Burnout-Prophylaxe

Warum Humor gegen Stress hilft

Interview mit dem Comedian Felix Gaudo, der Seminare für Pflegekräfte gibt und am 28. November auf dem Pflegetag Rheinland-Pfalz auftritt

Inhaltsverzeichnis

Warum ist Humor gerade in der Pflege wichtig?

Pflegende können ihn so gut gebrauchen, weil es in ihrem Beruf ganz viel um menschliche Nähe, Beziehungsaufbau, Vertrauen und Kommunikation geht. Da ist Humor ein sehr wichtiges Handwerkszeug. Gleichzeitig ist er ein guter Selbstschutz in dem oft sehr belastenden Job. Humor ist das natürlichste Mittel gegen Stress, weil er uns hilft, unsere Haltung dem Stress gegenüber zu ändern. Denken Sie zum Beispiel an einen Stau. Sie können im Auto sitzen und sich schief ärgern. Sie können sich aber auch darin üben, die Situation als freie Zeit zu genießen.

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Kann jeder Humor trainieren?

Davon bin ich fest überzeugt. Humor ist ja viel mehr als Witze zu erzählen, sondern ein Training unserer Haltung. Humor ist eine kreative Kunst, vergleichbar mit Klavierspielen oder Singen – je öfter wir es tun, desto besser werden wir. Wir sollten uns erinnern, welch kostbare Kompetenz wir von Natur aus haben: Kleine Kinder lachen den ganzen Tag und haben eine unglaublich konstruktive Fehlerkultur. Diesen Humor müssen wir wiederfinden und den Spaß wieder ernst nehmen.

Wie weiß ich, welche Art von Humor in welcher Situation angemessen ist?

Das ist eine Trainingssache. Jeder muss ein Fingerspitzengefühl dafür entwickeln, was er mit wem machen kann. Das wird auch mal schiefgehen, doch es lohnt sich, etwas zu riskieren und das auch mal auszuhalten. Entscheidend ist, sich nicht über jemanden persönlich lustig zu machen, sondern gemeinsam über Situationen zu lachen. Lässt jemand ein Glas Wasser fallen, kann ich zum Beispiel sagen „Der kann das Wasser wieder nicht halten“ – besser ist jedoch: „Mensch, ich wäre auch gern so gut im Loslassen“. Miteinander zu lachen hilft auch, gerne zu arbeiten.

Kann Humor – falsch eingesetzt – nicht auch schaden?

In der Tat kann er auch in den falschen Hals geraten. Ich glaube aber nicht, dass es Situationen gibt, in denen Humor grundsätzlich nicht passt. Selbst im Hospiz oder auf einer Palliativstation gibt es viele Momente, in denen es humorvoll sein darf. Das entlastet die Situation und nimmt Spannung raus. Als Humortrainer möchte ich Impulse geben, damit jeder bewusster und ernsthafter an das Thema rangeht. Das ist kein zusätzlicher Zeitaufwand, sondern eine Frage der Präsenz – es gilt, sensibel zu sein und zu erkennen, was gerade los ist. Das tut allen gut – mir selbst und den Menschen um mich herum.

Zur Person Felix Gaudo

Der 54-Jährige ist Comedian, Clown, Moderator und Humortrainer. Für das Personal von Kliniken und Pflegeeinrichtungen hält er Humor-Vorträge, gibt Seminare und Workshops, außerdem ist der Vater zweier Töchter Gastdozent in Pflegeschulen. In seiner Freizeit arbeitet Gaudo ehrenamtlich als Klinikclown.

Interview: Jens Kohrs

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