandelt als das Einkaufen während der Arbeitszeit. Es gibt somit keinen dahingehenden Rechtsanspruch“, kommentierte der Kölner Rechtsanwalt Michael Beuger dieses Thema in der Frankfurter Rundschau.

Betriebsrat hat Mitbestimmungsrecht

Die gängige Praxis, dass Arbeitnehmer zum Rauchen gehen – außerhalb von Pausen und in der Arbeitszeit – muss der Arbeitgeber nicht dulden. Er kann verlangen, dass Raucher die Arbeitszeit unterbrechen, also „ausstempeln“, und die Arbeitszeit nachholen. Weiter heißt es in dem Artikel: „Wird die Raucherpause von einem Tag auf den anderen untersagt, müssen Betroffene dies auch akzeptieren: Ein Anspruch für die Zukunft besteht selbst nach jahrelanger Duldung im Unternehmen nicht. Gibt es einen Betriebsrat, hat dieser allerdings bei einem Komplettverbot ein Mitbestimmungsrecht.“

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Laissez-faire macht Nichtraucher unzufrieden

Die Juristin Nancy Novak von der Kanzlei Laborius bestätigt: „Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) haben Arbeitnehmer bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden einen Anspruch auf eine Pause von 30 Minuten. Bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden sind es sogar 45 Minuten. Dieser Zeitraum kann (auch) für eine Raucherpause genutzt werden. Der Arbeitgeber muss nicht dulden, dass ein Mitarbeiter darüber hinaus seinen Arbeitsplatz verlässt und rauchen geht.“ Die Fachanwältin für Arbeitsrecht rät dringend dazu, für das Rauchen im Betrieb eine klare Regelung zu finden. „Nicht selten gibt es mit Blick auf die diversen – wenn auch kurzen –  Raucherpausen der rauchenden Mitarbeiter erhebliche Unzufriedenheit unter den Nichtrauchern der Belegschaft, an denen während dieser zusätzlichen Pausenzeiten die Arbeit hängen bleibt. Dies umso mehr, wenn die zusätzlichen Raucherpausen nicht einmal nachgearbeitet werden müssen. Deshalb: Klare Regelungen zum Thema Raucherpausen sorgen für zufriedene Arbeitnehmer und vermeiden Folgeprobleme.“

Klare Regelung ist ratsam

Wenn es im Betrieb keine Stechuhren gibt, um die Raucherzeiten zu erfassen, bietet sich etwa ein Software-Tool auf dem Rechner an, das das Ein- und Ausloggen ermöglicht. „Der Arbeitgeber ist gut beraten, gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Lösungen zu finden, die für alle Mitarbeiter zufriedenstellend sind. Er sollte seiner Belegschaft gegenüber – gerade im Fall von Vertrauensarbeitszeit – deutlich machen, dass die Zeit der zusätzlichen Raucherpausen nachgearbeitet werden muss. Gibt es zum Thema Raucherpausen bereits Unmut unter den Mitarbeitern ist es eher kontraproduktiv, stillschweigend hierüber hinwegzugehen.“ sagt Nancy Novak.


Das Rauchen grundsätzlich nur in der regulären Pause zu erlauben, hält Nancy Novak übrigens für wenig sinnvoll. Es könne zu unerwünschten Nebeneffekten führen. „Man darf nicht vergessen, dass das Rauchen in der Regel eine Sucht ist. Den Rauchern das Rauchen zu verbieten, kann zu Unkonzentriertheit und einem spürbaren Leistungsabfall führen." Trotz der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und dem betrieblichen Gesundheitsschutz sei eine bevormundende Raucherregelung deshalb nicht „zielführend".

Autorin: kig

Illustration: Maren Schlenker

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