Serie Soft-Skills

Tipp 5: Schräge Rituale? Bleiben Sie locker!

Cola zum Frühstück, ein Bier vor Vier im Altenheim? Lassen Sie sich von den Ticks und Schrulligkeiten Ihrer Bewohner nicht irritieren. Freuen Sie sich stattdessen.

Inhaltsverzeichnis

Nennen wir sie Ariane, die Reinigungskraft eines Altenheims, aus der es bei einer Fortbildung zum Thema „Umgang mit Demenz" regelrecht herausbrach: Sie fand es unmöglich, wie sich einige ihrer Heimbewohner verhielten: „Die Füße auf dem Couchtisch? Das gibt es bei uns zu Hause nicht!" – „Chips am Nachmittag? Ich glaube, ich spinne!"

Als Pflegekraft tauchen Sie tief ins Privatleben Ihrer Klienten ein. Arianes Reaktionen zeigen sehr drastisch, wie stark unsere Vorstellungen und unser Verhalten von fest verankerten Normen geprägt sind. In der eigenen Familie gelten oft klare Regeln, Vereinbarungen und Rituale. Was wir aber in der Schule, im Urlaub und eben auch am Arbeitsplatz, etwa im Krankenhaus oder im Pflegeheim, erleben, kann deutlich davon abweichen.

Haben Sie nicht auch Ihre Macken?

Alte Menschen haben viele Jahre Erfahrungen im Aufbau solcher Regeln und viele dieser Regeln und Gewohnheiten haben sie sehr lieb gewonnen. Was hatte Ariane eigentlich so gestört? Ein Heimbewohner legt seine Füße inklusive Schuhen immer wieder auf den Tisch. Fast sein ganzes Leben lang hat er seine Füße zu Hause auf den Couchtisch gelegt. Ein Problem? Nein, in der Familie war es eine erlaubte Schrulligkeit oder Gewohnheit, die er auch im Altersheim ungern ablegen würde.

Chips am Nachmittag? Hin und wieder doch mal ein Bier vor Vier? Die Zeitung von hinten nach vorne lesen? Wer sich selbst überprüft, wird feststellen, dass er auch nicht immer den gängigen Verhaltensnormen entspricht. Sicherlich kennen auch Sie solche Schrulligkeiten von sich und anderen. Schrulligkeiten sind etwas Wunderbares, sie machen jeden von uns einzigartig, menschlich und zeigen auf charmante Weise unsere Schwächen und Vorlieben.

Schrulligkeiten sind gut fürs Wohlbefinden

Deshalb: Lernen Sie die Eigenarten Ihrer Klienten kennen und unterstützen Sie sie darin, diese noch weitestgehend zu leben. Diese Eigenarten geben Halt, schaffen Vertrauen und Wohlbefinden. Seien Sie ehrlich: Ist es wirklich ein Problem, wenn Frau Kuchenbäcker im Schlafanzug frühstücken will?

Machen Sie sich auch Ihre eigenen Eigenarten bewusst, denn auch Sie haben sicherlich eine ganze Reihe solcher Schrullen. Fragen Sie sich: Muss ich hier darauf bestehen, dass Regeln eingehalten werden, oder kann ich mich in meiner Professionalität auf die Schrulligkeit des Klienten einlassen?

Ariane hat es geschafft, toleranter zu werden und ihren Bewohnern mehr Freiraum für ihre Schrulligkeiten zuzugestehen. Sie ist froh, ihre Arbeit jetzt mit noch mehr Freude und Verständnis zu erledigen. Manchmal erzählt sie den Klienten sogar von ihren eigenen Macken und sie lachen gemeinsam darüber.

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)