31. Mai: Weltnichtrauchertag

Und ewig stinken die Raucher

… auch wenn sie gerade nicht rauchen. Vor allem aber gefährdet kalter Rauch – ausgedünstet über Haare, Haut und Kleidung – die Gesundheit von Mitmenschen, etwa Patienten und kleinen Kindern.

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Raucher stinken. Das klingt hart, ist aber wahr. Und es ist ja auch kein Geheimnis: Auf einschlägigen Internet-Blogs tauschen Raucher und deren Angehörige mehr oder minder verzweifelt Tipps gegen ihren lästigen Gestank aus. Gerade in Pflegeberufen, wo besonders viel geraucht wird – jeder zweite Pflegeschüler ist nikotinsüchtig –, ist dies aber mehr als nur ein Geruchsproblem.

Tertiärrauch ähnlich schlimm wie Passivrauchen

Vor Tertiärrauch, der in Kleidung, auf Haut und in Haaren lange festsitzt, warnen die Mediziner inzwischen genauso wie vor Aktiv- und Passivrauch. Betroffen sind hier vor allem Patienten und Bewohner, die von rauchenden Pflegekräften versorgt werden. Aber auch umgekehrt: nichtrauchende Pfleger, die rauchende Patienten und Bewohner versorgen sollen.

Kliniken wenig interessiert an Nichtraucherschutz

Es ist im Grunde deprimierend: Von bundesweit knapp 2000 Kliniken machen nur 113 beim Deutschen Netz Rauchfreier Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen e.V. (DNRfK) mit. „Das Thema Rauchen löst Konflikte aus, die viele Kliniken scheuen, weil sie schon genug andere Baustellen haben“, versucht DNRfK-Geschäftsführerin Christa Rustler die Zurückhaltung zu erklären.

Besonders kritisch ist es auf Frühgeborenen- und Intensivstation

Dabei sei Rauchen „ein echtes Imageproblem“ für die Berufsgruppe und für die Kliniken: „Es ist nicht nur unangenehm, sondern auch eine starke Gesundheitsbelastung für die nichtrauchenden Kollegen und Patienten. Denn der Rauchgeruch bedeutet auch, dass man toxische Stoffe aufnimmt. Im Tierversuch hat man festgestellt, dass Tertiärrauch die Zellen verändert. Selbst wenn Eltern zuhause auf dem Balkon rauchen, schaden sie ihrem Kind, weil die giftigen Stoffe des Rauchs in Kleidung, Haut und Haaren festsitzen. Wenn Klinik- und Heimpersonal zwischendurch auf dem Balkon raucht und anschließend zum Patienten eilt, ist das mindestens genauso problematisch. Erst recht auf der Frühgeborenen- oder Intensivstation“, sagt Christa Rustler. Eigentlich müsste jemand, der gerade geraucht hat, die Dienstkleidung in die Wäsche geben und die Schicht beenden – das wäre konsequenter Nichtraucherschutz. Doch solch ein konsequentes Vorgehen gibt es in der Regel nicht.

Raucher gefährden ihre Kinder mehr als gedacht

Vor zehn Jahren warnten amerikanische Mediziner um Jonathan Winickhoff vom Massachusetts General Hospital for Children in Boston erstmals vor den Gefahren des Tertiärrauchs in einem Artikel der Zeitschrift „Pediatrics“: Kinder von Rauchern seien weitaus stärkeren Gefahren ausgesetzt als bislang gedacht. Die Gefahren des blauen Dunstes hielten sich nämlich viel länger in den Räumen, selbst wenn diese nachher gelüftet wurden.

Reststaub von Rauch enthält krebserregende Stoffe

„Tertiärrauch wird unter dieser Bezeichnung wissenschaftlich erst seit etwa 2006 untersucht. Aktuell sind etwa 50 Artikel zu diesem Thema in den gängigen wissenschaftlichen Datenbanken verfügbar“, schreibt Karin Vitzthum, Leiterin des Instituts für Tabakentwöhnung und Raucherprävention bei Vivantes in Berlin, in einem Beitrag auf bibliomed pflege. „Doch diese wenigen Studien zeigen schon eine gefährliche Tendenz auf. Durch chemische Reaktionen wie Oxidation entstehen aus Reststäuben von Tabakrauch sekundäre, krebserregende Giftstoffe.“ Bisher nachgewiesene Bestandteile seien Nikotin, tabakspezifische Nitrosamine, 3-Ethenylpyridin, Phenol, Cresol, Naphtalen, Formaldehyd und Schwermetalle. „Besonders für Frühgeborene und Kleinkinder ist das gefährlich, da sie meist doppelt so viel Staub wie Erwachsene aufnehmen. Auch immunsupprimierte Patienten sind besonders gefährdet.“

