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Ein förmliches Anschreiben verfassen? Das wird in vielen Stellenanzeigen gefordert, schreckt aber jeden dritten potenziellen Bewerber ab. 

Beruf und Karriere

Stellenanzeige: Die 4 schlimmsten Fehler der Arbeitgeber

Eine große Umfrage zu Stellenanzeigen mit über 1.000 Teilnehmern zeigt: Es gibt Dinge, die halten Jobsuchende definitiv von einer Bewerbung ab

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Befragten waren wirklich nicht desinteressiert an einem neuen Job. Die 1.026 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das Marktforschungsinstitut Bilendi im Auftrag der Königsteiner Gruppe befragte, hatten sich in den vergangenen zwölf Monaten alle mindestens einmal auf eine neue Stelle beworben. 51 Prozent von ihnen waren Frauen, 49 Prozent Männer; das Durchschnittsalter lag bei 39,8 Jahren.

Jobsuchende lesen Stellenanzeigen tatsächlich schon sehr genau. Auf der Suche nach einem neuen Job nutzen 87 Prozent der befragten Beschäftigten Stellenanzeigen als erste Informationsquelle und setzen sich sehr genau mit den darin formulierten Anforderungen und Arbeitgeberleistungen auseinander. Doch genau hier hapert es auch, besagt die aktuelle Studie der Personalmarketing-Agentur Königsteiner Gruppe.

Wegen des Fachkräftemangels müssten Unternehmen sich eigentlich stärker denn je an den Wünschen potenzieller Bewerber orientieren, um im Recruiting erfolgreich zu sein. Laut den Umfrage-Ergebnissen stolpern Kandidaten aber oftmals bereits in den Stellenanzeigen über Hürden. Hürden, die dazu führen, dass die Jobsuchenden das Interesse am Unternehmen verlieren und sich gar nicht erst bewerben.

Wer Anschreiben und Foto fordert, vergrault Bewerber

Jobportal pflegen-online.de empfiehlt:

Gleich von sich aus erteilten Bewerber eine Absage an solche Unternehmen, die folgende Punkte in ihren Stellenanzeigen aufführten – oder vermissen ließen:

  • 34 Prozent der Befragten bewarben sich nicht, weil der Arbeitgeber ein Anschreiben forderte.
  • 28 Prozent der Befragten verzichteten auf eine Bewerbung, weil ein Foto erwünscht war.
  • 27 Prozent der Befragten nahmen Abstand von einer Bewerbung, weil in der Stellenanzeige kein persönlicher Ansprechpartner angegeben war.
  • 32 Prozent der Befragten wandten sich ab, weil die Stellenanzeige keinen direkten Link zu einer Online-Bewerbung beinhaltete. Bei den Berufsanfängern war dies mehr noch ein Grund, abgeschreckt zu sein: Von ihnen sahen 37 Prozent in diesem Fall davon ab, ihre Unterlagen einzureichen.

Weiterer Bewerbungskiller: Floskelhafte Formulierungen

Auf wenig Gegenliebe stoßen der Studie zufolge auch Stellenanzeigen, die inhaltlich als Standardtext, als schwammig oder stereotyp empfunden werden. Die Mehrheit der Befragten beschäftigt sich ihrerseits intensiv mit den Anforderungen (84 Prozent) und Benefits (81 Prozent), die in den Ausschreibungen genannt werden.

  • Nur 26 Prozent der Befragten stimmen allerdings den Anforderungsprofilen uneingeschränkt zu. Und nur 21 Prozent der Befragten äußern sich zufrieden mit der Darstellung der Arbeitgeber-Leistungen.
  • Insgesamt findet mehr als die Hälfte der Kandidaten Stellenanzeigen austauschbar.
  • 45 Prozent bewerten sie als langweilig und 46 Prozent bemängeln, sie seien voller Floskeln.

Diese Ergebnisse decken sich mit einer Leserumfrage, die pflegen-online im vergangenen Oktober zum Thema Jobsuche durchgeführt hat. Sie macht klar, dass viele Stellenanzeigen auch bei Pflegekräften eher Skepsis als Begeisterung auslösen.

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Eine zweite Befragung aus diesem Monat bestätigt noch einmal typische Schwachstellen bei der Bewerbersuche: Pflegekräfte kritisieren weiterhin unter anderem standardisierte Formulierungen und Phrasen wie „Work-Life-Balance“ oder „angemessene Bezahlung“ in den Ausschreibungen. Dennoch sagen die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber auch hier: Sie lesen regelmäßig Stellenanzeigen – und 95 Prozent würden bei einem passenden Angebot den Jobwechsel erwägen.

Autorin: lin

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