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Mobilisation

Spitzfuß-Prophylaxe schützt vor Behinderung

Wird ein Patient bettlägerig, müssen Pflegekräfte ab Tag 1 alles tun, um einen Spitzfuß zu vermeiden. Denn diese Kontraktur ist nahezu irreversibel. 5 Tipps für die Prophylaxe

[Der Artikel erschien zuerst im Kammermagazin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz]

Längere Bettlägerigkeit, etwa nach einem Schlaganfall, zieht eine Reihe von Problemen nach sich. So kann sich etwa innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ein Spitzfuß entwickeln, die häufigste Kontraktur bei Bettlägerigkeit. Leider bleibt er im Anfangsstadium oft unbemerkt.

3 Faktoren, die Spitzfuß fördern

Allein der anhaltende Druck der Bettdecke, die Immobilität und eventuelle Lähmungen genügen, den Fuß in eine pathologische Streckung zu drücken. Dabei versteift sich das obere Sprunggelenk während sich gleichzeitig die Unterschenkelmuskulatur und die Achillessehne verkürzen.

Ein normales Gehen wird später so nicht mehr möglich sein: Der Patient kann den Fuß nicht mehr abrollen. Hinzu kommt: Die Gelenkversteifungen bedeuten auch immer Schmerzen für den Patienten!

Spitzfuß-Therapien wie OP sind extrem aufwendig     

Das Fatale: Eine Heilung ist oft gar nicht oder nur mit viel physiotherapeutischem Aufwand oder – als letzte Möglichkeit – einer aufwendigen Operation möglich. Umso mehr kommt es darauf an, Patienten mit längerfristiger Immobilität vorbeugend zu behandeln.

Die Ziele der Spitzfuß-Prophylaxe sind somit: Mobilität erhalten, Schmerzen vermeiden. Sowohl Physiotherapeuten als auch Pflegekräfte sind gefragt. Pflegekräfte können in der täglichen Versorgung viel dazu beitragen, diese Kontraktur zu vermeiden. Es kommt darauf an, so oft wie möglich, mobilisierende Maßnahmen in den Pflegealltag zu integrieren.

5 Tipps, um einem Spitzfuß vorzubeugen

  • Fördern Sie aktive Bewegungen, indem Sie jede mögliche Eigenbewegung fordern und fördern. Machen Sie mit dem Patienten oder der Bewohnerin Bewegungsübungen und Gymnastik – etwa Bewegen der Zehen und des Fußgelenks, Aufstellen der Beine, Anheben der Beine, zielgerichtetes Treten nach Gegenständen, Abrollen der Füße über Massagerollen et cetera.
  • Ermöglichen Sie das unterstützte Sitzen, bei dem die Patientin oder der Bewohner vorzugsweise auf einem Stuhl mit Lehne sitzt und die Füße mit der ganzen Fußsohle im 90Grad Winkel auf dem Boden stehen. Ermuntern Sie ihn auch hier zu Bewegungsübungen der Füße und Beine und unterstützen Sie ihn oder sie dabei.
  • Bewegen Sie den Patienten oder Bewohner passiv, nutzen Sie Lagerungshilfen wie Fußstützen oder Lagerungskissen, um die Füße im rechten Winkel zu den Unterschenkeln zu positionieren. Beachten Sie, dass auch hier die ganze Fußsohle aufliegt und der Auflagendruck gleichmäßig auf die weiche Lagerungshilfe verteilt ist.
  • Beim Waschen eines immobilen Patienten lohnt es sich, auf schonende Arbeitsabläufe und physiologische Bewegungsmuster zu achten. Ergänzen Sie diese Pflegehandlungen mit Spürerfahrungen, etwa mit Basaler Stimulation.
  • Bewegen Sie die Füße der Betroffenen passiv durch. Achten Sie dabei unbedingt auf die Grenzen der Beweglichkeit sowie auf Schmerzen des Bewohners. Bleiben Sie konsequent unter der Schmerzgrenze!

Die Verwendung von knöchelhohen Schuhen und/oder das Wickeln der Füße werden aus physiotherapeutischer und ärztlicher Sicht kontrovers diskutiert. Daher gibt es hier keine eindeutige Empfehlung dafür oder dagegen.

Autorin: Petra Heyde

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