Burnout-Prophylaxe

Schlaflos, gereizt - wie wäre es mit einer Mutter-Kind-Kur?

Die ersten Müttergenesungswerke öffnen gerade wieder. Und: Es ist auch gar nicht so schwer, eine Mutter-Kind-Kur bewilligt und zu bekommen

Inhaltsverzeichnis

Erschöpft vom Lockdown, dem familiären Gewusel in der Wohnung, der Angst, sich bei der Arbeit in Klinik oder Heim mit dem Coronavirus zu infizieren? Dann stehen Ihre Chancen auf eine Mutter-Kind-Kur in einem Müttergenesungswerk gut. Immerhin kommt jede fünfte Mutter dafür infrage: Nach einer Studie des Familienministeriums aus dem Jahr 2007 erfüllen 20 Prozent aller Mütter die Voraussetzungen für eine Kur, tatsächlich gehen aber nur durchschnittlich 5 Prozent in Kur, darunter seit einige Jahren auch Väter mit einem Anteil von 3 Prozent an den fast 50.000 Elternteile, die 2018 eine Mutter-Kind-Kur in Anspruch genommen haben.

Die Auslastung der Kliniken ist seit Jahren sehr hoch, es gibt Wartezeiten, weil Plätze fehlen: Seit den Sechzigern ist die Zahl der Kliniken von 187 auf 73 (2018 gesunken). „Doch die Belastungen vor allem der Mütter steigen, wir rechnen nach Corona mit noch mehr Anträgen", heißt es beim Mütergenesungswerk.

Was ist das Besondere an der Mutter-Kind-Kur?

Die Mutter-Kind-Kuren sind speziell auf die multiplen Belastungen im Familienleben abgestimmt und verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Eine Kur in einer der Kliniken des Müttergenesungswerkes (MGW) umfasst immer medizinische Behandlungen, Bewegungs- und Entspannungstherapien und eine sozialpsychologische Therapie mit Gesprächen. Viele Eltern haben so erstmals die Möglichkeit, sich mit ihrer Rolle innerhalb der Familie auseinanderzusetzen.

„Mit unserem Ansatz, Krankheiten im sozialen Kontext und zudem geschlechtssensibel zu betrachten, haben wir seit 70 Jahren eine Vorreiterrolle“, erklärt Anne Schilling, Geschäftsführerin des MGW. Gleichzeitig geht es bei einer Mutter-Kind-/Vater-Kind-Kur auch um die Stärkung der Beziehung zwischen Elternteil und Kind, die in der Kur ohne alltägliche Verpflichtungen Zeit miteinander verbringen können. Alle Kliniken bieten zudem pädagogische Kinderbetreuung und einen schulbegleitenden Unterricht an. Ist das Kind behandlungsbedürftig, kann es auch eigene medizinische Anwendungen erhalten.

Wer kann eine Kur beantragen?

Eine Kur können Sie nicht erst dann beantragen, wenn Sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Auch dauernde Erschöpfung, Schlafstörungen, Gereiztheit, Rücken- oder Kopfschmerzen und Angstgefühle können eine Kur rechtfertigen. Wichtig ist, dass Ihre Beschwerden durch besondere Belastungen in der Familie entstanden sind und Ihr Arzt dieses durch ein Attest bestätigt.

Grundsätzlich hat jedes Elternteil alle vier Jahre Anspruch auf eine Kur, solange mindestens noch ein Kind jünger als 12 ist.

Ein Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob für Sie überhaupt eine Kur infrage kommt, machen Sie den Online-Kurtest auf der Website vom Müttergenesungswerk.

Wie beantragt man eine Kur?

Grundlage für den Kurantrag ist das Attest Ihres behandelnden Arztes. Ist Ihr Kind auch krank, benötigt es ein eigenes Attest. Vor dem Gang zum Arzt sollten Sie eine der rund 1.000 MGW-Beratungsstellen aufsuchen. Diese beraten kostenlos und individuell vor, während und nach der Kur. Sie helfen bei der Formulierung des Antrags und informieren über Ihr Wunsch- und Wahlrecht bei der Auswahl der Klinik.

„Es ist ganz wichtig, dass die Mütter und Väter den Antrag immer mit einem Klinikwunsch verbinden. Viele der 74 Kliniken haben sich spezialisiert beispielsweise auf Krankheiten oder Lebenssituationen wie an MS-erkrankte Mütter, Mütter in Trauersituationen oder auf Mütter mit Kindern mit Behinderung und man sollte vorab die geeignete Klinik auswählen“, MGW-Geschäftsführerin Anne Schilling.

Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Elf Prozent der Anträge von Müttern und siebzehn Prozent der Anträge von Vätern werden abgelehnt. Doch wenn Sie eine Ablehnung erhalten, sollten Sie nicht aufgeben, sondern sich erneut an Ihre Beratungsstelle wenden und Einspruch einlegen. „Zwei Drittel aller Widersprüche sind erfolgreich“, weiß Schilling.

Wann können Väter eine Kur beantragen?

Für Väter gelten grundsätzlich die gleichen Voraussetzungen wie für Mütter: Bei der Kur gibt es für Väter zwei Varianten: Eine reine Vater-Kind-Kur, bei der sich ausschließlich Väter und ihre Kinder in der Klinik befinden oder eine parallele Vater-Kind-Kur, bei der zugleich Mütter mit ihren Kindern in der Klinik sind. Die Väter haben ihre eigene Therapiegruppe, denn der Austausch mit anderen Vätern ist ein wichtiger Teil der Kur.

Was kostet eine Kur?

Seit der Gesundheitsreform im Jahr 2007 gehören Kuraufenthalte für Eltern zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. „Dafür hat das Müttergenesungswerk jahrzehntelang gekämpft“, berichtet Schilling. Unterkunft, Verpflegung und medizinische Maßnahmen in der dreiwöchigen Kur werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Allerdings fällt auch bei einer Eltern-Kind-Kur die gesetzlich festgelegte Zuzahlung in Höhe von zehn Euro pro Kalendertag an. Die Kinder sind von dieser Zuzahlung befreit, Eltern mit niedrigem Einkommen können teilweise befreit werden. „Viele Mütter haben Probleme, den Eigenanteil zu bezahlen und können sich auch kein Taschengeld leisten. Doch ein gemeinsames Eis oder ein Stück Kuchen mit anderen Patientinnen und Patienten sollte immer möglich sein. Daher unterstützt das MGW Bedürftige aus unserem Spendentopf – soweit möglich. Damit wir dies auch in Zukunft weiterführen können, sind wir auf regelmäßige Spenden angewiesen“, erläutert Schilling.

Die Geschichte des Müttergenesungswerks

Das Müttergenesungswerk feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum. Die gemeinnützige Stiftung und Spendenorganisation verfolgt das Ziel, die Gesundheit von Müttern und heute auch von Vätern und pflegenden Angehörigen zu erhalten. Das MGW ist damit weltweit die einzige Organisation, die sich mit Kurmaßnahmen für die Gesundheit von Eltern einsetzt.

Gegründet hat 1950 Elly Heuss-Knapp das Müttergenesungswerk als Stiftung oder genauer als Spendenorganisation. Denn Mütter hatten damals keinen rechtlichen Anspruch auf Kuren. 39 Jahre wurden die Kuren über Spenden- und Sammlungsgelder mit freiwilligen Zuschüssen der Krankenkassen finanziert und wenn möglich auch mit einem Beitrag der Mütter.

Erst 1989 ist es dem Müttergenesungswerk politisch gelungen, dass die Kuren in den Paragrafen 24 (Vorsorgekuren) und den Paragrafen 41 (Rehabilitationskuren) im SGB (Sozialgesetzbuch) V verankert werden konnten. Damit entstand ein Rechtsanspruch als Regelleistung, aber Krankenkassen durften qua Satzung selbst bestimmen, einen wie großen Anteil sie bezahlen. Als Ende der 90er-Jahre Krankenkassen anfingen, ihre Satzungen zu verändern und immer weniger zu bezahlen, gelang es dem Müttergensungswerk nach eigenen Aussagen „mit intensiver politischer Arbeit“, 2002 die gesetzliche Vollfinanzierung (abzüglich gesetzlicher Eigenanteil) durchzusetzen.

Unter dem Dach des MGW arbeiten die fünf Wohlfahrtsverbände Arbeiterwohlfahrt, Der Paritätische, Deutsches Rotes Kreuz, Evangelischer Fachverband für Frauengesundheit und Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung zusammen, die bundesweit rund 1.000 Beratungsstellen anbieten.

Im Jahr 2018 nahmen rund 48.000 Mütter an Mutter-Kind-Kuren teil, eine Vater-Kind-Kur gab es für 1.600 Väter. Damit liegt der Anteil der Väter bei über 3 Prozent - mit leicht steigender Tendenz.

Autorin: Dagmar Ziegner

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