Corona-Pandemie

Vermutlich 3.000 Pflegeheim-Bewohner an Corona gestorben

40 Prozent der Corona-Opfer in Deutschland sind Pflegebedürftige, schätzt die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Interview mit Vorstand Eugen Brysch

pflegen-online: Herr Brysch, Anfang April schätzten Sie die Zahl der an Covid-19 gestorbenen Bewohner auf 500 – könnten Sie diese Schätzung aktualisieren?

Eugen Brysch: Die Vermutung liegt nahe, dass rund 40 Prozent aller Pandemie-Opfer in einer Pflegeeinrichtung gelebt haben. Also sind 3.000 pflegebedürftige Menschen hierzulande auch durch das Virus zu Tode gekommen. Die genaue Zahl kennt niemand. Um das Ausmaß der Krise in der Altenpflege zu erfassen, müssten auch Pflegeheimbewohner in den Blick genommen werden, die im Krankenhaus gestorben sind. Es zeigt sich, dass der politische Fokus fehlt. Deshalb muss das Infektionsschutzgesetz, das die Statistik vorgibt, schleunigst angepasst werden. Übrigens auch bei der Erfassung der infizierten und verstorbenen Altenpflegekräfte.

Was ist Ihr Eindruck: Sind die Heime mit ausreichend Schutzausrüstung ausgestattet? Ich höre ganz Unterschiedliches: Manche beklagen, dass die Länder nicht vernünftig zuweisen, andere sind Mitglieder in Verbänden, die sie mit Schutzausrüstung versorgen, oder stehen in gutem Konktat mit verschiedenen Händlern.

Inzwischen beschäftigt sich Deutschland seit drei Monaten mit der Pandemie. Viel Zeit haben Bund, Länder, Gemeinden und auch Heimbetreiber in der Altenpflege unnötig verstreichen lassen. Wenn jetzt Pflegeheime endlich wieder schrittweise geöffnet werden, muss überall ein lückenloser Infektionsgrundschutz vorhanden sein.

Das Schicksal der Pflegebedürftigen und Altenpflegekräfte darf nicht vom Organisationsgeschick der Einrichtung abhängig sein. Auch müssen regelmäßig flächendeckende Testungen in den Pflegeheimen analog zum Schutzkonzept der Deutschen Fußball Liga stattfinden. Denn bis zur Entwicklung eines Impfstoffs wird noch viel Zeit vergehen.

Was raten Sie Pflegekräften, die sich unzureichend mit Schutzausrüstung versorgt fühlen?

Um hier etwas zu ändern, muss man zusammenarbeiten. Also Kolleginnen und Kollegen direkt ansprechen. Auch die Mitarbeitervertretung einschalten. Ebenso wichtig ist, dass die Heimleitung gegenüber den kommunalen Krisenstäben Tacheles redet. Das heißt aber, sich nicht nur zu beschweren, sondern den konkreten Bedarf zu benennen und einzufordern.

Denn wer nichts tut, läuft auch Gefahr, strafrechtlich verantwortlich gemacht zu werden. Doch mit dem Strafrecht lässt sich kein akutes Problem lösen. Besser ist, die Maßnahmen greifen. Hier sind wir alle gefordert.“

Ich danke Ihnen für das Interview!

Interview: Kirsten Gaede

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