Image
conscious-design-eZIE5ZFR7Cs-unsplash.jpeg

Burnout, Rückenschmerzen & Co.

Warum Yoga für Pflegekräfte so gut geeignet ist

Yoga schafft nicht nur Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. Laut hochqualitativer Studien wirkt es gerade bei den am weitverbreitetsten Leiden unter Pflegekräften gut    

Fünf Prozent der Deutschen rollen regelmäßig die Matte aus: Yoga liegt im Trend und findet laut einer repräsentativen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) weiterhin immer mehr Fans. Doch was bewirkt ein regelmäßiges Training – und wie kann es Pflegekräften helfen?

„Yoga wirkt entspannend und kann zum Wohlbefinden beitragen, gleichzeitig kräftigt Yoga die Muskulatur und verbessert die Selbstwahrnehmung. Damit schafft es einen Ausgleich zum stressigen Berufsalltag von Pflegekräften und kann zum Beispiel Burnout und Rückenschmerzen vorbeugen“, sagt Jessica Fink, Sprecherin des Berufsverbands der Yogalehrenden in Deutschland e. V. (BDY). „Als Präventivangebot ist Yoga für viele Problemfelder von Pflegekräften sehr zu empfehlen.“

Yoga hilft bei leichten Depressionen und Bluthochdruck …

Kürzlich erst hat der „Gesundheitsreport 2019“ der Techniker-Krankenkasse (TK) festgestellt, dass Pflegekräfte überdurchschnittlich häufig an Bluthochdruck, Muskel-Skelett-Veränderungen und Depressionen leiden. Bei diesen und anderen Erkrankungen vermag Yoga indes nicht nur prophylaktisch zu helfen – auch wer gesundheitlich bereits angeschlagen ist, kann von der Kombination aus körperlichem Training, Atemübungen und Meditation profitieren.

[Es gibt inzwischen auch eine Massage, die bei depressiven Verstimmungen gute Wirkung zeigt – lesen Sie dazu das Interview mit dem früheren Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Bruno Müller-Oerlinghausen]  

… und bei Rückenschmerzen so gut wie Physiotherapie

Gerade der Nutzen von Yoga bei Rückenschmerzen sei hervorragend untersucht, sagt Dr. Holger Cramer, Forschungsleiter der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Evang. Kliniken Essen-Mitte (KEM) und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. „Zahlreiche hochqualitative Studien und Metastudien mit mehreren tausend Patienten belegen positive Effekte. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Gesundheitszustand bessert, ist dabei unter Yoga mehr als dreimal so hoch wie bei Patienten, die nur allgemeine Ratschläge bezüglich ihrer Schmerzen erhalten. Gegenüber Stretching und ähnlichen Formen körperlicher Aktivität ist Yoga zumindest ebenbürtig. Darüber hinaus zeigt eine aktuelle US-amerikanische Studie, dass Yoga in der Gruppe genauso gut Rückenschmerz reduziert wie eine individualisierte Eins-zu-eins-Physiotherapie – der Goldstandard in der Rückenschmerztherapie.“

7 Übungen, die bei Pflegekräften besonders gut wirken

Es muss nicht gleich das Fitnessstudio sein. Mit kleinen Übungen während der Arbeit und den richtigen Tricks beim Heben können Sie eine Menge erreichen.
Artikel lesen

Yoga kann auch Kopfschmerzen lindern

Bei Rückenbeschwerden umfassten die Wirkmechanismen des Yoga zunächst die körperliche Aktivität, so Cramer. Yoga zähle hier zu den isometrischen Übungen, bei denen Muskeln angespannt werden, ohne dass es zu wahrnehmbaren Bewegungen kommt. Darüber hinaus sei nachgewiesen, dass Yoga die Körperwahrnehmung trainiere, sodass Betroffene schneller merken, wenn sie zum Beispiel ungünstige Körperhaltungen einnehmen. Cramer: „Daneben kann der meditative Anteil des Yoga zu einer gesteigerten Schmerzakzeptanz führen, die wiederum – etwas paradox – die Schmerzen geringer werden lässt. Ähnliche Befunde, wenn auch nicht ganz so eindeutig, gibt es für Nackenschmerzen, Arthrose und Kopfschmerzen.“

Studien und Metastudien belegen die Wirkung von Yoga

Klinischen Studien und Metastudien zufolge kann Yoga den Blutdruck um bis zu 10/7 mmHg senken; bei diagnostiziertem Bluthochdruck sogar um 14/11 mmHg – in beiden Fällen allerdings nur als Ergänzung zur medikamentösen Therapie und nicht als Ersatz. „Bluthochdruck ist häufig durch ein Ungleichgewicht im Nervensystem bedingt. Hierbei überwiegt dann der aktivierende Anteil, der so genannte Sympathikus. Dieser erhöht unter anderem den Blutdruck. Es konnte gezeigt werden, dass Yoga im Gehirn die Ausschüttung hemmender Botenstoffe bewirkt, die eine ausgleichende Wirkung auf das Nervensystem haben. Dafür ist es aber wichtig, neben den bekannten Yogahaltungen auch Atemtechniken aus dem Yoga zu üben“, sagt Cramer.

