#respectnurses

Schluss mit dummen Sprüchen: Wir haben die Macht!

Unter #respectnurses solidarisieren sich Pflegekräfte jetzt auch in Deutschland. Sie prangern Übergriffe an und fordern Respekt. Frau Sofa, Bloggerin und Altenpflegerin, hat den Aufschrei für uns kommentiert.

Inhaltsverzeichnis

Seit einigen Wochen ist der internationale Hashtag #respectnurses auch in den deutschsprachigen sozialen Medien aktiv, besonders auf Twitter. Die zahlreichen Erzählungen über verbale, sexuelle und/oder gewalttätige Übergriffe auf uns Pflegekräfte von Seiten der Pflegebedürftigen, Angehörigen, Berufskollegen und Ärzte sind teilweise mehr als schockierend. So schockierend, dass selbst die Medien über diese Berichte nicht hinwegsehen konnten und sie in den Nachrichten brachten (etwa: Brigitte, stern.de, Die Zeit, Focus).

Das Schlimmste: Einige Vorgesetzte und Kollegen dulden die Attacken

Viele Geschichten zeugen von einem echten Horror, von geduldeten verbalen Vergewaltigungen wie auch Aufforderungen zur Prostitution und – was noch schlimmer ist – von der Duldung dieser Geschehnisse durch Kollegen und Vorgesetzte. Sätze, wie „Das musst du schon aushalten, sonst bist du hier verkehrt.“ beweisen eine augenscheinliche Solidarisierung der Kollegen mit den Tätern. Auch, wenn deren Benehmen nicht nachvollziehbar ist: Es ist die logische Schlussfolgerung weitreichender, tief verwurzelter Ursachen, die zu einer Gleichgültigkeit und Schicksalsergebenheit geführt haben.

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Die Älteren fangen an, sich vor die Jüngeren zu stellen

Dann passierte etwas Eigenartiges. Während Unmengen von Geschichten publiziert wurden, begann eine Solidarisierung der Pflegekräfte, die von einigen Arbeitgebern unterstützt wird. Es zeigt sich auch, dass gerade die erfahrenen älteren Pflegekräfte sich vor die Betroffenen stellen müssen. Als personifizierte Grenze, die nicht überschritten werden darf. Die Betroffenen hatten erkannt: Sie sind nicht allein. Und manche „Ältere“ hatte begriffen, dass sie die jungen unerfahrenen Kollegen schützen kann, indem sie (oder auch er!!!) gegenüber dem Aggressor eine „klare Kante“ zeigt.

#respectnurses ähnlich wie #twitternwierueddel

#respectnurses ist zumindest hier im deutschsprachigen Raum die Fortführung des Hashtags (#) von #twitternwierueddel. Denn über die Beiträge in #respectnurses kam manches aus der Pflege ans Tageslicht, über das noch nicht gesprochen wurde. Bislang – das zeigt sich auch in den medialen Berichten und den politischen Aktionen – werden Pflegekräfte nur als dienendes Personal gesehen, dem es verboten ist, eigenständige Entscheidungen zum Wohle des Patienten oder Pflegebedürftigen zu treffen.

In der Serie Notruf Hafenkante sind wir zum Blumenvasen-holen da!

Und wie kann Pflege sich emanzipieren, wenn jeder Journalist, Redakteur oder Drehbuchautor sich befähigt fühlt, über Pflege zu schreiben, wenn er oder sie das Wort „Pflege“ nur richtig buchstabieren kann? Wie kann sich Pflege emanzipieren? Wenn in Fernsehserien ihre Verantwortung konterkariert wird? Wenn in „Notruf Hafenkante“ eine Ärztin zu einem Besucher mit Blumenstrauß auf der Suche nach einer Vase sagt: „Lassen Sie mal. Das können die Schwestern machen.“ Wenn Pflegekräfte in „Bettys Diagnose“ als dauerhaft Kaffee trinkende und über Liebeskummer schwadronierende Menschen dargestellt werden.

Medien unterscheiden nicht zwischen Examinierten und Pflegehelfern

Wie kann sich Pflege emanzipieren und #respectnurses erfolgreich hinter sich lassen, wenn öffentlich-rechtliche Sender oder große Tageszeitungen osteuropäische Frauen in hiesigen Haushalten als Pflegekräfte bezeichnen? Und Kritik daran indirekt als Rassismus bezeichnet wird? Wie kann sich Pflege emanzipieren, wenn nicht zwischen Laien- und Fachpflege differenziert wird?

Wir müssen einschreiten, uns loyal gegenüber Kollegen zeigen!

Pflegekräfte haben auch dank #respectnurses, erkannt, dass ihre Abwertung vielschichtiger Natur ist. Und dass es wichtig ist, sich zu solidarisieren. Beschwerden junger Pflegekräfte ernst zu nehmen und knallhart zu reagieren. Und zwar allein im Sinne der Kollegen, nicht im Sinne des Betreuten oder seiner Angehörigen. Auch dass es richtig ist, mehr oder weniger offensiv die Medien zu kritisieren und zu korrigieren.

Auch unsere Würde ist unantastbar

Was wir aus dem Ganzen lernen können? Wir Pflegekräfte sind eins. Ob als Krankenpflegekräfte (GuK) oder als Altenpflegekräfte (AP). Wir müssen uns selbst stärken und schützen. Gemeinsam! Gemeinsam als Team, als „Ältere“, als Beruf. Wir müssen begreifen, dass die Würde des Menschen nicht beim Betreuten endet, sondern auch für uns gilt.

Ohne uns geht das Gesundheitssystem den Bach runter

Pflege ist ein schöner Beruf, wenn die Rahmenbedingungen nebst Gehalt und Ansehen stimmen. Lasst uns dafür sorgen, dass der Beruf der Pflege nicht mehr Verrichtungsgehilfe ist. Denn Verrichtungsgehilfen werden nicht respektiert! Wir sind mehr! Und wir sind viele! Und wir haben die Macht! Ohne uns wird das Gesundheitssystem den Bach runtergehen. Das sollte allen, auch den Vertretern aus Politik und Wirtschaft, endlich bewusst sein. Wir wissen mehr als man uns zutraut. #respectnurses ist das Zeichen nach außen, das wir vor uns hertragen.

In diesem Sinne eure Frau Sofa

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