Pflege in der Corona-Krise

Vielleicht mit Corona infiziert? Was tun?

Sie befürchten, sich während der Arbeit in Klinik, Heim, der ambulanten Pflege oder privat mit Corona angesteckt zu haben? Erfahren Sie, was Sie selbst tun sollten und worauf der Arbeitgeber achten muss

Inhaltsverzeichnis

Was sollen Pflegekräfte tun, die befürchten, sich mit Corona angesteckt zu haben? Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat dazu eine klare Haltung: „Generell gilt – nicht nur in Zeiten von Corona: Wer sich krank fühlt, meldet sich krank und erscheint natürlich nicht zur Arbeit“, sagt Astrid Sauermann vom Verdi Bundesverband. Gerüchte, laut denen Pflegekräfte, die positiv auf das Virus getestet wurden, trotzdem arbeiten mussten, sind der Gewerkschaft bekannt. Konkrete Fälle kenne man aber nicht, so Astrid Sauermann.

Nehmen Sie auch diffuse Symptome ernst

Für Aufsehen sorgte kürzlich ein Pfleger in der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg, der trotz leichter Corona-Symptome weiter zum Dienst erschienen ist. Laut NDR-Informationen soll er von einer Allergie ausgegangen sein. Der Mann, so berichtet der NDR weiter, habe vor seinem Test bereits fünf Tage leichte Symptome gehabt. Die Klinik geht davon aus, dass er in dieser Zeit Kontakt zu 15 Krankenhausbeschäftigten hatte. Das Krankenhaus hat nach diesem Fall die Mitarbeiter erneut darauf hingeweisen, bei Symptomen eigenverantwortlich aktiv zu werden und sich in der Klinik auf das Virus testen zu lassen.

Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr

Alternativ ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle für Pflegekräfte, erklärt die Fachanwältin für Arbeitsrecht Judith Barth aus Unkel. Wer befürchtet, sich angesteckt zu haben, sollte „sich aus dem Verkehr ziehen, zuhause bleiben und telefonisch den Hausarzt konsultieren, der dann den Test veranlasst.“

Drängen Sie auf einen Corona-Test

Wer in der Pflege arbeitet, müsse meistens nicht lange warten. In München gibr es sogar eine Drive-In-Walk-through-Station am Tropeninstitut der LMU München (Ludwig-Maximilians-Universität München) für medizinisch-pflegerisches Personal. Immer mehr Krankenhäuser bieten ihrem Personal an, sich bei der kleinsten Unsicherheit testen zu lassen - etwa das Klinikum Ludwigshafen und das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB). Im DHZB hat sogar ein Screening begonnen: Alle Mitarbeiter werden in der nächsten Zeit zunächst dreimal getestet, im Abstand von zwei bis drei Wochen. Auch die Charité testet zurzeit alle Mitarbeiter. Im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus werden nach jeder Schicht diejenigen Mitarbeiter getestet, die sich in den infektiösen Bereichen bewegen und arbeiten.

Bei Verdacht sofort Arbeitgeber informieren

Barth rät, auch den Arbeitgeber sofort zu informieren. Damit dieser „entsprechende Schritte einleiten kann“, so die Anwältin. Folgende Fragen müssen schnell geklärt werden:

  • Was habe ich in der Inkubationszeit gemacht? Mit wem habe ich gearbeitet? Wen habe ich gepflegt? „So lassen sich Infektionswege nachvollziehen“, so Fachanwältin Barth.
  • Was passiert mit meinen Kontaktpersonen?

Wie Einrichtungen mit Mitarbeitern umgehen, die Kontakt mit Covid-19 Patienten (oder infizierten Kollegen) haben oder hatten, erklärt das Robert Koch-Institut (RKI) in seinen Empfehlungen zum „Management von Kontaktpersonen unter medizinischem und nicht medizinischem Personal“.

Welche Kontakte hatten Sie?

Die Kontaktpersonen werden dafür zunächst in zwei Kategorien eingeteilt:

  • Zur Kategorie I (hohes Risiko) zählen Personen, die direkten Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten oder mindestens 15 Minuten Gesichts-Kontakt zu einem COVID-19 Fall hatten.
  • Zur Kategorie II (begrenztes Risiko) zählen Personen, die sich im selben Raum wie ein bestätigter COVID-Fall aufhielten, jedoch ohne 15-minütigen Gesichtskontakt.

Corona-Infektion: Was bei guter Personaldecke passiert

Welche Maßnahmen dann empfohlen werden, hängt laut RKI von der Personaldecke ab. Bei ausreichender Personalkapazität gelten für beide Kategorien:

  • häusliche Quarantäne für 14 Tage – inklusive zeitlicher und räumlicher Trennung von anderen Haushaltsmitgliedern
  • Einhaltung der Händehygiene und Husten/Niesetikette
  • Gesundheitsüberwachung bis zum 14. Tag: 2x täglich Messen der Körpertemperatur
  • Führen eines Tagebuchs
  • tägliche Information an das Gesundheitsamt
  • Was viele Krankenhaushygieniker und Labormediziner empfehlen: ein CPR-Test auf das Coronavirus (SARS-CoV-2-Testung). Bei Robert Koch-Institut heißt es: „gegebenenfalls“ eine SARS-CoV-2-Testung

Corona-Infektion: Was bei dünner Personaldecke passiert

Besteht dagegen relevanter Personalmangel, passt das RKI die Empfehlungen an. Die Behörde weist allerdings sehr eindringlich darauf hin, dass „die Handlungsoptionen nur angewendet werden dürfen, wenn alle anderen Maßnahmen zur Sicherstellung einer unverzichtbaren Personalbesetzung ausgeschöpft sind.“

Ist dies der Fall, bedeutet dies für

  • Kontaktpersonen der Kategorie I: Die Quarantäne verkürzt sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt auf 7 Tage. Danach ist bei Symptomfreiheit normales Arbeiten mit Mund-Nasen-Schutz möglich. Was viele Krankenhaushygieniker und Labormediziner empfehlen: ein CPR-Test auf das Coronavirus (SARS-CoV-2-Testung). Bei Robert Koch-Institut heißt es: „gegebenenfalls“ eine SARS-CoV-2-Testung.
  • Kontaktpersonen der Kategorie II: Sie dürfen bei Symptomfreiheit direkt arbeiten. Allerdings muss der Mund-Nasen-Schutz während der gesamten Anwesenheit am Arbeitsplatz getragen werden. Zudem sollte die Person, wenn möglich, nicht in der Versorgung besonders vulnerabler Patientengruppen eingesetzt werden. Was viele Krankenhaushygieniker, Virologen und Labormediziner empfehlen: ein CPR-Test auf das Coronavirus (SARS-CoV-2-Testung). Bei Robert Koch-Institut heißt es: „gegebenenfalls“ eine SARS-CoV-2-Testung

Auch während der Pausen: 1, 5 Meter Abstand

Für beide Kategorien gilt - so wie für alle Mitarbeiter: Selbstbeobachtung, strikte Einhaltung der Hygieneempfehlungen sowie, wenn möglich, mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen auch während der Pausen. Treten Symptome auf, sollte umgehend ein Test auf COVID-19 gemacht werden.

Autorin: Evelyn Griep

Foto: Peter Funken

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