Serie Soft-Skills

Tipp 9: So beruhigen Sie wütende Angehörige

Seien wir ehrlich: Die liebe Tochter oder der liebe Sohn kann uns gelegentlich auf die Nerven gehen. Doch wer ihre Motive kennt, kann leicht deeskalieren.

Inhaltsverzeichnis

Sonntag, nachmittags um fünfzehn Uhr: Frau Möllers Tochter ist zu Besuch und die Stimmung ist mies: „Wo ist denn die ganze Wäsche von meiner Mutter? Ich wollte ihr gerade etwas Frisches anziehen und finde nichts im Kleiderschrank."

Sie als Pflegekraft schlucken. Was denken Sie? Vielleicht dieses: Frau Möllers Tochter...

  • vertraut uns nicht
  • glaubt, dass bei uns Wäsche „verschwindet“
  • denkt, wir kümmern uns nicht gut um ihre Mutter
  • kommt immer nur zu Besuch, um zu meckern
  • versteht einfach nicht, warum wir die Kleidung ihrer Mutter anderswo aufbewahren
  • sollte endlich akzeptieren, dass ihre Mutter die Kleidung in Tüten unter dem Bett verstaut.

Was Angehörigen durch den Kopf geht

Fazit: Heftige Vorwürfe und ebenso gereizte Reaktionen. Sie könnten aber auch ganz anders denken! Schauen Sie mal hinter die Kulissen, hinter die zur Schau gestellten Vorwürfe. Versuchen Sie es mal so: Frau Möllers Tochter...

  • hat ein schlechtes Gewissen, dass sie ihre Mutter ins Heim gegeben hat, weil sie selbst nicht mit ihr zurechtkommt
  • möchte ihrer Mutter etwas Gutes tun, findet jetzt die Blusen nicht und schämt sich ihrer Mutter gegenüber
  • findet es peinlich, wenn ihre Mutter mit einer dreckigen Bluse am Tisch sitzt. Vor allem wenn ihre Nachbarin, deren Vater im selben Heim wohnt, das sieht
  • fühlt sich hilflos, weil sie nicht weiß, wie sie sich für die Bedürfnisse ihrer Mutter einsetzen kann
  • möchte uns Arbeit abnehmen, weil sie weiß, wie viel wir zu tun haben
  • möchte ihrer Mutter Zuwendung geben, mit ihr körperlich in Kontakt treten, ihr zeigen: „Mama, ich hab dich lieb"
  • kann nicht akzeptieren, dass ihre Mutter dement ist und Verhaltensweisen zeigt, für die sie keine Erklärung hat. Sie ignoriert die Tüte unter dem Bett
  • möchte Ihnen zeigen, dass sie sich verantwortungsvoll um ihre Mutter kümmert.

Typisch für Angehörige: das schlechte Gewissen

Oft sind die Angehörigen also nach außen hin hart, während sie innen verletzlich sind. Nahezu alle Angehörigen haben ein schlechtes Gewissen und sind damit beschäftigt, das auf die eine oder andere Weise zu kompensieren. Lassen Sie sich also nicht auf die Anklagebank setzen. Wie sollten Sie stattdessen reagieren?

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Zeigen Sie Gefühl und Empathie

Unterstellen Sie den Angehörigen eine gute Absicht und geben Sie ihnen freundliche Anregungen, wie sie ihr Familienmitglied aktiv unterstützen können. „Sie schaut so gern in den Garten. Vielleicht bringen Sie ihr mal ein Gartenbuch mit und schauen es sich gemeinsam an?"

Zeigen Sie Gefühle und sagen Sie den Angehörigen: „Ich mag ihre Mutter und sie ist bei uns sehr gut aufgehoben." Lassen Sie die Angehörigen wissen, wie sehr sich Ihre Klientin auf deren Besuch freut. Gestehen Sie ein, dass auch Sie manchmal nicht weiterwissen und fragen Sie die Angehörigen um Rat.

Haben Sie ein offenes Ohr für die Sorgen der Angehörigen und seien Sie auch selbst offen: „Frau Möller, wie geht es Ihnen damit, dass Ihre Mutter bei uns ist? Können wir etwas tun, damit es Ihnen leichter fällt, die neue Lebenssituation anzunehmen?"

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)

Foto: v.l.n.r.:Kath. Hochschule Freiburg/APS/Kath. Hoschule Mainz

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