Serie Soft-Skills

Tipp 7: Keine Angst vor Angehörigen

Ihr Einsatz ist schwer genug, also werden die Angehörigen Sie bestimmt unterstützen… Weit gefehlt! Viele Angehörige sind sehr anspruchsvoll, oft kommt es zu Konflikten. Ihr volles taktisches Geschick gefragt.

Inhaltsverzeichnis

Sagen wir es klipp und klar: Wenn Angehörige eines Klienten zu Besuch kommen, kann der Tag für Sie als Pflegekraft zum Spießrutenlauf werden. Vorwürfe, Anklagen und schlecht gelaunt vorgetragene Forderungen prasseln im Minutentakt auf Sie nieder. Dabei muss nicht unbedingt böse Absicht dahinter stecken.

Keine böse Absicht? Um das zu verstehen, müssen wir uns einmal in die Psyche eines Angehörigen versetzen. Kaum ein Sohn, kaum eine Tochter ist ohne Sorgen um den geliebten Menschen, den man immer als stark und gesund erlebt hat und der jetzt pflegebedürftig ist. Angst paart sich mit Hilflosigkeit, auch mit Scham, speziell in der ambulanten Pflege.

Das schlechte Gewissen der Angehörigen

Fast alle Angehörigen haben ein schlechtes Gewissen, weil sie die Mutter oder den Vater „abschieben”. Sie sind vielleicht selber alt, oder sie leben weit entfernt, sie sind nicht in der Lage, den Pflegebedürftigen zu sich zu nehmen oder bei ihm zu leben. Die Beziehung zwischen Klient und primärer Bezugsperson ist oft eine sehr überforderte, belastete Beziehung.

Gerade in der Altenpflege ist dabei natürlich auch die Frage: „Wie lange währt das Zusammensein, also das Leben überhaupt noch?", ein wichtiges Thema. Angehörige sind zudem meist pflegerische Laien, auch wenn sie eventuell seit Jahren pflegen, so gut sie können. Doch in bestimmten Pflegesituationen sind sie mittlerweile oftmals überfordert. Zudem sind sie, wenn es um die eigene Familie geht, „betriebsblind".

Nehmen Sie die Angehörigen ernst!

Sie wiederum als Pflegekraft kennen nicht unbedingt die Muster und Verhaltensschleifen in der Familie Ihres Klienten. Wie können Sie die Fronten aufweichen, das Gegeneinander in ein Miteinander verwandeln? Hilfreich für einen erfolgreichen Umgang mit Angehörigen ist, wenn diese sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Nöten verstanden und ernst genommen fühlen. Wenn Menschen Angst, Sorgen und ähnliche unangenehmen Gefühle haben, drücken sie sich selten neutral und freundlich aus. Es kann vorkommen, dass es statt einer sachlichen Äußerung eher zu einem Vorwurf, einer Klage oder einer Forderung kommt.

Daraus entstehen oft die typischen Konfliktsituationen im Alltag, und aus Sorgen werden Vorwürfe:

  • „Sie haben schon wieder vergessen, meiner Mutter die rote Jacke anzuziehen!"
  • „Wie sieht denn mein Vater aus, so ungepflegt, das Hemd hat vorne Flecken!"
  • „Hier im Zimmer stinkt es!"
  • „Sind Ihre Kollegen auch so unpünktlich?"

Beispiele für gute Reaktionen

Treten Sie innerlich einen Schritt zurück und erkennen Sie, welche Sorge hinter der ruppig vorgebrachten Kritik verborgen ist. Wenn Sie die (möglichen) Sorgen und Ängste für sich klar benennen und den Angehörigen so eine gute Absicht unterstellen, können Sie wieder zum Profi werden und Gutes tun:

  • „Sie möchten, dass Ihre Mutter immer gut aussieht. Vielleicht so, wie sie es tun würde, wenn sie noch könnte. Es tut mir leid, dass sie da jetzt ohne Jacke sitzt. Möchten Sie, dass ich Ihnen erzähle, wie es dazu gekommen ist?"
  • „Sie sind verärgert, weil Ihr Vater einen ungepflegten Eindruck macht? Das verstehe ich gut, mir ging es ähnlich mit meiner Tante. Sie hat fast alles abgelehnt, was ich ihr angeboten habe. Ihr Vater zeigt solchen Stolz, oft male ich mir aus, wie er wohl früher war, als er bei der Post gearbeitet hat."
  • „Ja, das stimmt, hier im Zimmer stinkt es. Das ist sicher unangenehm für Sie. Ich möchte auch gerne darüber mit Ihnen reden, haben Sie ein paar Minuten Zeit für mich? Mir liegt daran, dass sich Ihre Frau hier wohl fühlt und dass sie unsere Hilfe annimmt. Zurzeit nehmen wir, wenn wir Ihre Frau bei der täglichen Körperpflege unterstützen, wahr, dass sie den Urin nicht immer halten kann..."
  • „Sie sind verärgert, weil Sie ein paar Minuten auf mich warten mussten. Das verstehe ich, es tut mir leid. Ich komme gerade von einer Patientin, der ich noch einen Moment länger Zeit geschenkt habe, weil sie in der Nacht gestürzt ist. Ähnlich geht es mir mit Ihrem Schwiegervater, wenn er noch etwas erzählen möchte, oder er sich z. B. den Verband am Bein gleich wieder abzieht, dann bleibe ich auch einen Moment länger. Wir können uns gern zusammensetzen und gemeinsam überlegen, wie wir mit dieser Situation, die in der ambulanten Pflege immer wieder vorkommt, umgehen können."

Wenn Sie die Sorge ansprechen und Verständnis zeigen, entspannen Sie die gesamte Situation und ermöglichen einen direkten Austausch.

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)

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