Jobs für Pflegekräfte gibt es in Überfülle. Viele Arbeitgeber verzweifeln, weil sie ihre offenen Stellen nicht besetzt bekommen.       
Foto: Daniel Bergs
Jobs für Pflegekräfte gibt es in Überfülle. Viele Arbeitgeber verzweifeln, weil sie ihre offenen Stellen nicht besetzt bekommen.       

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Ein Jobwechsel ist für Pflegekräfte extrem leicht. Aber nicht immer ist es sinnvoll, der Verführung nachzugeben. Personalexpertinnen warnen vor überstürzter Kündigung      

Es gibt über alle Branchen hinweg immer mehr Mitarbeiter, die mit dem Gedanken spielen, den Job zu wechseln. Der Anteil derjenigen, die dort bleiben möchten, wo sie sind, nimmt dramatisch ab: Er beträgt 37 Prozent (August 2023). 2017 lag er bei 82 Prozent und 2021 immerhin noch bei 50 Prozent, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die die Unternehmensberatung Ernst & Young alle zwei Jahre unter 1.555 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern startet.      

Unter Pflegekräften sind es vermutlich noch weniger, die nicht mit dem Gedanken eines Jobwechsels spielen: Eine Leserbefragung von pflegen-online hat ergeben, dass nur 22 Prozent definitiv an ihrem Arbeitsplatz bleiben möchten. Rund 22 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer suchen gezielt nach einer neuen Stelle, gut die Hälfte hält immerhin die Augen offen.

Ein Jobwechsel kostet Kraft und Energie

Der Grund für die Wechselbereitschaft liegt auf der Hand: Es ist die gute Arbeitsmarktlage infolge des Fachkräftemangels. So nachteilig der Trend für Arbeitgeber ist – für Arbeitnehmer bringt ein Jobwechsel oft Vorteile mit sich: Erweiterung des Horizonts, Karrieresprünge, Gehaltssprünge, mehr Flexibilität, angenehmere Arbeitsatmosphäre und, und, und …

Jobportal pflegen-online.de empfiehlt:

Allerdings wechseln manche Pflegekräfte (oder besser: Arbeitnehmer ganz allgemein) auch schnell einmal, ohne die Vorteile konkret vor Augen zu haben – eben, weil der Jobwechsel so leicht ist. Doch einen  neuen Job zu beginnen, kostet viel Kraft und Energie. Es lohnt sich also, gut zu überlegen, ob ein Jobwechsel sinnvoll ist und tatsächlich Vorteile mit sich bringt – oder vielleicht sogar eher Nachteile. Andrea Köhn, Personalberaterin und Geschäftsführerin von Köhn & Kollegen in München, sowie Kara Pientka vom Inhesa-Institut für Business-Health-Coaching sagen, welche Gründe keine guten Gründe für einen Jobwechsel sind.   

1. Gutes Gehalt allein macht nicht glücklich

Andrea Köhn: Geld allein ist der falsche Grund für einen Jobwechsel. Für ein Plus von 200 Euro sollte niemand das Risiko eingehen, möglicherweise in einem schlechteren Arbeitsumfeld zu landen.

2. Pendeln – ein oft unterschätzter Wermutstropfen 

Andrea Köhn: Wenn der neue Job bedeutet, dass ich pendeln muss. Pendeln macht auf Dauer unzufrieden, weil es zu viel Lebenszeit kostet. Der Arbeitsweg sollte maximal eine halbe bis dreiviertel Stunde dauern.

3. Bei Trennung oder Scheidung keine weitere Baustelle öffnen  

Andrea Köhn: Es gibt häufig die Situation, dass Menschen, deren Beziehung gerade auseinandergeht, glauben, sie müssten jetzt auch noch den Job wechseln. In diesen Fällen rate ich dringend ab, diese zweite Baustelle aufzureißen, und sage den Kandidaten: Seid froh, dass wenigstens im Job Ruhe herrscht. Auch in anderen schweren Phasen sollte man eher abwarten. Aber gerade bei Scheidungen sehe ich oft diesen Impuls, dann gleich in allen Bereichen aufräumen und alles anders machen zu wollen.

4. Kurzfristige Frustration nicht überbewerten

Kara Pientka: Jeder Mensch hat Tage, an denen er nicht mit sich im Reinen ist. Nur weil Sie sich vorübergehend überfordert fühlen und mit Ihrer Leistung unzufrieden sind, müssen Sie nicht unbedingt wechseln. Beobachten Sie, welcher Zustand überwiegt und nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung. Es kann sein, dass Sie mit einem gezielten Coaching wieder ins Gleichgewicht kommen und mehr Freude an Ihrer Arbeit haben.

5. Bei gelegentlicher Kritik nicht gleich das Weite suchen

Kara Pientka: Es kann vorkommen, dass Ihre Vorgesetzten mit Ihren Leistungen nicht zufrieden sind und Sie deshalb kritisieren. Es kann auch sein, dass Sie dabei nicht immer sachlich bleiben und sich deshalb schlecht fühlen. Eine gelegentliche Kritik ist aber in der Regel kein Grund, den Arbeitsplatz zu wechseln. Vielleicht gibt es ja wirklich Lernfelder, die es wert sind, angegangen zu werden. Lernen, um sich beruflich weiterzuentwickeln, ist eine empfehlenswerte und lebenslange Grundhaltung.

6. Überschaubare Probleme mit Chef oder Kollegen nicht zu ernst nehmen

Kara Pientka: Führungskräfte sind oft selbst überfordert und reagieren unangemessen. Auch Kolleginnen und Kollegen können uns herausfordern. Aber niemand kann garantieren, dass man im nächsten Job nicht wieder mit herausfordernden Persönlichkeiten zu tun hat. Schließlich hat man selbst in der Regel auch nicht nur perfekte Seiten. Wenn die Probleme jedoch chronisch werden und ein produktives Arbeiten nicht mehr möglich ist, kann das gesundheitliche Folgen haben. In diesem Fall sollte man sich natürlich um einen Arbeitsplatzwechsel bemühen.

Autorin: kig

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