Studie Arbeitgeberattraktivität

Stationsleitungen, greift endlich durch!

Gerade das heißt für Pflegekräfte Wertschätzung: Wenn eine Stationsleitung ihre Verantwortung wahrnimmt und nicht zulässt, dass sich immer wieder dieselben Kollegen vor dem Einspringen oder unattraktiven Diensten drücken.

Inhaltsverzeichnis

Wie sieht ihr Traumarbeitgeber aus? Pflegekräfte werden zurzeit häufig zu ihren Erwartungen befragt. Immer wieder nennen sie Wertschätzung und ein gutes Betriebsklima als erstes. So auch in der Studie Arbeitgeberattraktivität von Schubert Management Consultants (in Kooperation mit pflegen-online) mit insgesamt 512 Teilnehmern (Pflegekräfte, Schüler, pflegerische Leitungskräfte und Pflegedirektorinnen).

Fordern kommt für Mitarbeiter noch vor Fördern

Aber es findet sich in der Befragung auch ein Ergebnis, das auf den ersten Blick irritiert. Denn es scheint dem Wunsch nach Wertschätzung und angenehmer Arbeitsatmosphäre zu widersprechen: Ein Großteil der Befragten findet es ausgesprochen wichtig, dass eine Stationsleitung in der Lage ist, ihre Mitarbeiter zu fordern. Diese Kompetenz ist ihnen sogar noch wichtiger als die Kompetenz zu fördern. „Dieser Widerspruch löst sich jedoch auf, wenn man das Fordern so versteht, dass die Stationsleitung in der Lage sein sollte, auf das Einhalten von Regeln zu achten sowie auf ein verbindliches und zuverlässiges Verhalten aller Mitarbeiter einzufordern“, erklärt Studienleiterin Petra Schubert (Foto ganz unten).

4 Gründe, warum Fordern und Durchgreifen so wichtig sind

Doch warum ist es für Pflegekräfte so wichtig, dass eine Stationsleitung das Fordern beherrscht? Darauf gibt es für Petra Schubert eine Reihe von Antworten:

  • In der Pflege gibt es immer wieder Kollegen, die sich kurzfristig krank melden, vielleicht auch etwas zu schnell krank melden…. Jedenfalls berichten manche Pflegedienstleitungen, dass sich Krankmeldungen bei ihnen besonders an den Brückentagen stapeln. Sicherlich: Blaumacher gibt es in vielen Berufen. In der Pflege wirkt sich ihr Verhalten aber besonders negativ aus, denn hier kann die Arbeit nicht unerledigt einige Tage liegen bleiben, sie muss sofort kompensiert werden. So werden Kollegen aus den Frei gerufen, oder Zeitarbeiter eingesetzt (was für die Kollegen ebenfalls unangenehm ist, weil das Einarbeiten der Neuen zusätzlichen Aufwand bedeutet).

  • Bei Krankheitsausfällen sind es - so berichten fast alle Pflegedienstleitungen – immer wieder dieselben Kollegen, die aus dem Frei einspringen.

  • Diejenigen Kollegen, die sich kooperativ verhalten, beobachten, dass das kurzfristige krank „machen“ oder Blaumachen und die Weigerung (oder Zurückhaltung), für kranke Kollegen einzuspringen, keine Konsequenzen hat. Das frustriert: Sie haben eine vorbildliche Arbeitshaltung, merken aber, dass diese letztlich nicht wertgeschätzt wird, weil Kollegen mit schlechter Arbeitshaltung genauso behandelt werden wie sie selbst.

  • Die kooperativen Kollegen fühlen sich überfordert, auch merken sie, dass der Teamgeist leidet – der Aspekt also, der für ihre Arbeitszufriedenheit so wichtig ist wie kaum ein anderer.

„Das ist ja das Schlimme“, sagt Petra Schubert. „mehrfach kurzfristige Ausfälle der Gleichen, Blaumacher und Verweigerer beeinträchtigen den Teamgeist und das Gefühl von Wertschätzung enorm. Wenn die Stationsleitung dann nichts unternimmt, vergrätzt sie die Guten und Kooperativen. Eine geradezu tragische Entwicklung, die sich jetzt hier und da schon beobachten lässt.“

4 Gründe, warum Stationsleitungen so selten durchgreifen

Warum aber reagieren so viele Stationsleitungen nicht konsequenter und versuchen Kollegen mit schlechter Arbeitsmoral zu einer Verhaltensänderung zu bewegen?

  • Die meisten Stationsleitungen entstammen dem Team: Ihre Mitarbeiter sind ihre früheren Kollegen. Das erschwert den Rollenwechsel.

  • Die Pflege ist – ganz anders als die Ärzte – emotional geprägt. Die Bindungen im Team sind oft sehr eng, manchmal fast familiärer Natur – da fällt es mancher Stationsleitung schwer, sich einen langjährigen, in vieler Hinsicht sicherlich auch liebenswerten, aber leider faulen Mitarbeiter vorzuknöpfen.

  • Den Stationsleitungen fehlt die Zeit zu reflektieren. „Sehr viele sind ganz in den Dienstplan eingeteilt. Unter diesen Voraussetzungen kann eine Stationsleitung gar nicht den Fuß in die neue Rolle reinbekommen. Sie kann sich keinen Überblick verschaffen. Wenn sie fest eingeplant ist, hat sie immer den Druck, für den Patienten da zu sein. Andererseits bietet jenen Stationsleitungen, die keine Lust auf die Steuerung und Führung der Mitarbeiter haben, die Stationsroutine auch die Möglichkeit, sich vor ihren Führungsaufgaben weg zu ducken“, so Petra Schubert.

  • Es gibt für Stationsleitung noch nicht genügend Führungskräftetrainings, die auf die Themen Steuerung und konsequentes Handeln ausgerichtet sind – diese Inhalte sind aber aktuell fast die Wichtigsten.

Autorin: Kirsten Gaede

Illustratorin: Maren Melzer

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