Foto: everettovrk - stock.adobe.com

Burnout in der Pflege

Rücken? Erschöpft? Schon mal an eine Kur gedacht?

Viele Pflegekräfte sind reif für eine Kur oder Reha. Doch sie denken nicht daran, sie zu beantragen. Dabei muss man nicht schwerkrank sein und auch kaum dazu zahlen.

„Warum machst du eigentlich keine Kur, Anja?“, wurde sie von einer Kollegin gefragt. Das war der Auslöser. Die Krankenschwester Anja Mahler (Name geändert) ging zu ihrem Hausarzt, der einen Antrag einreichte. Nach nur knapp zwei Wochen hatte die Deutsche Rentenversicherung eine ambulante Rehabilitation genehmigt.

Man muss nicht schwer krank sein

Seit zwei Jahren hatte Anja Mahler immer mal wieder Rückenschmerzen. Zu der beruflichen Belastung als Pflegefachkraft für Anästhesie kam eine private hinzu: Ihr Mann erkrankte an Krebs, sie pflegte ihn bis zu seinem Tod. „Ich hatte einfach zu viel Druck und das Gefühl, es nicht mehr alleine hinzubekommen.“ Ihr Beispiel zeigt: Man muss nicht erst schwer krank werden, um eine Vorsorgekur oder Reha-Maßnahme zu beantragen.

So beantragen Sie erfolgreich eine Kur

Eine Kur beantragen ist nicht kompliziert. Wir erklären Ihnen in fünf Schritten, wie es geht - und was zu tun ist, wenn es heißt: Antrag abgelehnt.
Artikel lesen

Bei anhaltender Erschöpfung: Vorsorgekur

„Auf Kur gehen“ – das klingt altmodisch, ist aber nach wie vor im Sozialgesetzbuch verankert. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen einer Vorsorgekur und einer Rehabilitation. „Eine Vorsorgekur ist eine präventive Maßnahme und soll die Gesundheit erhalten“, erklärt Brigitte Goertz-Meissner, Präsidentin des Deutschen Heilbäderverbandes e.V. Sie rät jeder Pflegekraft, die sich anhaltend erschöpft fühlt, sich eine Kur verschreiben zu lassen, um Schlimmeres zu verhindern. Auch Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden, wie etwa Rheuma oder Asthma, können auf Kur fahren, um beispielsweise mit Hilfe von Thermalbädern oder Reizklima für eine ganze Weile ihre Beschwerden zu lindern.

Vorsorgekur: Die Kasse zahlt die Behandlung

In der Regel läuft eine Vorsorgekur ambulant ab: Das heißt in diesem Fall aber nicht, dass Sie zu Hause bleiben. Sie fahren in einen anerkannten Kurort, doch wohnen dort nicht in einer Klinik. Die Unterkunft suchen Sie sich selbst aus und zahlen dafür auch selbst. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Kurarzt und 90 Prozent der Kurmittel. Und können sogar noch einen Zuschuss von bis zu 16 Euro pro Tag gewähren.

Reha: Auch ohne vorhergehende OP möglich

Eine Rehabilitation ist als Nachsorge gedacht. „Nach einer akuten medizinischen Behandlung, etwa bei Schlaganfall, Herzinfarkt oder nach Einsatz einer Knieprothese, hat die Rehabilitation in einer Reha-Klinik zum Ziel, wieder auf die Beine zu kommen und bleibende Behinderungen möglichst zu vermeiden“, sagt Goertz-Meissner. Ein Aufenthalt in einem Krankenhaus muss einer Rehabilitation jedoch nicht unbedingt vorausgehen. Vielleicht stecken Sie gerade in einer sehr belastenden Lebensphase, wie Krankenschwester Anja Mahler.

Rentenversicherer zahlt Reha fast vollständig

Bei der Rehabilitation geht es darum, die Arbeitskraft wiederherzustellen und eine Frühverrentung zu vermeiden, deshalb zahlt bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Deutsche Rentenversicherung. Sie übernimmt die Kosten vollständig bis auf eine Eigenbeteiligung von 10 Euro pro Tag.