Kalter Tabakrauch verschlechtert die Wundheilung

Erste Untersuchungen zeigen zudem, dass bestimmte Materialien wie Wolle und Baumwolle – also Stoffe, die sich meistens auch in der Dienstkleidung finden – mehr Schadstoffe aufnehmen und diese länger speichern als etwas Polyesterfasern. „Diese kleidungsgebundenen Schadstoffe können die menschliche Hautbarriere überwinden und zum Beispiel zu einer verschlechterten Wundheilung führen. Es erscheint daher empfehlenswert, kalten Tabakrauch auf Dienstkleidung grundsätzlich zu vermeiden“, rät Vitzthum. In der Praxis gebe es auch schon das erste gerichtliche Verfahren: Im Todesfall eines Frühchens seien unter anderem Hygienemängel nach dem Rauchen als mögliche Ursache untersucht worden. „Kalter Tabakrauch wurde auch bereits auf rauchfreien Intensivstationen nachgewiesen. Vermutlich wurde der Rauch von Haut und Haaren der Beschäftigten an die Umgebung abgegeben.“

Viele Patienten ekeln sich vor kaltem Tabakrauch

Regula Stern, deren Mann täglich vom ambulanten Pflegedienst zuhause versorgt wird, schildert das Problem noch aus einer anderen Perspektive: „Es hat immer wieder Pflegepersonen, die starke Raucher sind. Gewiss, in unserer Wohnung rauchen sie nicht. Aber auf der Fahrt hierher oder auf den letzten Metern zur Haustür gibt es noch eine letzte Zigarette. Raucher sind sich einfach nicht bewusst, dass der Rauch, auch wenn sie nur im Freien rauchen, in allen Poren und in den Kleidern sitzt.“

„Mischung aus Rauch in Kleidern und Parfüm besonders schlimm“

In ihrem Leserbrief an pflegen-online (als Reaktion auf den Beitrag „Wenn Raucherpausen zum Ärgernis werden“) fährt die freie Journalistin aus dem Tessin, die sich intensiv mit dem Thema „Wohnen im Alter“ beschäftigt hat, fort: „Kommt nun eine solche Person von draußen in einen geschlossenen Haushalt, sind die abgestandenen Rauchdüfte einfach nicht zu vermeiden. Kommt dazu, dass eine Pflege zwangsweise einen nahen Körperkontakt bringt! Noch schlimmer sind Pflegerinnen, die sich kurz vor dem Betreten der Wohnung noch rasch etwas Parfüm auftragen. Die Mischung von Rauch in Kleidern und billigem Parfüm ist schlicht eine Zumutung.“

8 Tipps gegen Rauch-Geruch, die nicht helfen

Zwar sind in den Netzforen jede Menge Tipps gegen typischen Rauchgeruch zu finden:

  • nach dem Rauchen die Finger mit Zitrone einreiben

  • mit Margarine die braune Verfärbung der Finger bekämpfen

  • vor dem Rauchen schlecht einziehende Handcreme benutzen, nach dem Rauchen die Hände waschen

  • spezielle Handcreme gegen Geruch aus Apotheke besorgen

  • Bleichlauge mit Eukalyptusduft

  • Desinfektionsspray

  • Feuchttücher

  • Hände mit Rasierschaum waschen

Wirklich helfen, auch das ist in den Foren immer wieder zu lesen, tut aber all das offenbar nicht wirklich.

4 Tipps, die ein wenig helfen

Wenn man schon nicht vom Glimmstengel lassen kann oder will, sollte man zumindest Schutzkleidung tragen, Hände waschen sowie Zähneputzen und dabei Mundwasser benutzen, rät Christa Rustler. „Und die Kippen nicht auf den Boden werfen, denn sonst belastet man langfristig auch noch das Grundwasser.“

Autorin: Birgitta vom Lehn

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