#jensrennt

Warum ein OP-Pfleger 431 Kilometer Marathon läuft

In diesen Tagen startet Jens Wackerhagen aus Hannover den erbarmungslosen Montane® Spine® Race quer durch England. Nicht allein aus Fitness-Gründen …

Inhaltsverzeichnis

„Laufen ist ein Geschenk“, sagt der 40-jährige Wackerhagen. „Und das möchte ich auch Kindern ermöglichen, die in ihren Heimatländern keine Chance hätten, es jemals zu lernen.“ Denn diese Kinder sind mit Fehlstellungen – sogenannten Klumpfüßen – auf die Welt gekommen. Operative Korrekturen, hierzulande an der Tagesordnung, sind für sie nahezu ausgeschlossen.

Jeder Kilometer eine Spende

Während seiner Arbeit im Diakovere Henriettenstift kommt Jens Wackerhagen 2015 die Idee, seine Lauf-Passion mit diesem speziellen sozialen Projekt zu verbinden. Er initiiert #jensrennt: Mit jedem von ihm gelaufene Kilometer – und das sind bei diesen Extremläufen einige – wächst der Spendentopf. So konnten inzwischen in Kooperation mit dem Lukas Fonds des Henriettenstifts 14 Kinder erfolgreich operiert werden. Zu den Spendern zählen Familie, Freunde, Bekannte und Unternehmen.

Nur kurze Pausen beim Ultramarathon

Jens Wackerhagen erlebt seine „Initialzündung“ für das Laufen 2011. Vorher schon recht sportlich beim Mountainbiken unterwegs, möchte er anfangs nur seine Kondition verbessern. Er mag das Laufen nicht mal besonders. Aber dann macht es Klick und er findet Gefallen an den sogenannten Ultramarathons, die auf der ganzen Welt stattfinden. Dabei werden Strecken von bis zu 700 Kilometer am Stück gelaufen – nur unterbrochen von kurzen Schlaf- und Ruheeinheiten. Doch damit nicht genug: Die Strecken liegen vielfach in unwegsamen Wüsten- oder Bergregionen mit extremen Witterungsverhältnissen. Oft führen sie querfeldein. Sie sind in jeglicher Hinsicht eine Herausforderung – sowohl für die Physis als auch die Psyche der Läufer.

Wackerhagen hat selbst ein Kind

„Die Vorbereitung auf die Rennen ist ein aufbauender Erfahrungsschatz, der über die Jahre gewachsen ist“, sagt Wackerhagen. Für ihn steht gerade der mentale Aspekt im Vordergrund. Die Motivation, Kindern mit seinem Engagement zu helfen, spielt dabei für ihn eine große Rolle. Selbst Vater eines Siebenjährigen, weiß er, wie viel Bewegungsdrang und -freude Kinder haben können. Und dazu sollten sie laufen können.

„Beim Laufen bekomme ich den Kopf frei“

Eine weitere Motivation ist für Wackerhagen das Erleben der Natur während der Läufe. „Rennen ist für mich eine spirituelle Reise“, sagt er nachdenklich. Natürlich will er auch ins Ziel kommen und kein DNF (Did not finish – also nicht ins Ziel kommen) kassieren, aber das ist für ihn zweitrangig. Mit der Natur zu verschmelzen, Jahreszeiten und Wetter unmittelbar zu erfahren, steht an erster Stelle: „Dabei bekomme ich den Kopf frei. Das hat was Meditatives“. So ist er bis heute auch kein einziges Straßenrennen gelaufen.

Bei den Kollegen ist Wackerhagen beliebt

Einen freien Kopf benötigt er auch für seine Arbeit als OP-Fachpfleger. Seitdem er läuft, wäre er nicht mehr so anfällig für Stress, resümiert Jens Wackerhagen. Auf die Frage, ob und welche Unterstützung er aus dem Kollegenkreis erfährt, lacht er herzlich: „Die meisten finden mein Engagement klasse. Viele meinen aber auch, dass ich spinne. Das Extreme meines Hobbys können sie nicht nachvollziehen.“

Wackerhagen sorgt für positive Stimmung

Der Anerkennung seiner Kolleginnen und Kollegen ist er sich trotzdem sicher. Nicht selten fungiert er daher für sein Team als inoffizieller Sprecher, wenn es dienstliche Dinge zu klären gibt. Er wäre eben kein Typ, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Für ihn ist das absolut wichtig, denn die eigene Arbeit, der Job soll schließlich Spaß machen. Gerade für Pflegekräfte, von denen ja viele resigniert und frustriert sind, ist das ein wegweisender Aspekt – hin zu mehr Selbstbewusstsein und zum Arbeiten auf Augenhöhe.

Laufen bis zu den Highlands von Schottland

Selbstbewusst wird Jens Wackerhagen am 23. Juni 2018 zum Montane® Spine® Fusion an den Start gehen, der Sommervariante des Montane® Spine® Race. Wieder geht es 431 Kilometer quer durch England bis in die Highlands von Schottland. Dieses Mal wird er – anders als zuletzt im Januar – wohl keinen hüfthohen Schneeverwehungen und eiskalten Blizzards mit 100 Kilometer pro Stunde trotzen müssen. Dafür sind vermutlich Hitze und Mückenplagen zu ertragen. Doch wenn dann wieder ein paar Kinder laufen können, lohnt sich die Anstrengung für ihn allemal.

Autorin: Petra Heyde

Foto (1): privat

Foto (2): Schlütersche

Nähere Informationen zum Projekt #jensrennt und zum bevorstehenden Montane® Spine® Race finden sich hier:

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