Yoga hellt Stimmung besser auf als Sport und Entspannung 

Auch bei Depressionen sollten Atemtechniken und Meditation in die Yogapraxis eingebaut werden – möglichst sogar als Hauptkomponente. Der Einfluss auf depressive Störungen beruht wie beim Bluthochdruck stark auf einer Regulation des Nervensystems hin zu einer stärkeren Entspannungs- und weg von einer Stressreaktion. Cramer: „Bei leichten Depressionen bewirkt Yoga in klinischen Studien eine deutliche Stimmungsaufhellung, die klar über die Wirkung von Sport oder Entspannung hinausgeht. Begleitende Angstsymptome können ebenfalls gebessert werden. Bei klinischen Depressionen hingegen ist die Studienlage sehr viel dünner, in diesen Fällen scheint Yoga keine zusätzliche Wirkung zu antidepressiven Medikamenten zu bringen.“

Wirkung vergleichbar mit Verhaltenstherapie

Grundsätzlich kann Yoga einen funktionalen, gesunden Umgang mit Stresssituationen fördern, da es die subjektiv empfundene Belastung reduziert – abseits schwerer depressiver Störungen zeige es insofern vergleichbare Effekte wie eine Verhaltenstherapie, so Cramer.

Viele Krankenkassen bezuschussen Yoga-Kurse

Für jeden, der Yoga selbst ausprobieren möchte, lohnt es sich, mit der eigenen Krankenkasse zu sprechen: Wer regelmäßig an einem zertifizierten Präventionskurs teilnimmt, kann sich die Kosten anteilig oder auch vollständig erstatten lassen. In welcher Höhe bezuschusst wird, variiert von Kasse zu Kasse und sollte daher vorab erfragt werden. Unterstützt werden „Yoga-Kurse, die auf das Präventionsprinzip der Förderung von Entspannung ausgerichtet sind, als primärpräventive Maßnahme für das Handlungsfeld Stressmanagement“, sagt Jessica Fink. Voraussetzung sei, dass die Yoga-Lehrer und ihre Kursangebote bei der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sind.

So finden sie eine gute Yoga-Lehrerin – 5 Tipps

Yoga allein mit einem Buch oder anhand eines Videos erlernen zu wollen, kann dagegen durchaus eine Verletzungsgefahr mit sich bringen. Für diejenigen, die ungeübt oder gesundheitlich eingeschränkt sind, ist die persönliche Anleitung durch eine qualifizierte Yoga-Lehrerin (oder Lehrer) umso wichtiger; bei Vorerkrankungen empfiehlt sich zudem eine Absprache mit dem Hausarzt. Jessica Fink vom Yogalehrenden-Verband rät besonders Anfängern darauf zu achten, dass

  • die Kursleiterin oder der -leiter  eine fundierte, mindestens zweijährige Yoga-Lehrausbildung abgeschlossen hat
  • man sich von der Yoga-Lehrerin gut begleitet fühlt
  • die Yoga-Lehrerin die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Teilnehmer respektiert
  • sie auch von ihrer persönlichen Ausstrahlung her überzeugt
  • die Gruppe nicht zu groß ist, sodass die Lehrerin oder der Lehrer alle Teilnehmer im Blick behalten und individuell auf sie eingehen kann

Nur wenige Arbeitgeber bieten Pflegekräften Yoga-Kurse an 

Als gesundheitsfördernde Maßnahme haben sich Yoga-Kurse inzwischen in vielen Unternehmen etabliert. Schon weit verbreitet seien solche Angebote für Büroangestellte, so Fink. „Es gibt auch bereits Yoga-Angebote im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie spezielle Yoga-Kurse für Pflegekräfte, beides aber leider noch recht selten. Dabei könnte gerade für Schichtdienstler ein Yoga-Angebot im Krankenhaus oder Heim eine gute Möglichkeit sein, Yoga kennenzulernen und regelmäßig zu üben.“

Autorin: lin

Sie interessieren sich für Themen rund um Burnout, Entspannung und Achtsamkeit im Pflegeberuf? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter – so gehen Sie sicher, dass sie auf pflegen-online keine Neuheiten verpassen!      

Foto: Keren Perez/Unsplash

Rückenschmerzen & Co.

Tipps für Pflegekräfte, die mit Yoga anfangen möchten

Wir haben mit Holger Cramer (Evang. Kliniken Essen-Mitte), Jessica Fink (Berufsverband der Yogalehrenden) und Yogalehrerin Susanne Hardt gesprochen - mit Videos

Rückenschmerzen

Rückenprobleme? Was Sportmediziner Söller Pflegekräften rät

Orthopäde und Akupunktur-Spezialist Felix Söller über die größten Fehler und die wirksamsten Übungen

Foto: Svetlana Lukienko - stock.adobe.com

Burnout, Depressionen & Co.

11 Hygge-Tipps für Pflegekräfte

Die Sonnenstunden werden weniger - und Ihre Stimmung trüber? Ihr Arbeitsalltag scheint Ihnen trist? Dann könnte Hygge, das Wohlfühl-Rezept aus Dänemark, eine gute Sofortmaßnahme für Sie sein

Image
roboter-telefon.jpeg
Foto: besjunior - stock.adobe.com

Dokumentation & Co.

15 Gründe, warum Pflegekräfte Digitalisierung brauchen

Schon wieder Pflegeroboter? Nein, keine Angst, hier geht es weit darüber hinaus, es geht um das, was in den nächsten zwei Jahren Pflegequalität, Patientensicherheit und Abläufe handfest verbessern wird

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.