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Tipp 10: Familienstreit – lassen Sie sich nicht schockieren

„Eine schrecklich nette Familie" hieß einmal eine Fernsehserie. Im Pflegeheim scheinen einige Familien und Angehörige jedoch nur schrecklich zu sein. Ein Streit folgt dem nächsten. Wie gehen Sie damit am besten um?

Familie ist, wo das Leben beginnt und die Liebe niemals endet - ein schöner Kalenderspruch. Und in der Tat: Jeder Mensch ist tief in seiner Familie verwurzelt, ob er es möchte oder nicht. Sie gehören zusammen – ob Sie wollen oder nicht! Wie sehr Sie miteinander verbunden sind, zeigt sich oft, wenn ein Mensch in der Familie zum Pflegefall wird.

Das heißt aber nicht, dass stets eitel Sonnenschein herrscht. Jede Familie hat neben stärkenden Gemeinsamkeiten ihre „Leichen im Keller". In jeder Familie gibt es unausgesprochene, ungeklärte Konflikte, tiefe Verletzungen, über viele Generationen hinweg. In manchen Fällen wird man das Gefühl nicht los, dass Zank und Streit das Einzige sind, was Oma und Opa, Vater und Mutter, Sohn und Tochter zusammenhält.

Brüllen, verletzen, ignorieren – alles hat seine Geschichte

Selbst ständiger Streit kann tatsächlich etwas sein, das innerhalb einer Familie eine Bindung schafft. Für Sie als Pflegekraft ist es manchmal kaum nachzuvollziehen, welche Energien in einer Familie wirken und vor allem warum. Was Sie wahrnehmen, sind möglicherweise verletzende Verhaltensweisen wie diese:

  • Die Schwiegertochter, die den bettlägerigen Schwiegervater pflegt, dreht ihn nachts nicht auf die mit Ihnen verabredete Seite und riskiert damit einen Dekubitus.
  • Der Sohn wohnt nur wenige 100 Meter vom Pflegeheim entfernt, lässt sich aber so gut wie nie blicken.
  • Der Bruder kommt immer wieder zu Besuch, doch der Klient will ihn nicht sehen, mag nicht aufstehen oder brüllt ihn an.
  • Die Frau ist nach einem Unfall ein schwerer Pflegefall, ihr Mann besucht sie mit seiner neuen Freundin.
  • Der Großvater möchte sich nicht von der Enkelin berühren oder gar waschen lassen. Er lehnt die Körperpflege ab und schlägt wild um sich.
  • Zwei Ehepartner wohnen im selben Heim, aber auf verschiedenen Stationen. Sie sind froh, endlich ihre Ruhe zu haben. Die beiden Kinder sind entsetzt und versuchen immer wieder, die beiden in zwei benachbarte Zimmer zu verlegen.

Als professionell Pflegende tauchen Sie sehr nah in solche Familiensysteme ein und erleben neben Liebe und Zuwendung selbstverständlich auch Hass und Streit. Dass Sie dies erleben dürfen, ist ein Zeichen von Vertrauen und Nähe.

Seien Sie diskret, tratschen Sie nicht

Gehen Sie möglichst souverän damit um:

  • Erlauben Sie Knatsch zwischen Klienten und Angehörigen und gehen Sie diskret damit um.
  • Halten Sie sich heraus: Lassen Sie die Probleme zwischen Angehörigen und Klienten deren Probleme sein.
  • In manchen Familien ist Streit das verbindende Element. Die Streithähne verkraften die Auseinandersetzungen und empfinden sie als weit weniger anstrengend als Außenstehende.
  • Versuchen Sie nicht, die Probleme zu lösen. Sie können es nicht.
  • Machen Sie sich Luft, beschreiben Sie, wie es Ihnen damit geht und was Sie wünschen: „Herr Strauß, ich habe den Eindruck, dass Sie mit Ihrem Bruder im Streit leben. Mir und auch den anderen Klienten fällt es schwer, wenn wir Ihre Streitereien so intensiv und lautstark miterleben. Bitte nutzen Sie Ihr Zimmer zum Streiten."
  • Sprechen (nicht »tratschen«) Sie mit Ihren Kolleginnen, nutzen Sie Dienstbesprechungen, wenn der Knatsch zu viel Raum einnimmt und den Blick verstellt.
  • Greifen Sie ein, sobald Sie den Eindruck haben, dass bedrohliche Situationen für den Klienten entstehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Angehörige bewusst oder unbewusst „Pflegefehler" machen, um noch „offene Rechnungen zu begleichen".
  • Ein Angehöriger ist gesetzlicher Betreuer und Sie haben den Eindruck, dass dies nicht im Sinne des Klienten ist? Sprechen Sie mit den Beteiligten darüber, ohne Vorwürfe zu machen. Informieren Sie über Alternativen.

Autorinnen: Sandra Masemann/Barbara Messer (Bearbeitung für pflegen-online: Michael Handwerk)

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Seien wir ehrlich: Die liebe Tochter oder der liebe Sohn kann uns gelegentlich auf die Nerven gehen. Doch wer ihre Motive kennt, kann leicht deeskalieren.

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Tipp 46: Trauen Sie sich - sprechen Sie Konflikte an

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