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Sterben

So unterstützen Sie trauernde Angehörige

Der Umgang mit Trauernden gehört zum Pflegealltag dazu und fällt trotzdem nicht jeder Pflegekraft leicht. Oft aus Furcht, nicht die richtigen Worte zu finden. Doch um wohlformulierte Trauerbekundungen geht es gar nicht

In der Augusta-Schwesternschaft in Lüneburg ist es – wie in vielen Pflegeheimen – Tradition: Der Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, oder in katholischen Regionen an Allerheiligen. An diesen Novembertagen erinnern sich Angehörige, Bewohner sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit Texten, Liedern, Gebeten und Psalmen der Verstorbenen des zurückliegenden Jahres – egal, welcher Religion. Sogar die verstorbenen Familienangehörigen der Mitarbeiter werden gewürdigt. Jeder geliebte Mensch wird namentlich genannt und für ihn wird dabei ein Licht angezündet. Dieses wird auf einen Stern gestellt, der Namen und Todestag verewigt. Diesen Stern bekommen die Angehörigen in Lüneburg dann anschließend mit nach Hause.

„Empathie heißt auch, die Geschichte des Verstorbenen in den Blick zu nehmen“

Christine Krüger, Heimleitung in der DRK Augusta-Schwesternschaft Lüneburg, hat jüngst erst von ihrer eigenen Mutter Abschied nehmen müssen. Sie weiß, wie wichtig es ist, Trauer zuzulassen und sich zusammen mit anderen Trauernden zu erinnern und sich des gemeinsamen Weges mit dem Verstorbenen bewusst zu werden. „Empathie bedeutet für uns deshalb auch, die Lebensgeschichte des Verstorbenen, die mit einer Beziehungsgeschichte derer verknüpft ist, die geblieben sind, in den Blick zu nehmen und wertzuschätzen“, sagt Christine Krüger, die auch Diakonin ist. „Zugleich möchten wir mit Worten der Ermutigung und Zuversicht den Trauernden eine hoffnungsvolle Perspektive eröffnen.“

Eine Kerze soll den Verstorbenen sichtbar machen

Auch ein Gedenkbuch an einem würdevoll gestalteten Ort kann für Angehörige ein Zeichen der Wertschätzung sein. In der Regel werden die verstorbenen Menschen dort nochmals beim Namen genannt und sie bleiben für diejenigen, die noch da sind, sichtbar. Auch durch das Anzünden einer Kerze für jeden Verstorbenen, ist ein Ritual, das Hinterbliebene durch den Schmerz hindurch geleitet. Im katholischen Seniorenzentrum Mittelmosel der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper ist es Tradition – nicht grundsätzlich am Allerheiligentag, aber einmal im Jahr in der Messe. 

Birgit Mohr, Einrichtungsleitung im Seniorenzentrum Mittelmosel und Projektmanagerin der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper, führt ein katholisch geprägtes Haus: „Wir hier bei uns machen das nicht grundsätzlich am Allerheiligentag, wir gedenken aber einmal im Jahr unserer Verstorbenen in der Messe und zünden für jeden eine Kerze an“, erklärt Mohr.

Die Namen der Verstorbenen auf Mosaik-Fußabdrücken

Auch gibt es einen kleinen Ort des Gedenkens im Seniorenzentrum Mittelmosel: Neben einem imposanten 3D-Licht-Kreuz aus Plexiglas haben die Schüler der Kunstklasse der Integrierten Gesamtschule vor Ort auch Tafeln mit bunten Mosaik-Fußabdrücken gestaltet, die den Bereich charakteristisch ausmachen. „Stirbt ein Bewohner, wird sein Name für die anderen und die Hinterbliebenen offen sichtbar und jederzeit zugänglich auf einem der Füße verewigt. Unser Raum der Erinnerungen ist ein ganz besonderer Bereich in unserer Einrichtung geworden“, erklärt Birgit Mohr.

Das alles können Einrichtungen tun, um Angehörige zu unterstützen. Das Seniorenzentrum in Zell an der Mosel hat außerdem das Glück, dass es bei ihnen einen eigenen Theologen mit spezieller seelsorgerischer Ausbildung für die Bereiche Altenhilfe und Krankenhaus sowie eine eigene Ordensschwester im Ehrenamt gibt. Und auch in Lüneburg gibt es eine Diakonin, die immer vor Ort und in der Lage ist, auch kurzfristig Aussegnungen oder Gottesfeiern abzuhalten -genau wie in Zell. „Wir begleiten alle, die dies wünschen – unabhängig ihrer Konfession oder ethischen Herkunft“, berichten die beiden Einrichtungsleiterinnen. 

Was die einzelne Pflegekraft für Angehörige tun kann

Rituale, Seelsorger und Ordensschwestern helfen auch den Pflegekräften: Sie werden nicht allein damit gelassen, wenn es darum geht, den Angehörigen Trost zu spenden. Doch gibt es immer noch viele Momente, in denen Pflegekräfte den Angehörigen allein gegenüberstehen – helfen können dann diese Ratschläge:   

  • Bekunden Sie bei der ersten Begegnung mit den Hinterbliebenen Ihr Beileid. Akzeptieren Sie dabei unbedingt Ihre eigene Hilflosigkeit und vermeiden Sie Floskeln. Manchmal sind keine Worte auch „mehr“.
  • Bleiben Sie natürlich und authentisch und vermitteln Sie den Angehörigen und Freunden, dass Sie ein offenes Ohr haben, wenn das Bedürfnis zum Reden besteht. Lassen Sie sich immer wieder aufs Neue darauf ein, sich mit dem Leben und dem Sterben auseinanderzusetzen.
  • Reichen Sie Ihre Hand – ruhig auch immer wieder. Denn viele Trauernde sind nicht in der Lage, auf andere zuzugehen, auch wenn sie das möchten. Daher fragen Sie die Hinterbliebenen ruhig immer wieder, wie es geht. Selbstverständlich ohne aufdringlich zu werden.
  • Hören Sie zu und zeigen Sie Anteilnahme und Mitgefühl. Nichts wird in dem Moment die Trauer lindern. Zeigen Sie der trauernden Person, dass sie bei Ihnen ihren Gefühlen freien Lauf lassen kann. Und: Lassen Sie ihr dann auch die Zeit, die sie benötigt.
  • Nennen Sie die verstorbene Person – gerade in der Kommunikation mit den Angehörigen und Freunden – unbedingt beim Namen und ermuntern Sie die Angehörigen, den Verstorbenen direkt nach dem Tod noch einmal anzuschauen, um sich zu verabschieden und besser zu realisieren, dass der geliebte Mensch gestorben ist.

Autorin: Alexandra Heeser

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