Nachtschicht

Von Altersgrenze bis Zuschlag - 8 Fragen zum Nachtdienst

Wann beginnt die Nachtarbeit? Habe ich Anrecht auf einen Zuschlag? Und: Ist man gezwungen, Nachtschichten zu übernehmen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Nachtdienst

Inhaltsverzeichnis

Was gilt als Nachtarbeit?

Für den ambulanten Pflegebereich und private Pflegeheime gilt die Definition des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG § 2). Danach ist Nachtarbeit die Arbeitszeit, die zwischen 23 Uhr und 6 Uhr geleistet wird. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst legt den Beginn der Nachtarbeit auf 21 Uhr, das Ende ebenfalls auf 6 Uhr (TVöD §7 Abs.5). Im Sinne des Gesetzes ist jede Arbeit, die mehr als zwei Stunden der Nachtzeit umfasst, Nachtarbeit.

Wer ist ein Nachtarbeiter?

Diejenigen sind Nachtarbeiter, die mindestens 48 Tage im Kalenderjahr nachts arbeiten oder aufgrund ihrer Arbeitszeitgestaltung normalerweise Nachtarbeit in Wechselschicht leisten.

Haben Nachtarbeiter ein Anrecht auf einen Nachtzuschlag?

Nicht unbedingt. Das Arbeitsrecht lässt dem Arbeitgeber die Wahl, ob er für die während der Nachtarbeit geleisteten Arbeitsstunden eine „angemessene Zahl bezahlter freier Tage“ oder einen „angemessenen Zuschlag“ auf den Bruttolohn gewährt. Bei einem Tarifvertrag gelten die dort festgelegten Regelungen.

Wie hoch sollte ein angemessener Zuschlag sein?

Ist dieser tariflich nicht geregelt, können Arbeitnehmer einen Zuschlag von mindestens 25 Prozent des Bruttostundenlohnes für nachts geleistete Arbeitsstunden verlangen. So sieht es das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Urteil von 2015 (BAG 9. Dezember, 10 AZR 423/14), in dem die Richter die gesetzliche Formulierung „angemessenen Zuschlag“ ausführen.

Handelt es sich bei der Nachtarbeit um eine besondere Belastung, steige der Anspruch auf 30 Prozent. Die Belastung durch Nachtarbeit ist Auslegungssache des Arbeitgebers. Beschäftigte im öffentlichen Dienst erhalten eine Zulage von 20 Prozent pro Stunde für Nachtarbeit (TVöD § 8).

Muss jeder Mitarbeiter Nachtschichten übernehmen?

Grundsätzlich ja. Verboten ist Nachtarbeit nur für Jugendliche, Schwangere und Stillende. Aber der Gesetzgeber hat Ausnahmen festgelegt, bei denen eine Versetzung auf einen geeigneten Tagesarbeitsplatz möglich sein kann.

Etwa, wenn

  • arbeitsmedizinisch erwiesen ist, dass die Nachtarbeit die Gesundheit des Arbeitnehmers gefährdet
  • im Haushalt des Arbeitnehmers ein Kind unter 12 Jahren lebt, das nicht von einer anderen Person betreut werden kann
  • wenn der Arbeitnehmer einen schwerpflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen hat, der nicht von einem anderen im Haushalt lebenden Angehörigen versorgt werden kann

Allerdings nur dann, wenn keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Ist das der Fall, kann der Betriebsrat hinzugezogen werden.

Wie lässt sich eine gesundheitliche Gefährdung durch Nachtarbeit feststellen?

Nachtarbeiter haben das Anrecht auf eine arbeitsmedizinische Untersuchung. Diese kann vor Beginn der Beschäftigung und danach alle drei Jahre stattfinden. Die Kosten trägt der Arbeitgeber.

Gibt es eine Altersgrenze für Nachtdienste?

Nein, das Arbeitszeitgesetz bestimmt keine Altersgrenze für Schichtarbeit oder Nachtdienste. Wer allerdings über 50 Jahre alt ist, darf die oben beschriebene arbeitsmedizinische Untersuchung jedes Jahr in Anspruch nehmen.

Ist der Personalschlüssel für Nachtwachen gesetzlich geregelt?

Die Personalausstattung in Pflegeheimen ist Ländersache. Es gibt keine einheitliche Regelung. Wie eine Umfrage von pflegen-online im April 2019 zeigt, sind die Vorgaben sehr unterschiedlich. Lediglich Baden-Württemberg (1:45), Bayern (1:40 beziehungsweise 30) und Bremen (1:40) haben einen einheitlichen Schlüssel.

Im Rahmen des Pflegepersonalstärkungsgesetzes gilt für Nachtdienste in Krankenhäusern seit Januar 2019 eine Personaluntergrenze. Aktuell für die Krankenhausbereiche Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallmedizin. Ab Januar 2020 kommen noch Herzchirurgie, Neurologie, neurologische Schlaganfalleinheit sowie die neurologische Frührehabilitation hinzu.

Demnach betreut eine Pflegekraft in der Nachtschicht …

… 3,5 Patienten in der Intensivmedizin

… 20 Patienten in der Geriatrie, Unfallchirurgie, Kardiologie und Neurologie

… 15 Patienten in der Herzchirurgie

… 5 Patienten in der neurologischen Schlaganfalleinheit

… 12 Patienten in der neurologischen Frührehabilitation

Autorin: Evelyn Griep

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