Pflege und Politik

„TV-Duell mit Merkel und Schulz spart Pflege aus"

Pflege ist für die Politik scheinbar noch immer nicht wichtig genug, um beim TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) überhaupt thematisiert zu werden. Frank Vilsmeier (Foto) bezieht als Mitglied des Programmbeirates des Deutschen Pflegetages dazu eindeutig Stellung.

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Es sei erstaunlich und zugleich bedauerlich, dass für die großen Parteien das Thema Pflege im Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle spielt – und folglich auch beim TV-Duell nur am Rande von Martin Schulz (SPD) gestreift wurde, resümiert Frank Vilsmeier, Landesvorsitzender der BFLK (Bundesfachvereinigung leitender Pflegepersonen in der Psychiatrie) sowie stellvertretender Vorsitzenden des Errichtungsausschusses der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, in einem Interview im Vorfeld des Deutschen Pflegetages.

Kanzlerkandidat Schulz streift die Pflege am Schluss

Insbesondere erstaune ihn dies, weil das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in der Studie „Herausforderung Pflege – Bürgerperspektive im Wahljahr 2017“ herausgefunden hat, dass sich 81 Prozent der Bevölkerung durchaus für Pflege interessiert, und zwar noch vor den Themen Arbeitsmarkt und Einwanderung. „Martin Schulz griff das Thema Vergütung in der Pflege ja immerhin in seinem Schlussplädoyer auf, in 60 Sekunden verdiene eine Krankenschwester weniger als 40 Cent, ein Manager 40 Euro – wobei sich eine Pflegefachperson vermutlich wünschen würde, so viel in einer Minute zu verdienen, denn dann käme sie auf ein Monatsgehalt von über 4000 Euro“, sagt Frank Vilsmeier über das TV-Duell.

81 Prozent halten das Thema Pflege für wichtig

Die ZQP-Befragung mit dem Titel „Herausforderung Pflege – Bürgerperspektive im Wahljahr 2017“ fand Anfang dieses Jahres statt und zeigt: Die Sicherung der Gesundheitsversorgung und die Betreuungssituation von Pflegebedürftigen sind für die Wahlberechtigten ebenso relevant wie die Themen Bildung, Bekämpfung der Kriminalität und die Sicherung des sozialen Ausgleichs. 81 Prozent der Befragten gaben an, sich für das Thema Pflege zu interessieren. Unter den über 60-Jährigen sind es sogar 95 Prozent und selbst unter den 18- bis 39-Jährigen noch 65 Prozent.

71 Prozent sind für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege

Offenbar hat sich herumgesprochen, dass die Arbeitsbedingungen in Krankenhaus und Pflegeheim beschämend sind. Das wird in der Studie deutlich an der Frage: „Wenn Sie jetzt einmal an die politischen Rahmenbedingungen der Pflege denken: In welchen Bereichen sehen Sie zukünftig den dringendsten Handlungsbedarf für die Politik?“ Ganz oben stehen mit einer Zustimmung von 71 Prozent die Arbeitsbedingungen in der Pflege. Erst auf dem vorletzten Platz taucht mit 14 Prozent die verbraucherfreundliche Gestaltung der Qualitätsbewertung der Pflege auf. Auch das von der Politik so forcierte Thema Pflegeberatung spielt für die Bevölkerung offenbar kaum eine Rolle, hier haben nur 11 Prozent der Befragten ihr Kreuz gesetzt.

Themen des TV-Duells

Ob es nun an den Fragen der Moderatoren oder an den Kandidaten selbst lag, dass Themen wie Bildung oder Klimaschutz, bezahlbare Mieten, Kinder- und Altersarmut sowie Bildung und Pflege beim TV-Duell ausgespart wurden, ist sich Frank Vilsmeier nicht sicher. „Ich hätte mir deutliche Worte zur Situation und Zukunft der Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege in Deutschland gewünscht“, sagt er im Interview.

Autorinnen: Kerstin Werner/Kirsten Gaede

Foto: privat