Leser-Kommentar

Überteuerte Masken machen Angehörigen zu schaffen

Rund 4,7 Millionen pflegende Angehörige gibt es in Deutschland. Doch selbst in der Corona-Krise ist kaum von ihnen zu hören. Es fehlt die Lobby. Umso erfreulicher, dass eine pflegen-online-Leserin aus der Altenpflege sich für sie stark macht

Inhaltsverzeichnis

Die examinierte Altenpflegerin Andrea Rüger arbeitet als Teamleiterin einer Demenzwohngruppe der AWO Erlangen. Sie hat eine Weiterbildung zur Pflegeberaterin nach Paragraf 7 aSGB XI und als Case- Managerin absolviert. Das gibt ihr die Möglichkeit, als Nebenjob pflegende Angehörige zu beraten (für die Firma SpectrumK, die ihre Aufträge von den Betriebskrankenkassen erhält).

Kommentar von Andrea Rüger

Seit 30 Jahren arbeite ich als Fachkraft in der Altenpflege. Im Moment betreue ich als Teamleiterin eine Demenzwohngruppe in Erlangen-Möhrendorf, die von der Arbeiterwohlfahrt versorgt wird – natürlich auch mit Pflegehilfsmitteln wie Schutzmasken, Bettschutzeinlagen und Desinfektionsmitteln und Einmalhandschuhe.

25 Euro monatlich für Masken - da bleibt wenig für andere Pflegehilfsmittel übrig

Doch ich weiß: Menschen, die ihren Job aufgeben müssen, um zu Hause ihre Angehörigen zu pflegen, bekommen von den Kassen nur 40 Euro für die Beschaffung der Pflegehilfsmittel. Ein Skandal, wie ich finde. Denn die Lieferanten dieser Einmalmasken haben ihre Preise seit der Corona-Krise kräftig erhöht. 50 Masken kosten im Handel rund 38 Euro. Bedenkt man, dass der Schutz alle vier Stunden gewechselt werden muss, kostet der Bedarf an adäquaten Mundschutz den Angehörigen rund 25 Euro im Monat. Da bleibt für die anderen Hilfsmittel nicht mehr viel übrig. Der Pflegende muss also selber tief in die Tasche greifen. Denn wie es aussieht, geben die Hersteller der Schutzmasken die Senkung der Mehrwertsteuer nicht an die Kunden weiter.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben die Kassen den Hilfsmittelsatz von 40 auf 60 Euro erhöht, das gilt aber nur zwei bis drei Monate, und dann?

Es müsste mindestens 80 Euro für Pflegehilfsmittel pro Monat geben

Ich verstehe ja, dass bei erhöhter Nachfrage und Lieferengpässen die Preise für Mundschutz steigen. Daher sollte der Staat den pflegenden Angehörigen finanziell helfen. 80 Euro Zuschuss für Pflegehilfsmittel wären das Minimum. Immerhin geht es ja um den Schutz möglicherweise immungeschwächter pflegebedürftiger Menschen. Selbstgenähte, wiederverwendbare Mundmasken bieten in der Pflege einfach keinen ausreichenden Schutz, das hat das Robert Koch-Institut bestätigt.

Angehörige haben mehr staatliche Unterstützung verdient

In Deutschland gilt: ambulante Pflege vor stationärer Pflege. Ich habe recherchiert und herausgefunden, dass bei uns 90 Prozent der Pflege von Angehörigen geschultert wird. Aber dann soll die Regierung auch dafür sorgen, dass die Kosten nicht den Angehörigen aufgebürdet werden. Ohnehin ist das Pflegegeld lächerlich wenig. Die Finanzierung zusätzlicher Mittel, die die Corona-Pandemie fordert, ist Aufgabe des Staates.

Bearbeitung: Karoline Amon

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