Schweigeminute bei Vivantes

Wenn ein Mitarbeiter stirbt ...

... die Kollegen sind bestürzt – wie kann der Arbeitgeber reagieren? Das Berliner Vivantes Klinikum im Friedrichshain hat sich für eine Schweigeminute entschieden.

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Mitte Oktober fand im Vivantes Klinikum im Friedrichshain eine Schweigeminute für eine verstorbene Kollegin und zwei schwer verletzte Mitarbeiter statt. Die Geschäftsführende Direktorin, Dr. Andrea Bronner (Foto unten), erklärt im Gespräch mit pflegen-online, wie es dazu kam.

pflegen-online: Frau Bronner, wie entstand die Idee zu der Schweigeminute?

Andrea Bronner: Unser Haus war innerhalb kürzester Zeit von zwei tragischen Unglücken betroffen: Während des Sturms „Xavier“ war ein Mitarbeiter bei einem selbstlosen Einsatz für das Leben anderer schwer verletzt worden. Kurz darauf raste ein betrunkener Autofahrer in die Tramhaltestelle vor unserem Klinikum und erfasste dabei zwei unserer Mitarbeiterinnen. Eine von ihnen kam ums Leben. Das hat uns alle im Haus schwer erschüttert. Es war in den Tagen deutlich das Bedürfnis spürbar, dieser Trauer und diesem sprachlosen Entsetzen gemeinschaftlich Ausdruck zu verleihen. So kam die Idee auf, zusammen zu schweigen, inne zu halten und in Gedanken bei den Betroffenen zu sein.

Wie haben sich die Kollegen beteiligt?

Es waren alle dabei, die es irgendwie einrichten konnten. Teilweise sind sogar Kolleginnen oder Kollegen kurzfristig für die Teams eingesprungen, die von den Unglücken unmittelbar betroffen waren, damit diese an der Schweigeminute teilnehmen konnten. Es war auch in diesem Sinne ein wirkliches Zusammenstehen. Das war für alle tröstlich, stärkend und dadurch auch eine verbindende Erfahrung. Viele haben sich auch in das Gedenkbuch eingetragen, das wir in beiden Standorten unseres Klinikums ausgelegt hatten. Die darin niedergeschriebenen Gedanken gelten nicht nur der verstorbenen Mitarbeiterin, sondern auch den beiden Schwerverletzten.

Wie waren die Reaktionen in den Sozialen Medien?

Geradezu überwältigend. Bisher ist kein anderer Beitrag unseres Unternehmens in den Sozialen Medien so oft geteilt und kommentiert worden. Es gab mehr als 1.500 Reaktionen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch aus anderen Vivantes Häusern haben diese Plattform genutzt, um ihre Anteilnahme zu bekunden und ihr Beileid auszusprechen. Das war enorm.

Haben Sie psychologische Beratung eingeholt?

Wir stellen sie auf jeden Fall bereit. Die Arbeit im Krankenhaus kann einen auch im Alltag stark herausfordern und an Grenzen bringen. Wir bieten unseren Beschäftigten daher bei Bedarf psychologische Unterstützung an. Das gilt erst recht für solche Extremsituationen, wenn Kolleginnen oder Kollegen bei der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg zu Schaden gekommen oder gar getötet worden sind. In diesem Fall haben wir dazu Experten aus der Psychiatrischen Klinik eines anderen Vivantes Hauses zu Hilfe geholt, und die standen auch sofort bereit. Dabei haben wir auch die Angehörigen in die psychologische und seelsorgerische Betreuung mit einbezogen.

Gab es in der Vergangenheit bereits vergleichbare Situationen und Veranstaltungen?

Das war für uns schon eine Art Ausnahmezustand. Im Zusammenhang mit dem terroristischen Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr hat sich Vivantes als gesamtes Unternehmen der vom Land Berlin ausgerufenen Schweigeminute für die Opfer des Anschlags angeschlossen. Damals haben wir zwar auch einige der Opfer behandelt, aber keine unserer eigenen Mitarbeiter waren unmittelbar betroffen.

Interview: Jens Kohrs

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Das Berliner Klinikum im Friedrichshain (1000 Betten, rund 1700 Mitarbeiter) ist eines von zehn Vivantes-Krankenhäusern. Vivantes ist mit einem Umsatz von 1,16 Milliarden Euro (2016) das größte kommunale Gesundheitsunternehmen in Deutschland. Neben Krankenhäusern zählen auch 15 Pflegeheime, ambulante Dienste, Tageskliniken, Medizinsiche Versorgungszentren und ambulante Reha-Einrichtungen zum Konzern.

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