Vitamin D wird über die Sonne synthetisiert – in Mittel- und Nordeuropa vor allem während des Sommers, wenn die Sonne hoch steht und viel Kraft besitzt.  
Foto: Jens Schünemann
Vitamin D wird über die Sonne synthetisiert – in Mittel- und Nordeuropa vor allem während des Sommers, wenn die Sonne hoch steht und viel Kraft besitzt.  

Gesundheit

Vitamin-D-Tabletten nicht auf Verdacht nehmen!

Vitamin wird durch die Sonne synthetisiert und die scheint im Winter seltener und schwächer. Sollten deshalb nicht gerade diejenigen, die viele Nachtschichten arbeiten, Supplemente nehmen? So einfach ist es nicht             

Wie war das noch mit dem Vitamin D? Alle examinierten Pflegekräfte haben es in der Ausbildung gelernt … Zur Erinnerung die wichtigsten Fakten über Vitamin D:

  • Funktion: Vitamin D spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Kalzium-Spiegels im Blut und beim Knochenaufbau. Es fördert den Einbau von Kalzium und Phosphat in die Knochen – die Knochen und Zähne werden hart und stark. Auch für die Immunabwehr ist Vitamin D wichtig.
  • Vitamin-D-Quellen: Vitamin D wird durch die UV-B-Strahlung der Sonne synthetisiert. Zu einem geringen Anteil ist Vitamin D auch in bestimmten Lebensmitteln enthalten etwa fettreiche Fische, Eier, Rinderleber und Avocados.
  • Mögliche Symptome eines Vitamin-D-Mangels: Müdigkeit, Erschöpfung, Infektanfälligkeit gedrückte Stimmung, Schlafprobleme. Hält der Mangel an, kann es bei Erwachsenen zu Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Kraftverlust kommen. Der Knochenstoffwechsel ist gestört (Osteomalazie), Demineralisation und Knochenerweichung sind die Folgen. Auch aggressives Verhalten und Winterdepression sind bei anhaltendem Mangel nicht ausgeschlossen. Bei Säuglingen und Kindern kann das Knochenwachstum schwer gestört sein bis hin zu bleibenden Skelettverformungen (Stichwort Rachitis). Auch die Psyche leidet bei einem Vitamin-D-Mangel. So kann es zu, aggressivem Verhalten bis hin zu einer Winterdepression kommen.

Gerade die Anfangssymptome (wie Müdigkeit und Infektanfälligkeit) treten im Winter aber häufig auf – und können die unterschiedlichsten Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Schlafmangel
  • Bewegungsmangel
  • Ernährung mit überwiegend verarbeiteten Lebensmitteln
  • Rauchen
  • regelmäßiger Alkoholkonsum.

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Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen durch Vitamin-D-Überdosis 

Bei Symptomen wir Müdigkeit und Infektanfälligkeit ist es also nicht sinnvoll, auf Verdacht Vitamin-D-Tabletten zu nehmen. Es ist vor allem deshalb nicht zu empfehlen, weil eine Überdosis Vitamin D zu einer Vergiftung mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen und Erbrechen einhergeht. Davor warnt die Internistin und Allgemeinmedizinerin Constanze Ebert, die im Helios MVZ am Fernsehturm in Schwerin arbeitet (MVZ steht für Medizinisches Versorgungszentrum, es ähnelt den früheren Polikliniken). In schweren Fällen kann es zu Nierenschädigungen und Herzrhythmusstörungen kommen.

Vitamin-D-Spiegel misst der Hausarzt für rund 30 Euro

Besonders in der Schwangerschaft ist es wichtig, Vitamin-D-Präparate nur nach Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt einzunehmen. Der Vitamin-D-Mangel sollte im Labor nachgewiesen sein und der Kalziumspiegel kontrolliert werden. Denn eine erhöhte Kalziumkonzentration kann das Kind im Mutterleib schädigen.

Aber nicht nur für Schwangere gilt: Vor Einnahme von Vitamin-D-Präparaten den Vitamin-D-Spiegel kontrollieren lassen! Das ist bei nahezu allen Hausärzten möglich. Es handelt es sich um eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die nicht von der Krankenkasse übernommen wird (sofern nicht medizinisch gut begründeter Verdacht auf Vitamin-D-Mangel besteht). Die Patientin oder der Patient muss die Kosten selbst übernehmen – und zwar zwischen 27,98 Euro und 32,18 Euro plus Kosten für die ärztliche Beratung und die Blutentnahme.

Gemessen wird im Blut die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin-D. Ein Wert unter 30 Nanomol pro Liter gilt in der Regel als Mangel. Die Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels kann durchaus sinnvoll sein: Immerhin hat sich in einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) von 2016 gezeigt, dass 30 Prozent der deutschen Bevölkerung im Winter einen Vitamin-D-Mangel hat.

Sonnencreme ist wichtig, aber bitte keine Blocker

Zwar wird in den sonnenreichen Monaten (als Faustregel gilt: von Ostern bis Oktober) ein Vitamin-D-Depot angelegt, aber nicht immer ist es ausreichend. Gründe für einen Vitamin-D-Mangel im Winter können sein:

  • Höheres Alter: Die Eigenproduktion von Vitamin D nimmt mit zunehmenden Lebensjahren ab. Etwa 60 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen, die in Pflegeheimen leben, haben laut RKI-Studie einen Vitamin-D-Mangel.
  • Bettlägerigkeit
  • Übermäßige Verwendung von Sonnencreme: Sonnencreme ist wichtig, weil sie vor Hautkrebs schützt. Allerdings sollte sie die Sonneneinwirkung nicht vollständig blockieren. Finderspitzengefühl ist gefragt, um je nach Hauttyp, Jahreszeit und Aufenthaltsort (Gebirge, Meer, Stadtpark) die richtige Balance zu finden. „Wählt man einen Lichtschutzfaktor zwischen 15 und 30, gelangt für die Vitamin-D-Synthese immer noch ausreichend Sonnenlicht an die Haut. Wählt man einen sehr viel höheren Lichtschutzfaktor, findet keine Vitamin-D-Synthese mehr statt“, sagt die Ärztin Constanze Ebert.
  • Aufenthalt überwiegend in Innenräumen, kaum unter freiem Himmel

In den Monaten Oktober bis März findet bei Menschen in Mittel- und Nordeuropa kaum eine Vitamin-D-Synthese statt, Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung sind sehr viel geringer als im Sommer. Trotzdem ist es auch im Winter ratsam, so viel Zeit wie möglich unter freiem Himmel zu verbringen, das

  • stimuliert das Nervensystem
  • fördert den Schlaf
  • hebt die Stimmung
  • stärkt das Immmunsystem und beugt Erkältungen vor (die feuchte Luft ist gut für die Schleimhäute, macht sie weniger anfällig für Krankheitserreger)

Auch im Winter Zeit draußen zu verbringen, wirkt damit all den Symptomen entgegen, die in den dunklen Monaten so häufig sind – auch aufgrund eines Vitamin-B-Mangels, aber eben nicht nur aufgrund eines Vitamin-B-Mangels.

Autorin: Kirsten Gaede

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Die Internistin und Allgemeinmedizinerin Constanze Ebert arbeitet im Helios MVZ am Fernsehturm in Schwerin.
Foto: Helios ambulant
Die Internistin und Allgemeinmedizinerin Constanze Ebert arbeitet im Helios MVZ am Fernsehturm in Schwerin.

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