Altenpflege

Sexualassistenz – Vorteile und ethische Grenzen

Sexualbegleitung kann bei der Befriedigung sexueller Bedürfnisse in der Altenhilfe helfen. Damit wird aber an ethische Grenzen gestoßen. Ihnen gegenüber stehen deutliche Vorteile. Ein Dilemma.

Inhaltsverzeichnis

Ob Sexualbegleitung tatsächlich immer Bedürfnisse von Klienten so befriedigt, dass die Vor- die Nachteile überwiegen, scheint offen. Sexualbegleitung kann aber das Personal vor körperlichen Übergriffen schützen – und das ist doch legitim. Zudem wird – aus Sicht der Sexualbegleiterinnen und der Sexualbegleiter – ine neue bezahlte Profession geschaffen (Arbeitsplatzbeschaffungsargument), in der sie durchaus Reputation erlangen können.

Sexualität ohne bindende Gefühle

Das ethische Grundproblem jedoch scheint darin zu liegen, dass bei der Sexualbegleitung/Sexualassistenz sexuelle Handlungen an anderen vorgenommen werden, ohne dass eine Einbettung der Sexualität in liebende, bindende Gefühle vorliegt. Es werden sexuelle Bedürfnisse befriedigt; die voraussetzenden oder begleitenden Gefühle werden aber unberücksichtigt gelassen. Dort, wo diese jedoch auftauchen, werden sie ignoriert, verdrängt oder als sekundäre Folgeprobleme den „Kunden“, Angehörigen und Pflegenden überlassen. Es wird übersehen, dass Sexualität sowohl eine Selektions- als auch eine Bindungsfunktion hat – beide Funktionen werden über Gefühle stabilisiert. Die emotionale Bindung ist in diesem Fall aber unerwünscht.

Deshalb ermangelt Sexualbegleitung/Sexualassistenz des wichtigsten Kriteriums ethischer Legitimität: der Verallgemeinerbarkeit. Für die Sexualbegleitung/Sexualassistenz spricht, dass sie für den Bewohner zu einer gewissen Ausgeglichenheit führen kann. Gleichzeitig entfallen oder vermindern sich für das Personal die schwer akzeptablen Nebenfolgen der Hemmung der sexuellen, natürlichen Bedürfnisse. Die Bewohner werden zunächst einmal „umgänglicher“ oder „gefügiger“.

Weniger sexuelle Übergriffe

Die Pflegenden werden zudem entlastet, wenn so sexuelle Übergriffe auf sie selbst unterbleiben oder abnehmen. Daher ist die Sexualbegleitung der medikamentösen Triebunterdrückung vorzuziehen, denn sie widerspricht dem natürlichen Bedürfnis und überschreitet die ethische Grenze der unantastbaren Würde des Bewohners. Die ethische Dimension im Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität in der Altenhilfe birgt weiterhin eine nicht absehbare Tiefe in sich, also jene Dimension, in der die Frage nach dem sittlich Angemessenen oder gar moralisch Legitimen verhandelt und beantwortet wird. Dahingehend kann die Thematik „Selbstschutz für das Personal“ lediglich angedeutet werden.

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