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Kommentar

Warum verhandeln so wenige Pflegekräfte ihr Gehalt?

Für Pflegedirektorin Vera Lux ist es kein gutes Zeichen, wenn Pflegekräfte sich bescheiden geben und im Vorstellungsgespräch nicht aufs Gehalt zu sprechen kommen. Lesen Sie ihren Appell    

Qualifiziertes Pflegepersonal wird überall händeringend gesucht. Viele Kliniken und Pflegeheime können Ihre Stellen nicht mehr zeitnah nachbesetzen: Der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt. In der Not greifen Unternehmen auf teure Zeitarbeit zurück, um ihre Leistungsfähigkeit aufrechterhalten zu können.

Viele Pflegekräfte fragen nicht einmal nach dem Gehalt

Diese Situation bietet gut ausgebildeten und erfahrenen Pflegefachkräften die Chance, ein besseres Gehalt oder sonstige Vergünstigungen zu verhandeln. Leider erlebt man in Vorstellungsgesprächen immer noch, dass Pflegefachkräfte nicht einmal nach dem Gehalt fragen – geschweige denn, dass sie versuchen, bessere Konditionen auszuhandeln. Das trifft übrigens sowohl auf Führungskräfte im Pflegemanagement als auch auf Pflegefachkräfte im Stationsdienst zu.

Selbst Führungskräfte meiden das Thema Gehalt  

Ich wundere mich immer wieder, warum Pflegende nicht nach dem Gehalt fragen. Ich werte das nicht als Bescheidenheit, es hinterlässt bei mir eher einen negativen Eindruck. Was ist von einer Bewerberin oder einem Bewerber zu erwarten, wenn sie oder er noch nicht mal für sich selbst eintritt? Nicht nach seinem Gehalt fragt und erst recht nicht versucht, ein  besseres Gehalt oder bessere Konditionen auszuhandeln?  Die Frage, die sich mir bei solchen Bewerbern stellt: Wenn sie sich schon für sich selbst nicht stark machen - werden sie dann überhaupt in der Lage sein, sich angemessen für die Anliegen der Patienten und für das Team – oder bei Führungskräften, für Mitarbeiter – einzusetzen?

Allerdings: Verhandeln will gelernt sein. Eine gute Vorbereitung ist das A & O.  Wichtig ist, den Markt zu sondieren, um einschätzen zu können, in welchem Bereich die üblichen Gehälter liegen. Forderungen, die darüber hinausgehen, sollten realistisch sein – also weder zu niedrig, noch überzogen.

Worauf warten? Die Arbeitsmarktlage ist so gut wie nie zuvor

Neben dem Gehalt gibt es noch andere Möglichkeiten, bessere Konditionen zu verhandeln – etwa Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Altersvorsorge, Fahrtkostenzuschuss et cetera zu vereinbaren.  Auch die sollten gut sondiert sein. Dann sind sie eine echte Option, wenn am Grundgehalt nicht zu rütteln ist.

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Meine Erfahrung aus 40 Berufsjahren: Es lohnt sich immer, (Gehalts-)Verhandlung zu führen, denn man hat nichts zu verlieren – im Gegenteil, man kann nur gewinnen. Momentan kommt hinzu, dass die Arbeitsmarktsituation für qualifiziertes und erfahrenes Pflegepersonal so gut wie nie zuvor.  Pflegende haben es (auch) selbst in der Hand, die Situation für sich zu nutzen und eine bessere Vergütung oder sonstige Vergünstigungen zu verhandeln.

Autorin: Vera Lux

Über Vera Lux

Die examinierte Gesundheits- und Kinderkrankenschwester ist  Geschäftsführerin Pflege der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie betreibt außerdem die Managementberatung Pflege und Health Care.

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