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Tipp 22: So flößen Sie Ärzten Respekt ein

Es gibt sie tatsächlich noch: Ärzte auf dem hohen Ross. Und Sie betteln dann demütig um Aufmerksamkeit? Nein, so geht es nicht. Schrumpfen Sie den Arzt auf Normalmaß zurück und machen Sie sich stark!

Inhaltsverzeichnis

Der „Doktor in Weiß” ist für die meisten Menschen eine Respektsperson. Ihm glauben und vertrauen sie, und sein Wort gilt. Nicht selten fühlen sich Patienten oder Pflegekräfte dem Arzt gegenüber kleiner und unwissender. Sie wagen manchmal kaum nachzufragen und erst recht nicht zu widersprechen.

Eisen und Fönen? Widersprechen Sie!

Zweifel kommen selten auf. Pflegekräfte nehmen die Anweisungen des Arztes selbst dann hin, wenn seine Verordnungen nicht dem aktuellen pflegewissenschaftlichen Stand entsprechen. Auf einer Schulung im Harz vor einigen Jahren erfuhren wir etwa, dass ein Hausarzt noch Eisen und Fönen als Dekubitusprophylaxe verordnete.

Ärztliche Zeichen der Macht: Titel, Kittel, Fachkauderwelsch

Neben all den Kompetenzen, die ein Arzt aufgrund seines Berufes tatsächlich hat, wirken noch andere Dinge, die uns ihm gegenüber bewusst oder unbewusst „kleiner” werden lassen: Einem Arzt wird in der Gesellschaft ein hoher Status zugeschrieben. Er hat in Deutschland einen Rang, der deutlich höher ist als der einer Pflegekraft. Dieser Rang wird durch bestimmte Aspekte und Verhaltensweisen verstärkt. Zum Beispiel durch den weißen Arztkittel, die Ansprache mit „Herr Doktor” oder gar „Herr Professor”, die mit Fachwörtern geprägte Sprache oder das bestimmte Auftreten gegenüber anderen Berufsgruppen.

Zeigen Sie dem Arzt Ihre wahre Größe!

Sind Sie sich dieser Statussymbole bewusst, können Sie selbst etwas tun, um Ihren eigenen Status gegenüber dem Arzt zu heben und somit Ihre Ziele erreichen:

  • Machen Sie sich bewusst, was Sie über Ärzte denken und welchen Rang Sie ihnen gegenüber einnehmen wollen.
  • Stellen Sie sich den Arzt in schlichten Jeans und Pullover vor, als Privatmenschen, der genau wie Sie ins Kino geht, der Sport treibt oder sich mit seinen Kindern über das unaufgeräumte Zimmer streitet, der hilflos darin ist, seiner dementen Mutter zu begegnen. Machen Sie ihn menschlich, um ihm aufrecht und auf gleicher Augenhöhe zu begegnen.

Geschickte Doppelstrategie: loben und eigene Kompetenzen deutlich machen!

Für viele Ärzte ist der weiße Kittel eine Hilfe, um stärker und kompetenter zu wirken, als sie sich eigentlich fühlen. Je stärker ein Arzt seine Macht betont, desto unsicherer wird er hinter der Fassade sein. Vermutlich wünscht er sich einfach Anerkennung. Möchten Sie zum Beispiel, dass er heute kommt, um sich Klient XY noch einmal anzuschauen, dann sagen Sie: „Herr Doktor Müller, seit der Medikamentengabe nehme ich wahr, dass der Klient XY stärkere Verwirrungsanzeichen zeigt. Da ich um Ihre Kompetenz weiß, möchte ich Sie bitten, heute zu kommen und sich mit Ihrem Wissen ein fachliches Urteil zu machen.”

Achten Sie auf eine tiefe Stimme

Übrigens wirkt eine tiefe Stimme Wunder: Gewöhnlich wird Menschen mit einer tieferen Stimme mehr Kompetenz zuerkannt. Auch der Arzt hält Sie für kompetenter, wenn Sie mit ruhiger, tiefer Stimme und in klaren Sätzen sprechen. Deshalb: Atmen Sie durch, sprechen Sie aus dem Bauch heraus und etwas tiefer als gewöhnlich.

Verwenden sie Fachausdrücke

Heben Sie Ihren Status, indem Sie ihre besondere Kompetenz benennen, zum Beispiel Bezugspflegekraft, Pflegedienstleitung, Beauftragte zur Koordination der Arztvisiten im Haus. Erwähnen Sie, dass Sie gerade eine Fachschulung zum Thema Schmerzmanagement gemacht haben und auf dem neuesten Wissensstand sind, verwenden Sie pflegerische Fachbegriffe. Sprechen Sie klar und deutlich an, was Sie vom Arzt wünschen. Je klarer Sie auftreten, desto eher werden Sie in Ihrer Kompetenz und mit Ihrem Anliegen wahrgenommen.

Wichtig: gerade Haltung, Blickkontakt

Achten Sie auf Ihre Körperhaltung: Seien Sie auf gleicher Höhe mit dem Arzt. Wenn er steht, sollten Sie dies auch tun. Ist er sehr viel größer als Sie, gehen Sie ein oder zwei Schritte zurück, dann minimieren sich die Unterschiede. Nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung an. Suchen Sie Blickkontakt und halten Sie ihn aufrecht.

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)

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