Serie Soft-Skills

Tipp 16: Raus aus der Fehlerfalle!

Niemand ist perfekt. Dennoch werden aus kleinen Fehlern oft Dramen gemacht, gerade Frauen regen sich oft über kleine Missgeschicke extrem auf. Ein Beispiel aus Südafrika zeigt, dass es auch anders geht.

Inhaltsverzeichnis

Menschen sind keine Maschinen, Fehler sind Alltag, das Salz in der Suppe, sie runden unser Leben ab und bieten viele Chancen. Zur Einstimmung auf das Thema Umgang mit Fehlern soll eine kleine Geschichte aus Südafrika dienen.

„Wenn ein Stammesmitglied der Babemba aus Südafrika ungerecht gewesen ist oder unverantwortlich gehandelt hat, wird er in die Dorfmitte gebracht, aber nicht daran gehindert wegzulaufen. Alle im Dorf hören auf zu arbeiten und versammeln sich um den „Angeklagten“.

Die Babemba beruhigen den, der gefehlt hat

Dann erinnert jedes Stammesmitglied, ganz gleich welchen Alters, die Person in der Mitte daran, was sie in ihrem Leben Gutes getan hat. Alles, an das man sich in Bezug auf diesen Menschen erinnern kann, wird in allen Einzelheiten dargelegt. Alle seine positiven Eigenschaften, seine gute Taten, seine Stärken und seine Güte werden dem „Angeklagten“ in Erinnerung gerufen.

Die einzelnen Geschichten über diese Person werden mit Ehrlichkeit und Liebe erzählt. Es ist niemandem erlaubt, das Geschehene zu übertreiben, alle wissen, dass sie nichts erfinden dürfen. Niemand ist bei dem, was er sagt, unehrlich und sarkastisch. Die Zeremonie wird so lange fortgeführt, bis jeder im Dorf mitgeteilt hat, wie sehr er diese Person als Mitglied der Gemeinde schätzt und respektiert. Der ganze Vorgang kann mehrere Tage dauern.

Unser verklemmtes Verhältnis zu Fehlern

Am Ende wird der Kreis geöffnet. Nachdem der Betreffende wieder in den Stamm aufgenommen worden ist, findet eine fröhliche Feier statt, berichtet Vera F. Birkenbihl in ihrem Buch „Story Power“. Für unsere Kultur ist das ein ungewöhnlicher Umgang mit Fehlern. Wir haben von klein auf gelernt, Fehler zu vermeiden oder uns schuldig zu fühlen, wenn sie uns doch passieren.

Mit dieser Haltung fällt es uns schwer, Fehler einzugestehen. An jedem Fehler haftet der Makel von „Schuld und Scham“. Wir möchten die Fehler am liebsten ungeschehen machen und haben Angst, sie anderen gegenüber einzugestehen. Wir alle machen Fehler, jeden Tag. Viele kleine Missgeschicke mit wenig Wirkung und manchmal mit erheblichen Folgen. Fehler sind menschlich, sie zeigen uns, dass wir auf dem Weg sind, uns weiterzuentwickeln. Der Stamm in Südafrika ist offensichtlich weiter als die hochgelobte westliche Zivilisation. Davon können Sie lernen und profitieren.

Fehler manchmal Folge schlechter Organisation

Erlauben Sie sich, Fehler zu machen, und unterscheiden Sie kleine Missgeschicke von Fehlern mit schwerwiegenden Folgen. Besonders Frauen haben die Gabe, Missgeschicke zu dramatisieren und ihnen eine Aufmerksamkeit zu geben, die völlig unangemessen ist. Wie kommen wir heraus aus der Fehler-Falle?

  • Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, erinnern Sie sich an die Geschichte aus Südafrika und tun Sie für sich in kleinem Rahmen das, was in der Geschichte in der großen Zeremonie stattfindet. Verzeihen Sie sich Ihren Fehler und stärken Sie sich an dem, was Sie bereits Wunderbares bei der Arbeit, bei Klienten, Angehörigen und Kollegen bewirkt haben.
  • Stehen Sie aufrichtig zu Fehlern, die Ihnen unterlaufen sind. Dann werden Sie frei im Kopf, um nach Lösungen zu suchen, um die Missgeschicke ausbügeln, um schlimmere Folgen zu vermeiden.
  • Sprechen Sie Fehler gegenüber Vorgesetzten offen an. In der Regel wird Ihnen kein Chef unterstellen, dass Sie es absichtlich getan haben. Nutzen Sie die Kompetenz Ihres Vorgesetzten, um künftig diesen Fehler zu vermeiden.
  • Fehler zeigen an, dass etwas fehlt. Ein Fehler kann ein Anzeichen dafür sein, dass etwa in der Organisation von Arbeitsabläufen noch Strukturen fehlen. Nehmen wir an, einer Ihrer Klienten wird wegen einer Operation ins Krankenhaus gebracht und kehrt mit einem Dekubitus 3. Grades zurück. Leider können Sie nicht nachweisen, wie es vor dem Krankenhausaufenthalt war, da Sie die Dokumentation nicht genau genug geführt haben und nicht ersichtlich ist, welche Maßnahmen zur Dekubitus-Behandlung Sie ergriffen haben. Der „Fehler“ zeigt an, dass Unsicherheiten im Umgang mit der Dekubitusprophylaxe und chronischen Wunden bestehen. Möglicherweise ist eine Schulung nötig oder der hauseigene Standard muss überarbeitet werden.
  • Verzeihen Sie wiederum die Fehler anderer: Auch Vorgesetzte machen Fehler und es fällt ihnen oft noch schwerer, diese gegenüber ihren Mitarbeitern einzugestehen.

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)

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