Demenz

Umgang mit Demenz - machen Sie's wie Lady Di!

Nein, Prinzessin Diana war keine Demenz-Expertin. Aber die Art, wie sie Menschen begegnete, gilt unter Experten als beispielhaft für einen geglückten Umgang mit Demenz.

Inhaltsverzeichnis

Wenn Sie bitte kurz Ihre Phantasie bemühen mögen: Sie sind in einem fremden Land, niemand spricht Ihre Sprache – und Sie nicht die Sprache dieses Landes. Ihren einheimischen Reisebegleiter haben Sie in der Menge verloren; Ihr Mobiltelefon im Hotel gelassen. Um Sie herum: lauter fremde Schriftzeichen, kyrillische, chinesische, jedenfalls keine, die Sie lesen können. Sie wissen nicht, wo Sie sind und fühlen sich plötzlich – unglaublich hilflos.

Demenzkranke fühlen sich extrem verloren

„Wahrscheinlich wünschen Sie sich in diesem Moment nichts sehnlicher als einen Menschen, der Ihre Hilflosigkeit wahrnimmt und Ihnen weiterhilft“, sagt Ingrid Hametner. Die Diplom-Pädagogin und Gesundheits- und Pflegefachkraft nutzt dieses Beispiel gern, um ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, wie verloren sich demenzkranke Menschen fühlen können und worauf es bei der Kommunikation mit ihnen ankommt. In ihrem Buch „100 Fragen zum Umgang mit Menschen mit Demenz“ gibt die Trainerin, die auch regelmäßig Pflegekräfte schult, Tipps für eine fachgerechte und kreative Begleitung von Demenzkranken .

Gerade Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz fehle laut Ansicht der Pädagogin die Fähigkeit, die speziellen Codes, die jedes Wort, jeder Satz beinhaltet, zu entschlüsseln. Was beispielsweise bedeuten die Klangbilder, die wir ganz automatisch als „Seife“ oder „Waschlappen“ begreifen? Demenzkranke können mit diesen Begriffen oft kein Bild mehr assoziieren – und folglich mit einer Aufforderung wie „Bitte nehmen Sie mal kurz den Waschlappen in die Hand“ nichts anfangen. Die Mitteilung werde schlicht nicht mehr erkannt, so Hametner.

Verständigung und Interaktion sind möglich

Dennoch ist Hametner überzeugt, dass die Verständigung und Interaktion mit demenzkranken Menschen möglich ist. Mehr noch: Sie ist essenziell, um den Menschen Respekt zu vermitteln und ihnen zu verdeutlichen, dass sie wahr- und ernstgenommen werden.

Diese Hinweise werden Ihnen dabei helfen:

1. Der Diana-Effekt: So nehmen Sie sanft Kontakt auf!

Erinnern Sie sich noch an die Bilder, die Prinzessin Diana im Gespräch mit Menschen zeigten? Den Kopf leicht vorgebeugt, ihre Augen auf ihr Gegenüber gerichtet, offensichtlich konzentriert und hochaufmerksam. Es war diese dem Menschen zugewandte Art, die ihr nach ihrem Tod den Titel „Königin der Herzen“ einbrachte. Was viele nicht wissen: „Diana hatte während ihrer Schulausbildung einen Kurs besucht, in dem es um die Kontaktaufnahme mit Behinderten ging“, so Hametner. Was sie hier lernte – und was offensichtlich auch später ihren Kontakt mit Menschen prägte –, lässt sich auch auf den Umgang mit Demenzkranken übertragen. Psychologen sprechen heute vom „Diana-Effekt“ – das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat das Phänomen sogar in seinem „Qualitätshandbuch Leben mit Demenz“ aufgegriffen. Und so geht’s:

  • Stellen Sie Augenkontakt her. Sitzt oder liegt Ihr Gegenüber oder ist um einiges kleiner als Sie? Dann gehen Sie in die Hocke, begeben Sie sich möglichst auf die gleiche Augenhöhe.

  • Sprechen Sie den Menschen bei seinem Nachnamen an und geben Sie zur Begrüßung die Hand; beobachten Sie, ob die Kontaktaufnahme gewünscht ist. Lesen Sie seine Zeichen, auch nonverbale: Erkennen Sie Freude oder Abneigung?

