Foto: africa-studio.com (Olga Yastremska and Leonid Yastremskiy)
Immer mehr Pflegekräfte machen eine Weiterbildung.

Beruf und Karriere

Weiterbildung: Wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber?

Und: Verdiene ich hinterher mehr? Welche Weiterbildungen gibt es überhaupt? Bildungsexpertin Anna-Lena Baumann vom DBfK Nordwest beantwortet 7 wichtige Fragen 

1. Frage: Was genau ist eine Weiterbildung, was unterscheidet sie von der Fortbildung?

Wer eine Weiterbildung absolviert, erweitert seine Qualifikation und beruflichen Handlungsspielraum über die aktuell ausgeübte Tätigkeit hinaus. Eine Pflegefachkraft qualifiziert sich mit der Weiterbildung auch für Bereiche, in denen sie bisher vielleicht nicht gearbeitet hat, etwa für die Praxisanleitung . Typisch für die Weiterbildung ist auch, dass sie mit einer Prüfung und einem Zertifikat abschließt.

Eine Fortbildung hingegen baut auf der aktuell ausgeübten Tätigkeit auf. Oft geht es darum, sein Wissen auf den neuesten Stand zu bringen oder zu erweitern, etwa zum Thema Dekubitusprophylaxe. Fortbildungen sind in der Regel auch viel kürzer als Weiterbildungen: Während Weiterbildungen oft mehrere 100 Stunden umfassen, erstrecken sich Fortbildungen nur über einige Stunden oder wenige Tage. Für Fortbildungen gibt es Teilnahmebestätigungen, aber keine Zertifikate. 

Es gibt einige wenige recht allgemeine Fortbildungen, die für alle Einrichtungen verpflichtend sind, etwa „Erste Hilfe“, „Infektionsschutzgesetz“, „Brandschutz“ und die „Unterweisung in Bio- und Gefahrenstoffen“. Spezifisch pflegerische Fortbildungen beispielsweise zu Expertenstandards (Sturzprophylaxe, Dekubitusprophylaxe etc.) sind bisher nicht verpflichtend. Einzigartig ist die Fortbildungspflicht für  Praxisanleiterinnen und -anleiter: Sie müssen seit 2020 jährlich 24 Stunden Fortbildungsstunden absolvieren.         

2. Frage: Was ist eine Fachweiterbildung? Was unterscheidet sie von anderen Weiterbildungen?

Fachweiterbildungen sind staatlich anerkannte Weiterbildungen mit mindestens 720 Stunden wie die Intensiv- und Anästhesiepflege, die OP-Pflege, die Onkologische Pflege oder die Neonatologische und Pädiatrischen Intensivpflege. Sie erstrecken sich meistens über mind. zwei Jahre. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die DKG, konzipiert die Empfehlungen für diese Weiterbildungen. Die Bundesländer orientieren sich an diesen Empfehlungen, wenn sie ihre Weiterbildungsverordnungen und Lehrpläne (Curriculae) ausarbeiten. Die Fachweiterbildungen sind bundesweit anerkannt, auch wenn die Bezeichnungen, die Lehrpläne und Prüfungen teilweise von Bundesland zu Bundesland variieren.

Andere Weiterbildungen – wie Parkinson-Nurse, Aromatherapie und Schmerzmanagement - sind nicht bundesweit anerkannt.

3. Frage: Habe ich Anspruch auf eine Weiterbildung?

Es gibt in keiner Branche einen gesetzlichen Anspruch auf Weiterbildung. „Selbst, wenn der Arbeitgeber möchte, dass ich eine neue Aufgabe übernehmen, ist er nicht verpflichtet, mir eine Weiterbildung zu ermöglichen“, sagt Anna-Lena Baumann vom DBfK.

Es gibt aber die Möglichkeit, den Anspruch auf Weiterbildung in einem Tarifvertag oder einer  Betriebsvereinbarung zu formulieren. Der Anspruch lässt sich auch im individuellen Arbeitsvertrag fixieren. Das passiert jetzt häufiger, weil immer mehr Pflegefachkräfte im Vorstellungsgespräch die Weiterbildung zur Voraussetzung für Ihren Einstieg in den Betrieb machen. „Dabei ist es aber wichtig, einige Fragen vorher zu klären: Bezahlt der Arbeitgeber die Weiterbildung? Werde ich für den Zeitraum freigestellt? Übernimmt er die Fahrtkosten? Die Übernachtungskosten? Es empfiehlt sich mit wirklich konkreten Vorstellungen ins Gespräch zu gehen und die Übereinkunft im Arbeitsvertrag genau festzuhalten“, sagt Anna-Lena Baumann.

