Serie Stationsleitungen

„Teamcoaching? Digitalisierung? Empfehle ich wärmstens!“

Wie leben Stationsleitungen mit ihrer Sandwichposition? Lesen Sie unsere Serie „6 Fragen an ...“ Dieses Mal: Alice Schumann vom Universitätsklinikum Magdeburg

Die 48-Jährige leitet die Intermediate-Care-Station der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Magdeburg. In den vergangenen sechs Jahren hat sie neben ihrer Arbeit auf der IMC-Station ihren Bachelor-Abschluss in „Angewandten Gesundheitswissenschaften“ und den Master in „Management im Gesundheitswesen“ gemacht.

pflegen-online: Auf welchen (persönlichen) Gegenstand könnten Sie im Pflegealltag nicht verzichten?

Alice Schumann: Es ist vielleicht nicht das, was man als Erstes mit der Pflege verbindet, aber ich möchte nicht mehr auf meinen Computer verzichten. Für mich als Stationsleitung ist er eine immens wichtige Unterstützung – beim elektronischen Dienstplan zum Beispiel, den ich immer schon ein Vierteljahr im Voraus plane, oder bei der Infosuche im Intranet.

Zudem führen wir eine elektronische Patientenakte, was den Dokumentationsaufwand wirklich deutlich reduziert hat. Egal ob am Bett, am Stationstresen oder im Arztzimmer – an fest installierten Computerarbeitsplätzen hat jeder von überall Zugriff auf die Akten. Ganz wichtig ist mir auch unser „Wunschbuch“, in das meine 20 Mitarbeiter spezielle Wünsche zu ihren Diensten eintragen. Das hat sich bewährt. Zwischen dem Team und mir als Stationsleitung hat sich ein gutes Geben und Nehmen entwickelt.

Wie motivieren Sie sich täglich aufs Neue für Ihren Job?

Eigentlich muss ich das gar nicht. Das, was ich mache, mache ich wirklich gern – mit viel Überzeugung und ganz viel Empathie. Ich komme gerne her – und das jetzt schon seit 30 Jahren. Ich habe ein tolles Team, das mich wertschätzt und unterstützt, und das macht es mir noch leichter. Zudem geben uns die Patienten, gerade in der Wachstation, viel positives Feedback zu unserer Arbeit. Wir sehen relativ zeitnah, ob es ihnen besser geht, und sie sagen uns auch, dass sie sich gut aufgehoben fühlen. Das ist ein hoher Motivationsfaktor.

Wie motivieren Sie Ihr Team (in schwierigen Situationen)?

Wir schätzen eine gute Kommunikation. Wenn es schwierig wird, schaffen wir es, sehr viel miteinander zu reden und gestärkt aus der Situation herauszugehen. Vor einigen Jahren hatten wir eine schwierige Situation. Viele Dinge im Team blieben unausgesprochen, es bildeten sich kleine Grüppchen, und für mich war es schwer, die wirklichen Gründe zu erkennen. Damals hat uns ein Teamcoaching geholfen, bei dem wir ein Jahr lang betreut wurden. Dadurch haben wir gelernt, miteinander zu sprechen anstatt übereinander, auch über Sachen, die man eigentlich vielleicht gar nicht sagen möchte.

Wir haben aber auch gelernt, jemanden nicht zum Sprechen zu zwingen, wenn er das gerade nicht will. Seitdem arbeiten wir sehr harmonisch. Wir haben den Fokus noch mehr auf die Patienten gerichtet und sehen uns noch stärker als Team. Wenn etwas wichtig ist, wird es jetzt sofort geklärt und auch wirklich im Team angesprochen.

Was regt Sie in Ihrem Arbeitsalltag immer (mal) wieder auf?

In Zeiten der Digitalisierung ist das persönliche Gespräch ein wenig aus dem Fokus geraten. Ich weiß, der Arbeitsaufwand in unserem Beruf ist sehr hoch, doch wir sollten uns bemühen, tatsächlich wieder öfter persönlich miteinander zu sprechen.

Worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche am meisten gefreut und warum?

Wieder mal über mein Team. Die Woche war wirklich schwer, mit schweren medizinischen Notfällen. Doch sie haben es geschafft, das Ganze eigenverantwortlich zu meistern – ohne dass ich gemerkt habe, dass sie fast am Limit waren. Alles ist wirklich richtig gut gelaufen, weil sich jeder, ohne zu murren, auf das besonnen hat, was zu tun war. Dabei ist das Pensum eigentlich schon sehr hoch gewesen.

Außerdem habe ich es persönlich sehr genossen, mich – wie in meinem Studium – wieder mal mit der Wissenschaft zu beschäftigen: Ich habe es geschafft, Abstracts für den ersten Kongress des Verbands der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken im November in Berlin einzureichen. Falls eines meiner Themen ausgewählt wird, werde ich es dort vorstellen können.

Sehen Sie sich Krankenhaus- und Arztserien an?

Nein. Ich würde aber wahrscheinlich auch eher auf Fehlersuche gehen, statt mir wirklich die Sendung anzuschauen. Zudem fällt mir gar keine gute Krankenhausserie ein. Statt fernzusehen, lese ich abends sowieso lieber wissenschaftliche Arbeiten oder helfe Studenten, indem ich ihre Arbeiten korrigiere oder meine Einschätzung dazu gebe. Mir ist es wichtig, dass sich die Pflege akademisiert, deshalb ist diese Arbeit in meiner Freizeit auch keine Belastung, sondern eher eine positive Beanspruchung. Zudem bekomme ich dadurch immer wieder neuen Input – für mich ist das ein großer Wissensgewinn.

Protokoll: Jens Kohrs

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