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Eine Mitarbeiterin im Pflegeheim der DRK Augusta-Schwesternschaft Lüneburg wird getestet. 

Corona-Schnelltests

Testpflicht nun auch für geimpfte Pflegekräfte

Die Gesundheitsministerkonferenz hat eine Ausweitung der Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen beschlossen, auch für Besucher und alle anderen Mitarbeiter. Wie sinnvoll eine tägliche Testung ist, zeigt ein Beispiel aus Lüneburg

Die Corona-Lage verschärft sich, am Freitag, 5. November, waren die Infektionszahlen so hoch wie noch nie: Das Robert Koch-Institut registrierte binnen eines Tages 37.120 Neuinfektionen  – der bisherige Höchststand betrug 33.777 Fällen am 18. Dezember 2020. Passend zum Höchststand traf die Gesundheitsministerkonferenz am Bodensee eine für Pflegeheime einschneidende Entscheidung: Dort sollen künftig alle Mitarbeiter und Besucher vor Betreten der Einrichtung getestet werden – auch die geimpften und die genesenen. Bisher galt diese Regelung nur für Ungeimpfte. Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten dieser Regelung ist noch nicht bekannt. 

Minister Holetschek spricht von einer „Sicherheitsschleuse“

Man wolle eine „Sicherheitsschleuse“ in den Pflegeheimen installieren und dazu ein Bundesgesetz anschieben, erläuterte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Denn dort hat es in den letzten Wochen wieder vermehrt Ausbrüche und auch Covid-Tote gegeben. Parallel dazu ist die Zahl derjenigen, die sich trotz Impfung mit dem Corona-Virus infiziert haben, gestiegen.

In dem gerade veröffentlichten Beschluss der GMK (siehe pdf am Ende dieses Textes) heißt es wörtlich: „Der Bund wird die Rechtsgrundlage (COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordung) so anpassen, dass die Länder, unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens auch für geimpfte oder genesene Personen eine Testpflicht zum Betreten von diesen Einrichtungen verordnen können. Soweit geimpfte oder genesene Personen einer Testpflicht unterliegen, wird der Anspruch auf kostenlose Tests nach § 4 a TestV erweitert.“

Das Wörtchen „täglich“ fehlt im Beschluss der GMK

Nach den Worten des noch amtierenden Gesundheitsministers Jens Spahn soll diese Testung „idealerweise“ täglich“ in den Heimen stattfinden. Er schränkte dies aber ein und machte die täglichen Testungen von der jeweiligen Inzidenz vor Ort abhängig. Von einem täglichen Testen ist auch im GMK-Beschluss nicht die Rede. Denn: Handlungsempfehlungen beziehungsweise verpflichtende Anordnungen dürfen nur die Länder erlassen. Und hier herrscht – wie so oft – kein einheitliches Bild. Tägliches Testen ist daher bundesweit noch nicht einmal für Ungeimpfte, die ein Pflegeheim betreten, Pflicht.

„Wir hatten noch keinen einzigen Corona-Fall in unserem Heim“ 

Dass tägliche Tests des Personals helfen, Ausbrüche zu verhindern, weiß Elisabeth Gleiß, Vorsitzende der DRK Augusta-Schwesternschaft in Lüneburg, die dort ein großes Alten- und Pflegeheim betreibt: „Wir tragen seit Beginn der Corona-Pandemie konsequent FFP2-Masken und testen unser Personal täglich vor Dienstbeginn. Und toi, toi, toi, wir hatten noch keinen einzigen Corona-Fall in unserem Alten- und Pflegeheim und auch nicht in unserem ambulanten Dienst.“

Bereits zwei geimpfte Mitarbeiterinnen positiv getestet 

Durch die täglichen Tests sind tatsächlich schon zwei Mitarbeiterinnen vor Dienstbeginn identifiziert worden, die trotz der zweiten Corona-Impfung infiziert waren: Der Schnelltest war bei beiden positiv und so auch der anschließende PCR-Test. Die beiden haben sich sofort in Quarantäne begeben. „Das hat uns weiter darin bestärkt, unsere Mitarbeiter täglich zu testen – egal ob geimpft oder genesen“, sagt Gleiß, die peinlich genau auf die Einhaltung des internen Hygienekonzepts achtet.

Für die Vorsitzende der Lüneburger Schwesternschaft steht Sicherheit an erster Stelle, daher hat sie für die täglichen Testungen auch extra Personal eingestellt: drei 450-Euro-Kräfte und eine Halbtagskraft. Auch wenn die Abstriche und das Personal dafür refinanziert werden, sind die täglichen Tests natürlich ein nicht zu unterschätzender Aufwand, der „sich aber in jeder Hinsicht lohnt“, weil er die Bewohnerinnen und Bewohner noch besser vor dem Virus schützt als wenn nur die Ungeimpften getestet würden. Die Pflegekräfte und die anderen Mitarbeiter stehen den täglichen Abstrichen absolut positiv gegenüber, sagt Gleiß. „Sie geben auch ihnen ein Gefühl von Sicherheit.“

In ganz Berlin ist tägliches Testen der Geimpften seit Monaten Usus

Auch in Berlin ist das tägliche Testen sämtlicher Mitarbeiter und Besucher in den Pflegeheimen schon seit Monaten Standard, berichtete berichtete Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) auf der Gesundheitsministerkonferenz. Sie erklärte diesen Schritt in der Hauptstadt für notwendig, „um zusätzlich einen Schutz zu erreichen“, da es Impfdurchbrüche gibt und diese gerade in Pflegeheimen schlimme Folgen haben können.

Trotz der guten Erfahrungen in einzelnen Einrichtungen oder Stadtstaaten scheint eine bundeseinheitliche Regelung nicht in Sicht.

Booster für alle

Ein weiteres Ergebnis der Gesundheitsministerkonferenz ist eindeutiger: Ab sofort können alle, deren zweite Impfung bereits sechs Monate oder länger zurückliegt, eine Booster-Impfung in Anspruch nehmen – ganz unabhängig von Alter oder Vorerkrankung. In Lüneburg haben die Booster-Impfungen gerade begonnen. Für einige bisher Ungeimpfte war das ein Impuls, sich jetzt doch noch impfen zu lassen. 

Eine umfassende Berichterstattung von der Gesundheitsministerkonferenz finden Sie hier!

Autorin: Alexandra Heeser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                        

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