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Streiken - eine Intensivschwester hat es gewagt

Protestieren, streiken, sich einmischen – das funktioniert auch in der Pflege, wie sich am Beispiel von Kathrin Lichtenecker zeigt.

Kathrin Lichtenecker hatte 2011 genug. Die 48-jährige Krankenschwester leitet die interdisziplinäre Intensivstation eines kleinen Krankenhauses mit 235 Betten im sächsischen Stollberg. Als das Haus, das dem Landfkreis gehört, aus dem Arbeitgeberverband austrat und einen Haustarif einführte, wurde ihr die finanzielle Schieflage zwischen den Pflegekräften und den Ärzten endgültig zu viel.

Fronten zwischen Pflege und Ärzten

Auch beim Lohngefälle zwischen Ost und West tat sich wenig, hinzu kamen Personalabbau und Aufgaben-Verdichtung: „Das passt alles nicht mehr“, ärgerte sich Lichtenecker, suchte nach einem gemeinsamen Sprachrohr und schloss sich Verdi an. Als Mitglied der Tarifkommission erlebt sie derzeit ihre dritten Tarifverhandlungen und merkt, dass sich die Fronten zwischen den Berufsgruppen im Krankenhaus verhärtet haben. „Früher war das Miteinander besser, heute vertritt jeder nur die eigenen Interessen – und das wirkt sich auch auf den Umgang aus.“

Die Kollegen wachen allmählich auf

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Umso wichtiger sei es „für seine eigene Sache zu kämpfen und sich für unseren Berufsstand einzusetzen“. Doch nur ganz wenige könnten wirklich Verantwortung mittragen. „Die meisten wollen geführt werden“, sagt Lichtenecker. Noch immer gebe es zu viele, die sich zurücklehnten und andere machen ließen, aber „immer mehr verstehen, dass sie etwas tun müssen“.

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„Soziale Freundlichkeit wir ausgenutzt“

Im Januar haben sie in Stollberg zum ersten Mal gestreikt. Das sei eigentlich nicht das erste Mittel der Wahl, sagt Lichtenecker, „doch wir haben kein anderes Mittel mehr, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen“. Weder Vorgesetzte noch die Politik würdigten die Verdichtung der Arbeit. „Immer wieder wird die soziale Freundlichkeit der Kollegen ausgenutzt, und die Freizeit, die uns zusteht, wird beschnitten.“

Lichtenecker fehlt die Wertschätzung

Ihr selbst macht besonders der Zeitdruck zu schaffen. Immer seltener geht sie zufrieden nach Hause. „Man ist ständig im Dauerlauf und fragt sich, ob man auch an alles gedacht hat und den Patienten wirklich gerecht geworden ist.“ Auch deshalb werde der Unmut der Kollegen immer größer. „Die ersten sind schon zu anderen Häusern gewechselt, und immer mehr reden ganz offen darüber.“ Was Lichtenecker am meisten stört, ist der fehlende Dank von Seiten der Vorgesetzten: „Die Wertschätzung ist sehr weit unten oder gar nicht vorhanden.“

Leute aus dem Frei einspringen - das ärgert sie

Dass Deutschlands Pflegekräfte das schon so lange mitspielen, müsse wohl auch an ihrer „sehr großen sozialen Ader“ liegen, ist die Stationsleiterin überzeugt. Dass auch sie selbst das bei der Dienstplangestaltung regelmäßig ausnutzt, ärgert sie: „Ich habe kein gutes Gewissen, wenn ich die Kollegen immer wieder frage, ob sie einspringen. Oft machen sie das nur mir zuliebe und weil sie das Team nicht hängen lassen wollen.“

Verfluchte Sandwich-Position

Sie stecke in einer fatalen Sandwich-Position, sagt Lichtenecker. Kaum ein Monat vergeht, in dem der Dienstplan keine Probleme macht – wie gerade erst der Mai: „Bei den vielen Feiertagen ist die Planung schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.“ Zwar gebe es ein Pool-Modell, doch gerade Fachkräfte, wie sie auf der Intensivstation gebraucht werden, fehlten.

Noch hält das Team zusammen

Dass Kollegen, die eine Fach-Weiterbildung absolvieren, nicht ersetzt werden, verschärft die Situation noch zusätzlich: „Die Leute sind einfach weg, aber sie stehen im Stellenplan.“ Noch halten die Kollegen als Team zusammen, sagt Lichtenecker: „Doch wenn das so weitergeht, bleibt das nicht so.“

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