Ganz unkompliziert: Statt zur Arbeit morgens zur Reha radeln

Weil sie körperlich oder psychisch nicht so stark beeinträchtigt war, kam für Anja Mahler eine ambulante Rehabilitation in Frage. Täglich radelte sie in die Reha-Einrichtung an ihrem Wohnort, wo sie eine ganze Palette von Therapien erwartet hat: Physiotherapie, Massagen, Bewegungsbäder, funktionelles Rückentraining, Gymnastik, Entspannungsübungen, Vorträge und Einzelgespräche mit einer Psychologin. „Dieses Gesamtpaket hat mir gut getan“, berichtet die Anästhesie-Schwester. Die Schmerzen sind zurückgegangen, sie fühlt sich körperlich und psychisch wieder stabiler. Ihr war es lieber, dass sie während der Rehabilitation zu Hause bleiben konnte, auch weil sie ihren Sohn nicht alleine lassen wollte.

Anja Mahler macht jetzt Reha-Sport und Nordic-Walking

Eine Kur in einem der 350 staatlich anerkannten Heilbäder und Kurorte hat andere Vorteile: „Thermalwasser, Heilgase, Moor, Fango, Lehm, Kreide oder die gute Luft in den Bergen oder an der See – diese natürlichen, ortsgebundenen Heilmittel tragen mit zur Genesung bei“, betont Goertz-Meissner. Die Auszeit vom Alltag bietet auch die Chance, Veränderungen in Angriff zu nehmen, etwa sich anders zu ernähren oder mehr zu bewegen. Anja Mahler hat schon die ambulante Variante motiviert: „Ich gehe jetzt zweimal die Woche zum Rehasport, treffe mich mit einer Freundin zum Nordic Walking und habe mir einen Pezzi-Ball gekauft, um zu Hause meine Übungen zu machen.“

Autorin: Anke Nolte

Foto: everettovrk - stock.adobe.com

7 Übungen, die bei Pflegekräften besonders gut wirken

Es muss nicht gleich das Fitnessstudio sein. Mit kleinen Übungen während der Arbeit und den richtigen Tricks beim Heben können Sie eine Menge erreichen.
Artikel lesen

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
wadenwickel.jpeg

Corona-Pandemie

Warum die Grippe-Impfung gerade jetzt so wichtig ist 

Pflegekräfte haben ein hohes Infektionsrisiko. Hinzu kommt, dass die Gefahr eines schweren Verlaufs wegen der Corona-Pandemie größer als in den Jahren vor 2020 ist         

    • Corona, Pflege als Beruf
Aromapflege
Anzeige

Prophylaxen

So hilft Aromapflege bei komplexen Beschwerden – 10 häufige Fragen

Aromapflege ist mehr als „ein angenehmes Dufterlebnis". Sie setzt Expertise voraus, muss interprofessionell eingebunden sein. Ist das gegeben, können Pflegekräfte ihren Patient:innen mit verschiedenen Prophylaxen oft auf wunderbare Weise Linderung verschaffen

Sind Patienten bettlägerig, kann die Familie sie beispielsweise mit einer Aufnahme vertrauter Geräusche aus dem Garten anregen.

Deprivationsprophylaxe

Wenn Bewohner oder Patienten apathisch wirken – was tun?

Apathie, Depression, Passivität – sehr häufig liegt es daran, dass Reize, Ansprache und Anregung fehlen. 5 Tipps für die Deprivationsprophylaxe

    • Aktvierung und Betreuung, Kommunikation, Pflegebedürftiger, Pflege und Praxis, Aktivieren und Beschäftigen, Bewohner, Betreuung
Raus aus dem Trott – dafür brauchen Pflegekräfte kein finanzielles Polster:  Sie finden fast überall Arbeit, gerade in EU-Ländern wie Österreich ist es ganz unkompliziert.   

Beruf und Karriere

Arbeiten in Österreich: Tipps für Pflegekräfte     

Österreich lockt viele Pflegekräfte aus Deutschland; die Vorteile liegen auf der Hand: wunderschöne Landschaft, keine Probleme mit Sprache und Arbeitserlaubnis. Trotzdem gibt es ein paar Dinge zu beachten – 8 FAQs      

    • Pflege als Beruf, Fachkräftemangel