Foto: Jens Schünemann

Gehalt

Verdienen Pflegekräfte bei Privaten immer noch schlecht?

Private Träger hatten lange ein Knauser-Image: Meistens zahlten sie ein schlechteres Gehalt als gemeinnützige Träger. Vieles deutet daraufhin, dass sich das geändert hat

In der Werbung gilt der Spruch „Tue Gutes und sprich drüber“. Ein Werbespruch, den viele private Betreiber von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen offensichtlich noch nie gehört haben. Im Gegensatz zu den gemeinnützigen Trägern in der Pflege, die auf unsere Anfragen nach den Gehaltsstrukturen transparent und umfassend antworteten. Die gleiche Anfrage bei den Privaten endete meist im Nichts. Wir haben die 15 größten privaten Pflegebetreiber angeschrieben und um Angaben zu Gehältern und Zusatzleistungen – Pflegehilfskraft ohne Ausbildung, Pflegekraft mit einjähriger Ausbildung und Pflegefachkraft mit dreijähriger Ausbildung – gebeten. Nur vier antworteten überhaupt – drei davon aber nur mit allgemeinen Statements.

Keine Antwort von Domicil, Alloheim und Victor’s

Bei der Domicil-Gruppe heißt es, man könne „leider keine zufriedenstellende Antwort geben“, man kommuniziere nicht öffentlich seine „mehr als wettbewerbsfähigen Gehaltsbänder für die genannten Gruppen“. Alloheim (notorisch in der öffentlichen Kritik wegen Pflegemängeln) bat um Verständnis, dass man keine „detaillierten Aussagen über Gehälter“ mache und verwies auf die attraktiven Zusatzleistungen wie „steuerfreie Vergütungsbausteine, Dienstrad und eine unternehmenseigene Guthabenkarte“. Die Victor’s Group antwortete kurz angebunden, dass sie zu der Anfrage „keine Angaben“ mache.

Auskunftsfreudig: Korian

Jobportal pflegen-online.de empfiehlt:

Einzig Marktführer Korian hat kein Problem seine Gehaltsstrukturen offenzulegen und auch online ausführlich die Vergütungstabellen zu präsentieren. Bei Korian verdienen abhängig Bundesländern, unterschiedlichen Schichten und Berufsjahren

  • Hilfskräfte ein monatliches Grundgehalt zwischen 2.350 und 3.000 Euro
  • mit einjähriger Ausbildung ein Grundgehalt zwischen 2.600 und 3.600 Euro
  • Pflegefachkräfte ein Grundgehalt zwischen rund 3.000 (bei Start) und können bis zu 4.300 Euro (mit viel Erfahrung)
  • Pflegedienstleistungen mindestens ein Grundgehalt von 4.000 Euro, es reicht bis zu 5.300 Euro

Dazu wirbt das Unternehmen mit den „höchsten Zuschlägen – steuerfrei“. Das sind unter anderem Sommer- und Winter-Treueprämien, steuerfreie Zeitzuschläge, Flex-Zulagen und ein umfassender Zulagenkatalog für fast jeden Spezialbereich: Wer für Hygiene, Sicherheit, Qualität, sozialen Betreuungsdienst oder Palliative Pflege sich verantwortlich zeigt, bekommt bis zu 400 Euro on Top.

Warum schweigen viele private Pflegeheim-Träger über das Gehalt? 

Warum sich viele private Pflegeeinrichtungen so schwer tun, ihre Gehaltsstrukturen offen zu legen, weiß Felix Hahnewald von der FM Recruiting GmbH: „Viele Betreiber handeln die Gehälter nach Anforderungsprofil und Marktlage individuell aus, da wollen sie sich nicht schon im vorhinein festlegen“, so der Geschäftsführer der auf Pflege spezialisierten Beratungsfirma, die rund 260 Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften unterstützt. Seine Erkenntnis: Die Privaten zahlen inzwischen – auch bedingt durch das Tariftreuegesetz – ähnlich hohe Gehälter wie die gemeinnützigen Betreiber. Und legen oft bei den Benefits nach eine Schippe drauf: „Viele werben zum Beispiel mit Willkommensprämien von mehreren tausend Euro, um ihr Fachkräfte-Problem in den Griff zu bekommen.“ Willkommensprämien hält der Personaldienstleister allerdings nicht für „die Lösung“. Nur mit einem überzeugenden Gesamtpaket könne man engagierte Pflegekräfte gewinnen und halten.

Ambulanter Dienst aus Altötting überrascht mit Top-Gehalt

Können mit diesen Gehältern die kleineren meist Inhabergeführten Dienste mithalten? Ja, sagt Peter Hausladen. Er führt in Altötting in der Nähe von München mit 15 Mitarbeiterinnen den ambulanten Dienst AKA Monika Kirnich GmbH & Co. KG. Als Mitglied des Arbeitgeber- und Berufsverband Privater Pflege (ABVP) basieren die Gehälter seiner Mitarbeiterinnen auf dem Tarifvertrag, die der Verband mit der Gewerkschaft GÖD ausgehandelt hat.

Danach steigen bei ihm die „Pflegefachkräfte mit 4.000 Euro brutto plus Zulagen ein und bekommen nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit 4.841,46 Euro plus Zulagen. PDLs starten mit 5002,32 Euro brutto plus Zulagen und bekommen ebenfalls nach 15 Jahren 6.223,27 Euro plus Zulagen. Pflegefachhelfer bekommen zwischen 2957,84 Euro und 3.916,51 Euro brutto plus Zulagen und Hilfskräfte zwischen 2.853,23 Euro und 3.422,84 Euro brutto plus Zulagen.“

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AKA Monika Kirnich: Fachkräfte starten mit 4.000 Euro plus Zulagen

Im Vergleich mit der gemeinnützigen Konkurrenz und auch den großen privaten Anbietern liegt er als kleiner ambulanter Anbieter ganz vorn. „Wir müssen uns mit den Gehältern, die wir unseren Mitarbeiterinnen bezahlen, vor niemanden verstecken“, sagt Peter Hausladen selbstbewusst.

Das ist viel Gehalt für seinen kleinen Betrieb. Was ihn dabei vor allem an die finanzielle Schmergrenze getrieben hat, waren die elendig langen Verhandlungen mit den Kassen über die Refinanzierung. „Fast ein Jahr wie wahrscheinlich 70 bis 90 Prozent aller ambulanten Pflegedienste“ habe er kämpfen müssen, um die Gehälter teilweise refinanziert zu bekommen. „Aktuell schreiben wir monatlich eine schwarze Null. Aber wie das im nächsten Jahr weitergehen soll bleibt offen. Denn dann kommen ja weitere Gehaltserhöhungen und die weitersteigende Inflation auf uns zu.“

Autor: Hans-Georg Sausse

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