4. Frage: Wie überzeuge ich den Arbeitgeber, mir eine Weiterbildung zu bewilligen? 

In jedem Fall ist es gut, selbst Initiative zu ergreifen und auf den Arbeitgeber zugehen – und zwar richtig gründlich vorbereitet. „Ich muss mir gute Argumente einfallen lassen und überlegen, inwiefern ich in meiner Tätigkeit davon profitiere. Es gilt vor allem auch, den Mehrwert für das Unternehmen herauszuarbeiten. Nehmen wir das Beispiel Pflegeexpert:in für Menschen mit Demenz Durch die Kompetenzen und die  reflektierte Herangehensweise, die die Fachpflegekraft bei dieser Weiterbildung erwirbt, verbessert sich mit Sicherheit ihre Kommunikation mit Patienten und Angehörigen. So werden Konflikte und Missverständnisse weniger, was Zeit spart und die Atmosphäre verbessert – insbesondere dann, wenn die Pflegeexpertin oder der Pflegeexperte auch als Multiplikator agiert“, erklärt die DBfK-Referentin Anna-Lena Baumann.

Weiterbildungen kann eine Pflegefachkraft in jeder beliebigen Weitebildungsstätte absolvieren. Sie kann sie auch selbst zahlen, wenn der Arbeitgeber sie nicht finanzieren möchte. Anders ist die Situation bei den Fachweiterbildungen: „Hier ist es eher unüblich zu sagen: Wenn ich sie hier nicht machen kann, absolviere ich sie woanders. Denn die Fachweiterbildung ist fast wie eine Ausbildung, Weiterbildungsstätte und Kliniken kooperieren miteinander, die Prüfer kommen auf Station, Praktikumsplätze müssen gefunden werden, im eigenen Haus und bei Kooperationspartnern. Der planerische Aufwand ist also hoch“, sagt Anna-Lena Baumann. „Es ist schlicht nicht möglich, sich bei einer beliebigen Weiterbildungsstätte zu melden und sich die Praktikumsplätze selbst zusammenzusuchen.“

Weil die Fachweiterbildungen für die Krankenhäuser viel Koordination bedeuten, ist auch die Zahl der Weiterbildungsplätze begrenzt. Wer etwa nach einer Weiterbildung für OP-Pflege oder Intensiv-Pflege fragt, muss damit rechnen, nicht gleich innerhalb der nächsten drei, vier Monate beginnen zu können.

5. Frage: Verdiene ich während der Weiterbildung weniger?

„Nein“, sagt Anna-Lena Baumann vom DBfK Nordwest. „In der Regel zahlen Arbeitgeber weiterhin das normale Gehalt. Es kann nur sein, dass Wechselschichtzulagen wegfallen, weil die Pflegefachkraft während der Weiterbildung weniger Nachtdienste, Wochenenden und Feiertage arbeitet. Es gibt aber auch Arbeitgeber, die einfach das durchschnittliche Gehalt der drei Monate vor Beginn der Weiterbildung zahlen.“

6. Frage: Verdiene ich mehr, wenn ich eine Weiterbildung absolviert habe?

Wer eine Fachweiterbildung absolviert hat, wird in den gängigen Tarifverträgen (TVöD, TVL, AVR) fast immer höher eingruppiert. Bei anderen Weiterbildungen ist es meistens Verhandlungssache. Immerhin: Bei der Caritas erhalten Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter eine monatliche Zulage von 160 Euro (sofern die Praxisanleitung den größten Teil der Arbeit ausmacht), im Berliner Vivantes Klinikum 150 Euro. „Wenn man aufgrund seiner neuen Aufgaben als Praxisanleiterin weniger Nachtschichten arbeitet, kann es aber sein, dann man trotz Zulage weniger verdient als vorher“, gibt Anna-Lena Baumann zu bedenken. „Es ist sicherlich nicht schlecht, das vorher zu kalkulieren und mit dem Arbeitgeber über mögliche Lösungen zu sprechen.“

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7. Frage: Sind Weiterbildungen beliebt? Gibt es einen Trend?

„Das Interesse ist groß, es gibt viele Supermotivierte, das beobachten wir hier beim DBfK Nordwest ganz deutlich. Man muss auch sagen, dass sich die Praxisanleiterinnen und -anleiter total freuen, dass für sie zu regelmäßigen Fortbildungen verpflichtet sind. Das deuten sie zu Recht als Anerkennung“, sagt Anna-Lena Baumann.

Was die Expertin ebenfalls optimistisch macht: Die Ausbreitung der Masterstudiengänge für klinische Felder (Advanced Practice Nursing). Es ist (anders als z.B. die Pflegewissenschaft) praktisch ausgerichtet, handlungsorientiert, und damit in gewisser Weise eine Weiterbildung auf Hochschulniveau. Genau das könnte die herkömmliche Weiterbildung befeuern: Die Pflegefachkräfte beobachten, wie wirkungsvoll die Arbeit der hochspezialisierten Master-Absolventen, der Advanced Nurses Practioners (ANPs) ist, und wünschen sich ebenfalls, den Pflegeberuf noch virtuoser ausüben zu können. „Es gibt z.B. ANPs für Herzinsuffizienz oder in der Rolle der Community Health Nurse – das ist eine völlig neue Welt und man sieht, welche Möglichkeiten der Pflegeberuf heute mit sich bringt.“

Autorin: kig 

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