  • Bitte beachten Sie: Ist der Mensch an einer sehr schweren Form der Demenz erkrankt, wird er den Kontakt über den Händedruck vermutlich nicht mehr erkennen. Berühren Sie ihn stattdessen besser am Oberarm oder an der Schulter, um in den Kontakt zu gehen.

2. Führen Sie Ihre Gespräche klug und umsichtig!

  • Hören Sie dem Menschen zu. Es klingt so leicht und erfordert doch Übung und Konzentration: Richtiges Zuhören bedeutet, mit der ganzen Wahrnehmung bei dem Gesprächspartner zu sein, ihm möglichst durch Kopfnicken oder kleine Zwischentöne wie „Aja“ oder „Hm“ zu bestätigen, dass man seine Äußerungen gehört und verstanden hat. Wirklich aktiv wird dieses Zuhören, wenn man offene Gegenfragen stellt, den Gesprächspartner ermuntert, mehr zu erzählen.

  • Eine Steigerung ist das Paraphrasieren: Dabei wird Gehörte nochmal in eigenen Worten wiederholt. Klagt der Betroffene etwa, ihm täte „alles weh“, lässt sich entgegnen: „Sie haben also Schmerzen im ganzen Körper?“ Der Effekt: Der Gesprächspartner bekommt die Möglichkeit, das Gesagte nochmal aus anderer Sicht zu hören und kann dazu Stellung nehmen, korrigieren oder bestätigen (etwa: „Nein, nur im Bauch“).

  • Unterstützen können Sie die zugewandte Gesprächshaltung noch, indem Sie sich der Stimmungslage des Betroffenen anpassen, seine Mimik oder Gestik nachahmen, ihn also „spiegeln“.

  • Versuchen Sie gerade bei Menschen, die desorientiert sind, die Stimmung zu ermitteln. Dies aber bitte nicht durch Warum-Fragen, die Demenzkranke nur verunsichert, sondern durch einfache, offene Fragen.

  • Grundsätzlich gilt in Gesprächen mit Demenzkranken: Versuchen Sie, sich in sie einzufühlen, bringen Sie ihnen Wertschätzung entgegen, nehmen Sie eine positive Haltung ein. Hametner: „Eine solche Haltung lässt sich lernen.“

3. Und wenn die Sprache verloren gegangen ist?

Auch mit Menschen, die sich nicht mehr über Sprache ausdrücken können, ist eine Verständigung möglich. Grundlegend ist dabei, dass diese Menschen sich weiterhin wahrgenommen fühlen:

  • Achten Sie auf die Signale, die die Person sendet. Klopft eine Heimbewohnerin ständig mit dem leeren Glas auf den Tisch? Dann gehen Sie in Kontakt mit ihr, suchen Sie den Blickkontakt, sprechen Sie sie behutsam an. Lassen Sie sich und ihr dafür Zeit. Vielleicht entspannt allein schon diese Ansprache die unruhige Dame. Und dann kommen Sie dem Grund ihrer Nervösität auf die Spur: Hat sie Durst? Möchte sie woanders sitzen? Ist ihr langweilig? Reagieren Sie entsprechend!

  • Was im Gespräch gilt, gilt auch in der wortlosen Kommunikation: Spiegeln Sie den Kontaktpartner – was hier bedeutet: Lassen Sie sich auf die Klangwelt der Betroffenen ein, wiederholen Sie im Kontakt mit ihnen deren Laute oder Rhythmen.

  • Vertrauen Sie auf Gefühle, die über gemeinsame Aktivitäten wie Singen, Spazierengehen oder Tanzen erzeugt werden können. Auch Feiern, etwa von Geburtstagen oder jahreszeitlichen Festtagen, habe für alte Menschen eine große Bedeutung, erinnert Hametner. „Im heiteren, humorvollen Miteinander lassen sich schöne gemeinsame Stunden verbringen.“

Denn bitten bedenken Sie: Die Worte mögen diesen Menschen verloren gegangen sein, doch ihre Gefühle sind noch immer da, ihre Sinne noch immer aktiv. Und das sollte genutzt werden – für den Kontakt und für die gegenseitige Wahrnehmung. Hametner sagt dazu: „In jedem wach gerufenen Sinneseindruck und in jedem wiederbelebten Gefühl steckt ein Stück Identität der Person.“ Und damit schließlich auch: ein großes Stück gelebtes und würdevolles Leben.

Autorin: Romy König

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