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Gehalt

Weiterbildung – die heikle Frage nach dem Gehaltssprung

Höhere Qualifikation, mehr Wissen und Kompetenz – sicherlich. Aber lohnt sich die Fachweiterbildung für Pflegekräfte finanziell? Wir haben nachgefragt. Einige nennen konkrete Summen, zwei private Träger äußern sich gar nicht   

Am Anfang dieser Recherche steht eine einfache Frage: Wie viel mehr verdient eine Pflegekraft, wenn sie eine Fachweiterbildung absolviert hat? Klare Frage – klare Antwort? Mitnichten. Gleich der erste Kontakt mit der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) sorgt für Ernüchterung: Eine allgemeingültige Aussage dazu dürfe man nicht erwarten, heißt es bei dem Berufsverband. Das sei von Haus zu Haus unterschiedlich und dort in den jeweiligen Tarifvereinbarungen geregelt. Grundsätzlich jedoch werde mit einer Weiterbildung in der Regel mehr verdient. Na, immerhin…

Asklepios: „Das ist klinikindividuell“

Der private Klinikkonzern Asklepios mit Sitz in Hamburg verweist auf die großen Unterschiede zwischen den Kliniken in seinem Verbund. Nach eigenen Angaben betreibt Asklepios bundesweit rund 170 Gesundheitseinrichtungen. Die Verdienstfrage sei daher nicht mit einer konkreten Euro-Angabe zu beantworten, erklärt ein Sprecher: „Das ist klinikindividuell und nicht allgemeingültig.“ Wie viel mehr Pflegekräfte in den Asklepios Kliniken verdienen können, sei sehr unterschiedlich und abhängig vom Tarifvertrag oder der hausinternen Regelung.

Zwei weitere große von pflegen-online.de kontaktierte private Klinikketten mögen sich zu der Verdienstfrage nicht äußern. Eine reagiert erst gar nicht, die andere sagt freundlich ab: „Vielleicht passt es beim nächsten Thema wieder besser.“

DKG: 300 bis 400 Euro brutto mehr mit Weiterbildung

Peer Köpf dagegen wird konkret: „Fast alle Tarifverträge in Krankenhäusern honorieren eine pflegerische Fachweiterbildung“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Dezernats Personalwesen und Krankenhausorganisation der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Dort, wo der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes für Krankenhäuser (TVöD-K) gilt, springen Absolventen demnach „mindestens eine Entgeltgruppe nach oben“ – und dürfen mit 300 bis 400 Euro brutto mehr im Monat rechnen. Für eine examinierte Pflegekraft, die bisher ohne Weiterbildung auf Normalstation gearbeitet hat, bedeute das einen Wechsel von P7 auf P9 in der Pflegeentgelttabelle (P-Tabelle), so Köpf.

Unikliniken: Sprung von Kr 8 in Kr 9 durch Fachweiterbildung

Die konfessionellen Kliniken hätten diese Regelung in ihren Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) „weitgehend übernommen“, sagt der DKG-Experte: „Wenn die Pflegekräfte die tarifvertraglichen Bedingungen erfüllen, steht einer Höherstufung nichts entgegen.“ An den Unikliniken, die zumeist nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) zahlen, komme es auf die Eingruppierung mit Stufenzugehörigkeit vor und nach der Fachweiterbildung an, erklärt Torsten Rantzsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Pflegedirektorinnen und -direktoren der Universitätskliniken Deutschlands (VPU).

Für Pflegekräfte gilt hier die Gehaltstabelle „Kr“, und sie werden von Kr 8 (Stufe 2 bis 6) in Kr 9 (Stufe 2 bis 6) höhergruppiert. Eine pauschale Aussage lasse sich daher nicht treffen, sagt Rantzsch. Die durchschnittliche Differenz zwischen der Kr 8 und der Kr 9 liege bei einer Vollzeitbeschäftigung im reinen Grundentgelt bei 197,77 Euro. „Angabe ohne Gewähr“, betont der Chef des Verbands der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken (VPU) und fügt hinzu: „Die Eingruppierung ist tarifvertraglich geregelt und ermöglicht keinen Verhandlungsspielraum.“

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Einsatz im passenden Fachbereich Bedingung für Gehaltsplus

Für die Eingruppierung macht es auch keinen Unterschied, welche Fachweiterbildung erfolgreich abgeschlossen wurde – Hauptsache, sie gehört zu den DKG-Empfehlungen. „Es bleibt bei Kr 9“, sagt Rantzsch. Wichtig sei allerdings, dass die Pflegekraft auch in einem für die Fachweiterbildung vorgesehenen Fachbereich eingesetzt werde. Der Abschluss Fachkrankenpfleger im Operationsdienst erfordert also auch den Einsatzort OP.

Auch bei Asklepios ist eine mit einer Fachweiterbildung verbundene Gehaltsänderung „in der Regel keine Verhandlungssache“, wie der Sprecher zu pflegen-online.de sagt: „Sie wird in den einzelnen Tarifverträgen oder hausinternen Regelungen festgelegt.“ Grundsätzlich ermutige der Konzern das Pflegepersonal zu Weiterbildungen, „weil eine bessere Qualifikation auch unseren Kliniken und Patienten zu Gute kommt“.

DGF: Praxisanleiter-Weiterbildung „wahnsinnig beliebt“

Besonders beliebt sind Torsten Rantzsch zufolge die Fachweiterbildungen Intensiv- und Anästhesiepflege, Operationsdienst, Onkologie, Notfallpflege und Nephrologie. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvieren in der Regel über zwei Jahre insgesamt 720 Stunden Theorie und 1.800 Stunden Praxis. Nach Angaben der DGF sind bei den Pflegekräften auch die Praxisanleiter-Kurse „wahnsinnig beliebt“. Diese gehören zwar auch zu den DKG-Empfehlungen für pflegerische Weiterbildungen, sind wegen der geringeren Stundenzahl allerdings keine Fachweiterbildung. Dies gilt genauso für die Angebote „Leitung einer Station/eines Bereiches“ und „Intermediate Care Pflege“

Welchen Stellenwert das Thema Fort- und Weiterbildung hat, merkt Torsten Rantzsch meist schon beim ersten direkten Kontakt. Die Möglichkeit, eine Weiterbildung zu absolvieren, sei Bestandteil in fast jedem Bewerbungsgespräch, sagt der Pflegedirektor und Vorstand des Universitätsklinikums Düsseldorf: „Die Bewerber fragen ganz gezielt danach.“

Autor: Jens Kohrs

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