Sturzprophylaxe

Welche Schuhe sind richtig für Ihre Klienten?

Sturzgefährdete Klienten sollten sicheres Schuhwerk tragen. Aber bedeutet das zwangsläufig, offene gegen geschlossene Schuhe auszutauschen? Ausgelatschte Treter gegen feste? Die Antwort darauf ist nicht einfach.

Inhaltsverzeichnis

Im Expertenstandard Sturzprophylaxe heißt es zum Thema Schuhwerk: „… bleibt die sturzprophylaktische Wirksamkeit von bestimmten Merkmalen des Schuhwerks, bzw. der Fußbekleidung unklar … Ansonsten fehlen robuste Studien zu den Effekten bestimmter Merkmale des Schuhwerks … auf die Wahrscheinlichkeit zu stürzen. Ungeachtet dieser Lücke im Wissensbestand sollten nach allgemeinem Menschenverstand offensichtliche Gefahrenquellen wie kaputtes oder subjektiv vom Betroffenen als unsicher wahrgenommenes Schuhwerk, rutschige Sohlen oder lose Schnürsenkel bei der Pflege kranker und/oder älterer Menschen vermieden werden.“

Auch alte Schuhe können die richtigen sein!

Richtiges Schuhwerk bedeutet also vor allem „geeignetes“. Wenn ein Mensch mit Demenz die festen, vermeintlich sicheren Schuhe immer wieder auszieht, müssen Sie sich Gedanken darüber machen, warum das so ist. Bedenken Sie auch, dass das Laufen in alten Schuhen geübter ist als in neuen Schuhen und deshalb manchmal sicherer. Wer zu Hause in Socken geht, wird in seinem Zimmer in der Pflegeeinrichtung womöglich keine Straßenschuhe tragen wollen. Er wird den gut gemeinten Ratschlag, sichere Schuhe zu tragen, eher nicht befolgen.

Gelegentlich bedarf es tatsächlich einiger Recherche, um herauszufinden, warum Klienten scheinbar sichere Schuhe ablehnen. Hierzu ein Beispiel aus einer Tagespflegeeinrichtung: Eine Dame stürzte immer wieder. Das beunruhigte die Pflegemitarbeiter ebenso wie die Tochter, die nicht verstand, warum ihre Mutter immer wieder in der Tagespflege stürzte, während sie zu Hause sicher ging. Die Dame war demenziell erkrankt, zog in der Tagespflege

immer ihre Schuhe aus, lief auf Strümpfen und stürzte.

Fragen Sie sich: Was haben Ihre Klienten zu Hause getragen?

Alle Versuche, der Dame Schuhe anzuziehen, misslangen. Auch Stoppersocken tolerierte sie nicht. Die einfache Frage „Was trägt die Dame eigentlich zu Hause?“, konnte mir keiner der Mitarbeiter beantworten. Als die Tochter gebeten wurde, die gewohnten Hausschuhe mitzugeben, genierte sie sich, denn die Hausschuhe der Mutter waren alt und wenig ansehnlich. Doch nachdem die alten, schmuddeligen Hausschuhe mit in die Tagespflege genommen wurden, gab es keine Stürze aufgrund „falschen Schuhwerks“.

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