Small Talk schafft Nähe, auch wenn es sich nicht um ein tiefgreifendes Gespräch handelt.  
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Small Talk schafft Nähe, auch wenn es sich nicht um ein tiefgreifendes Gespräch handelt.  

Kommunikation

Small Talk mit Patienten: Tipps für Schüchterne 

Programmierer, Metzger, Künstler – sie brauchen kein Small-Talk-Talent. Aber Pflegekräfte schon: In ihrem Arbeitsalltag gibt es Dutzende Situationen, in denen es ohne Small Talk nicht geht

Klar, man kann die Patientin auch schweigend in den OP fahren und dem Bewohner wortlos das Essen reichen, weil man sich Small Talk nicht zutraut oder Plaudereien für oberflächlich hält. Aber wie fühlen sich die Patientin und der Bewohner in der Situation? Ja, genau: noch isolierter, wenn nicht sogar abgelehnt, in jedem Fall nicht wirklich wahrgenommen. Das ist auch kein Wunder, weil die Betroffenen das Schweigen meistens gar nicht anders deuten können. Dass eine Pflegekraft schlicht zu schüchtern ist, steht ihr ja nicht auf der Stirn geschrieben.

Dieter J. Zittlau, Rhetorik- und Management-Trainer, der ein ganzes Buch über Small Talk geschrieben hat, rät Pflegekräften deshalb, kontinuierlich zu üben, aus sich herauszugehen und den ersten Schritt zu tun. „Auch wenn es noch so schwer fällt." Pflegekräfte unterschätzen oft, was für einen Vertrauensbonus sie sich verdienen können, wenn sie Pflegebedürftigen zugewandt und kommunikativ begegnen. Es spricht auch überhaupt nichts dagegen, sich an dieser Stelle Hilfe, entweder von erfahrenen Kollegen oder Kommunikationsprofis, zu holen. Oft braucht es nur winzige Schritte, um die relativ einfachen Kniffe des Small Talks zu erlernen. 

Small Talk | humboldt Verlag

Bei Begrüßungen, auf Partys, bei Geschäftsessen oder beim Chatten: In vielen privaten und beruflichen Situationen ist Small Talk unvermeidlich. Doch wie führe ich solche Gespräche, ohne oberflächlich zu wirken oder gar peinliche Pausen entstehen zu lassen? Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie ein charmanter und kluger Gesprächspartner werden. Denn: Small Talk lässt sich lernen!
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Den Small Talk beginnen: Reden Sie ruhig über sich selbst

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„Die meisten Menschen (und vor allem Pflegebedürftige) reden am liebsten über sich selbst oder über Themen des täglichen (persönlichen) Lebens. Der ultimative Türöffner für Pflegekräfte ist also, einfach das gleiche zu tun. Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn eine Schwester dem Patienten erzählt, was sie Kurioses auf dem Weg zur Arbeit erlebt hat oder ihn morgens mit den Worten begrüßt: „Ach, ich habe aber heute Nacht schlecht geschlafen“. sagt Dieter Zittlau. Zu 90 Prozent wird sich der Patient freuen, dass die Pflegerin ihm etwas Persönliches anvertraut und verstanden fühlen, weil er vielleicht selber schlecht geschlafen hat. Und schon ist der Small Talk im Gange.

Das Miteinander-Sprechen stärkt die Beziehung zwischen Pflegekräften und Pflegebedürftigen, schafft Vertrauen und vermittelt Bewohnern und Patienten ein Gefühl von Sicherheit. „Der Inhalt dabei ist nebensächlich, entscheidend ist die Handlung an sich und das dabei entstehende Gefühl der Nähe“, schreibt Zittlau in seinem Buch „Small Talk“. Patienten und Pflegebedürftige haben einen immens hohen Bedarf an Zuwendung und Ansprache, sie sind oft sehr einsam oder finden selbst schwer Worte. Umso mehr ist hier die Pflege gefragt.

 Mit Small Talk Informationen sammeln

Doch auch der Pflegekraft selbst entgeht viel, wenn sie sich aufs Schweigen verlegt. Denn Small Talk ist auch eine optimale Bezugsquelle für Pflegekräfte, um mit etwas Fingerspitzengefühl  etwas über den Patienten herauszufinden. „Bei neuen Patienten oder Heimbewohnern dient der Small Talk nicht zuletzt dem Zweck, Informationen zu sammeln und ihre Schützlinge schneller und besser kennen zu lernen“, meint der Kommunikationsexperte. Und zwar ohne die Pflegebedürftigen langwierig - vor allem über eventuell unangenehme Dinge  - befragen zu müssen. Hat der Patient oder die Bewohnerin einmal Vertrauen gefasst, wird er oder sie in einem persönlichen, kurzen Plausch viel eher sein Herz ausschütten als in einem offiziellen Gespräch. 

Small Talk für Introvertierte | humboldt Verlag

Vom Ringen um Worte zur entspannten Unterhaltung
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„Sicherlich ist Small Talk nicht der intellektuelle Höhepunkt menschlicher Kommunikation, aber möglicherweise erfüllt er eine Aufgabe, die ein ernsthaftes Gespräch mit wohlüberlegten Argumenten gar nicht erfüllen kann“, schreibt Zittlau. Small Talk sei damit perfekt geeignet für den Pflegesektor, weil hier ohnehin oft Zeit und Ruhe für tief gehende Gespräche fehlt. Eventuell lässt auch der Gesundheitszustand eines Patienten es gar nicht zu. Ein kurzer Plausch aber ist immer machbar.

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Small-Talk-Themen: Wetter, Urlaub, Enkelin-Besuch, Befindlichkeit 

„Viele Pflegekräfte legen die Latte allerdings viel zu hoch und denken viel zu kompliziert", meint Zittlau. Small Talk ist letztlich immer ziemlich bodenständig und einfach, frei nach dem Sprichwort „Das Gute liegt meist so nah.“ Das Wetter, der letzte Urlaub, der langersehnte Besuch der Enkelin oder die eigene Befindlichkeit – es gibt so viele Themen, die sich anbieten. Die Pflegekraft muss nur einen Anfang machen und wenn sie nicht gerade einen redseligen Patienten vor sich hat, beherzt in Vorleistung gehen.

Autorin: Nina Sickinger/kig

Hochschuldozent für Psychologie mit dem Schwerpunkt Kommunikation

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Dieter J. Zittlau, Rhetorik- und Management-Trainer, Hochschuldozent für Psychologie mit dem Schwerpunkt Kommunikation uns Autor des Buches „Small Talk“ (Schlütersche) 
Foto: privat
Dieter J. Zittlau, Rhetorik- und Management-Trainer, Hochschuldozent für Psychologie mit dem Schwerpunkt Kommunikation und Autor des Buches „Small Talk“ (Schlütersche) 

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