Manche Stationsleitung kann mit einem Gehaltsprung von 500 Euro rechnen. 
Foto: Jens Schünemann
Manche Stationsleitung kann mit einem Gehaltsprung von 500 Euro rechnen. 

Gehalt

So viel mehr verdienen Pflegekräfte 2024

In kommunalen Krankenhäuser und Pflegeheimen ziehen die Gehälter im Frühjahr kräftig an, ebenso der Mindestlohn. Das wirkt sich wegen des Tariftreuegesetzes auf die gesamte Gehaltsstruktur in der Pflege aus

Des einen Leid ist des anderen Freud: Die schlechte Nachricht verbreitete „Bild“ am Tag vor Heiligabend. „Weihnachts-Schande! Heim schmeißt 70 Senioren raus“ berichtete das Boulevard-Blatt von der Schließung eines Pflegeeinrichtung in Berlin. Nun müssen sich die Bewohnerinnen bis Ende Februar ein neues Heim suchen. Grund der Schließung: Das Heim lasse sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben, Inflation, Instandhaltung und die stark gestiegenen Gehälter würden die Einnahmen übersteigen.

Denn auch in diesem Jahr werden die Gehälter der Pflegekräfte stark steigen. Knapp 6 Prozent und in der Spitze bis zu 12 Prozent mehr wird es über das Jahr geben, und damit um rund 1 Prozent mehr als der Durchschnitt der Gehaltsentwicklung in Deutschland, so lautet die aktuelle Prognose der Kienbaum Unternehmensberatung. Da bleibt bei einer zu erwartenden Inflationsrate von 2,5 Prozent unterm Strich einiges übrig.

TVöD-Gehalt steigt häufig um 400 bis 500 Euro

Konkret bedeutet das für die Pflegekräfte, die unter den TVöD Pflege fallen, für die Monate Januar und Februar jeweils 220 Euro steuer- und abgabenfreie Inflationsprämie. Ab März steigen die Gehälter zunächst um einen Sockelbetrag von 200 Euro und anschließend um 5,5 Prozent. Wenn diese Erhöhung bei einer 100-Prozent-Stelle nicht 340 Euro erreicht, wird das alte Gehalt auf mindestens diesen Betrag abgehoben. Für die meisten bedeutet das sehr häufig ein Plus von insgesamt 400 bis gut 500 Euro.

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15,50 Euro Mindestlohn für ungelernte Pflegekräfte

Nachdem schon Anfang Dezember 2023 die Mindestlöhne zulegten, kommt im Mai eine weitere Erhöhung. Dann müssen Pflegehilfskräfte mit 15,50 Euro pro Stunde entlohnt werden, qualifizierte Pflegehilfskräfte mit mindestens einjähriger Ausbildung 16,50 Euro und Pflegefachkräfte mit 19,50 Euro. Der höhere Pflegemindestlohn bedeutet, dass auch die Durchschnittsgehälter nach dem Tariftreuegesetz steigen werden.

Zu den Gehaltserhöhungen kommen noch die von der Bundesregierung verabschiedeten Steuerentlastungen. Vor allem die Anhebung der Grund- und Kinderfreibeträge werden den Pflegekräften noch ein paar hundert Euro in die Taschen spülen. So bleiben einer unverheirateten Pflegekraft ohne Kinder mit 39.000 Euro Bruttogehalt 255 Euro mehr netto. Eine Familie mit zwei Kindern und einem Gesamtjahresverdienst von 50.000 Euro können mit 565 Euro mehr in der Haushaltskasse rechnen. Bei einer Familie mit zwei Kindern und 100.000 Euro Jahresverdienst steigt das Netto auf rund 1.100 Euro jährlich.

Energiekosten und Kassenbeiträge steigen

Dagegen rechnen muss man allerdings einige Abgaben, die steigen werden. So erhöht sich der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz in der gesetzlichen Krankenkasse von 1,6 auf 1,7 Prozent, genauso wie der Beitrag zur Pflegeversicherung. Und: Der CO2-Preis steigt, macht Energie, ob Heizen oder Autofahren, um einiges teurer. Bei Benzin sind dies pro Liter rund 4 Cent mehr.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat  ausgerechnet, dass für Gering- und Durchschnittsverdiener die Abgabe-Erhöhungen die Steuerentlastungen mehr als auffressen werden. Erst bei einem Bruttojahreseinkommen von rund 50.000 Euro bleibt von den Steuerermäßigungen noch was übrig. Alleinerziehende mit einem Kind machen erst bei einem Einkommen von 72.000 Euro ein Plus – 43 Euro genau. 

Ambulanter Dienst zahlt über 60 Prozent mehr fürs Leasing    

Auch wenn durch die Gehaltserhöhungen für Pflegekräfte mehr Geld in der Tasche bleibt: Die ambulanten Dienste und Pflegeheime setzt die Lohnentwicklung weiterhin unter finanziellen Druck. Das um fünf Prozent höhere Pflegegeld ab Januar wird kaum reichen, um die steigenden Kosten zu decken. Neben den Gehältern steigen auch andere Kosten, etwa für das Leasing der Autoflotte. „Bei uns laufen eine Reihe der Leasingverträge aus. Die alten Verträge lagen bei rund 300 Euro im Monat, die neuen werden um 500 Euro liegen“, sagt Peter Hausladen, Geschäftsführer des ambulanten Dienst AKA Monika Kirnich in Altötting. „Alles wir teurer, Software, Dienstprogramme, notwendige Updates. Und die Kassen sind nicht bereit, das gegen zu finanzieren.“

Diakonie: Fast 60 Prozent der ambulanten Dienste machen Verluste 

Wie kritisch die Situation ist, zeigt eine aktuelle Erhebung der Diakonie. Danach machen „fast zwei Drittel der ambulanten Pflegedienste finanzielle Verluste“ und etwa ein Drittel habe der Umfrage nach nur noch eine Liquiditätsreserve von maximal drei Monaten. Jeder zehnte Anbieter befürchtet daher in den kommenden beiden Jahren das Aus.

Um kostendeckend arbeiten zu können, erhöhen die ambulanten Dienste die Zuzahlungen für die Pflegebedürftigen. So berichtet der BR von Pflegediensten, die ihre Preise um 25 bis 40 Prozent erhöhen, um kostendeckend arbeiten zu können. Eine Umfrage des NDR bei Hamburger Pflegeheimbetreibern ergab, dass bis zu 20 Prozent Mehrkosten auf die Pflegebedürftigen zukommt.

Immer mehr Pflegebedürftige reduzieren Pflegeleistungen

Die Folgen sind vielfältig. Immer mehr Pflegebedürftige beantragen bei den Sozialämtern Hilfe zur Pflege oder verzichten auf Leistungen. So heißt es beim BIVA-Pflegeschutzbund das ambulant versorgte Pflegebedürftige „bestimmte Leistungen etwa nur noch alle zwei Tage in Anspruch nehmen.“

Besonders für kleinere ambulante Betreiber sieht daher Jonas Katthage, Branchenleitung Pflege bei der Steuerberatungsgesellschaft ETL Advision, die finanzielle Situation „sehr kritisch“. Denn die kleinen Dienste seien wirtschaftlich nicht so stark aufgestellt, um sich den massiv steigenden Kosten entgegenstemmen zu können. „Das sind normal geführte Unternehmen, die immer so weit geschaut haben, ob das Jahr rundläuft. Die müssen jetzt ihre ganzen Strukturen komplett ändern oder stehen vor der Insolvenz.“

Autor: Hans-Georg Sausse

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