Serie Soft-Skills

Tipp 3: Biografiearbeit verbessert die Kommunikation

Nutzen Sie den Schatz, der in den Erinnerungen Ihrer Bewohner verborgen liegt: Setzen Sie auf Biografiearbeit! Sie öffnet den Bewohner für Gespräche und fördert sein Wohlbefinden.

Inhaltsverzeichnis

Welche Schicksalsschläge hat der 88-jährige Herr Meyer aus dem zweiten Stock überstanden? Welche Herausforderungen hat die 92-jährige Frau Müller aus Zimmer 24 in ihrem langen Leben gemeistert? Die Biografie ist der Schlüssel zum Menschen, egal ob jung oder alt. Ihre Kenntnisse über den Lebensweg der Menschen, die Sie versorgen, sprich, die Biografiearbeit, sind wie ein Schlüssel zu vielen Türen.

Das Gute: Biografiearbeit ist einfacher umzusetzen, als viele Pflegekräfte denken. Wesentlich ist, dass Sie Ihren Klienten Verständnis entgegenbringen und sie mit den Themen ansprechen oder anregen, die in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt eine wichtige Rolle spielen. Dazu müssen Sie wissen, was Herrn Meyer oder Frau Müller geprägt hat, was sie seelisch durchlebt haben, was ihren Lebensweg ausmacht.

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Aus der Vergangenheit lernen, Traumata bearbeiten

Biografiearbeit ist unerlässlich – und das nicht nur in der Pflege. Wir möchten aus der Vergangenheit lernen, damit wir unsere Zukunft gestalten können. Wir selber lernen auch aus unserem bisherigen Leben. Nicht ohne Grund boomt der Markt beim Thema Familienaufstellungen.

Wir wissen heute, welche Folgen nicht geklärte Konflikte haben können. Wir leben in einer Zeit, in der es viele Ansätze, Therapien und Erkenntnisse dazu gibt. Es ist bekannt, dass die Bearbeitung von Traumata Erleichterung bringt. Das Anliegen, den persönlichen Lebensweg zu klären, ist für professionell Pflegende eine Grundvoraussetzung.

Biografiearbeit stärkt die Identität

Der Kern der Biografiearbeit liegt darin, die Identität des älteren Menschen zu erhalten und zu stärken. Innere Werte und Eigenschaften, aber auch besondere Fähigkeiten und Wissen gehören ebenso dazu wie äußere Merkmale der Herkunft oder des Aussehens. Wer sich an die Bausteine seiner Identität erinnern und diese mitteilen kann, stärkt und aktiviert sein Selbstbild.

Die Identität speist sich aus der erinnerten, erzählbaren oder anders zum Ausdruck gebrachten Lebensgeschichte: „Ich bin die gleiche Person in ganz verschiedenen Situationen und zu verschiedenen Zeiten meines Lebens." Auch wenn die Erinnerung allmählich Lücken aufweist: Meine Identität sorgt für Kontinuität in meinem Leben.

Das Selbstwertgefühl steigt

Wer sich daran erinnert, wie er schwierige Phasen im Leben gemeistert hat, steigert und belebt sein Selbstwertgefühl, das im hohen Alter verloren zu gehen droht. Ältere Menschen können Kompetenzen aus der Lebensgeschichte neu erleben, zum Beispiel in Gesprächen über Situationen, in denen sie Belastungen ausgehalten und relative Lebenssouveränität auch unter schwierigen Bedingungen (etwa Lagerhaft, Krieg, Gefangenschaft, Flucht, Vertreibung, Misshandlung) bewiesen haben.

„Die Tatsache, dies alles überwunden und überlebt zu haben, ist ein Hinweis auf eigene Stärken, der auch Hoffnung zur Bewältigung der gegenwärtigen Probleme geben kann", sagt Experte und Buchautor Wilhelm Stuhlmann.

So werden Sie in der Biografiearbeit Erklärungen für ein Verhalten Ihrer Klienten finden, das Sie vielleicht nicht verstehen, oder Sie bekommen Ideen, wie Sie jemanden so anregen können, dass er sich innerlich gestärkt fühlt. „Ich lernte es als Ausdruck von Weisheit zu sehen, wenn alte Menschen durch die Rückkehr in die Vergangenheit zu überleben versuchen", sagt die renommierte Gerontologin Naomi Feil.

Biografiearbeit bringt Gespräche in Gang

Eine der Türen, die Sie mit Ihrem neuen Schlüssel namens Biografiearbeit öffnen können, führt Sie zur Herkunft eines Menschen. Wenn Sie wissen, woher ein Patient oder Bewohner kommt, wo seine Heimat ist, dann halten Sie den ersten Informationsschatz in der Hand. Sie können mit ihm über unzählige Dinge reden: über den Ort selbst, über Erlebnisse dort, über wichtige Ereignisse, über Bräuche, Feste und Traditionen sowie vieles andere mehr. Seien Sie also neugierig, achtsam und fantasievoll, indem sie den Gesprächsfluss in Gang bringen und lenken.

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)

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