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Beruf und Karriere

Praxisanleiter: hoch begehrt, mäßig honoriert   

Weiterbildung Praxisanleitung: Welche Vorteile hat sie? Welche Voraussetzungen sollten Pflegekräfte mitbringen? Die wichtigsten Fakten im Überblick  

Es war immer ihr Herzenswunsch, ihr Wissen jüngeren Menschen weiterzugeben. 2013 erfüllte sich Maja Harwardt diesen Traum, als sie die Weiterbildung zur Praxisanleiterin machte. Damit nahm die gelernte Krankenschwester die erste Stufe ihrer Karriereleiter. Heute ist sie Ausbildungskoordinatorin bei der Caritas in Krefeld und Meerbusch, die unter anderem mehrere Altenheime und ambulante Dienste betreibt.

Als Praxisanleiterin betreute sie damals die Pflegeschüler, die gerade die Fachschulen abgeschlossen hatten. Heute sitzt sie auf der anderen Seite des Tisches. Sie sucht Praxisanleiter für die jungen Menschen, die im Rahmen  ihrer Ausbildung von den Pflegefachschulen in die Altenheime und ambulanten Dienste kommen.

Seit 2020 werden viel mehr Praxisanleiter gebraucht

Die Nachfrage nach Praxisanleitern ist gestiegen, seitdem am 1. Januar 2020 die neue generalistische Pflegeausbildung gestartet ist. Bei dieser sind die bisher getrennten Berufe Altenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Krankenpfleger zu einer Ausbildung zusammengefasst. So sind die Auszubildenden auf alle Aufgaben des Pflegealltags vorbereitet und schließen nach drei Jahren als Pflegefachleute die Ausbildung ab. Die Ausbildung findet sowohl an der Schule als auch in den verschiedenen Einrichtungen statt. Die Auszubildenden müssen Pflichtstunden in der Praxis leisten: je 400 Stunden in der Akutpflege, stationären Langzeitpflege und ambulanten Pflege sowie zwischen 60 und 120 Stunden in der Pädiatrie. Zehn Prozent dieser Zeit stehen ihnen Praxisanleiter zur Seite.

Mangel an Praxisanleitern besonders in der ambulanten Pflege

„Die Bedarfe bei den Trägern sind unterschiedlich hoch“, weiß Ulrike Döring, Vorsitzende des Evangelischen Fach- und Berufsverbands für Pflege und Gesundheit. Träger, die schon vor der Reform der Pflegeausbildung eine hohe Ausbildungsaffinität hatten, hätten in der Regel genügend Praxisanleitungen. In der ambulanten Pflege hingegen sei der Bedarf sehr groß.

„Ich suche dringend Pflegefachkräfte, die diese Weiterbildung machen möchten, oder Praxisanleiter, die den Beruf genauso gerne ausüben wie ich es selbst einmal tat“, wünscht sich Maja Harwardt. Das Interesse der examinierten Pflegekräfte, die Weiterbildung zur Praxisanleitung zu machen, sei jedoch nicht groß genug, um den derzeitigen Bedarf zu decken. Die Gründe kann sie nur erahnen: Vielleicht liegt es daran, dass die Weiterbildung ein Jahr lang berufsbegleitend läuft – und die Pflegefachkräfte in ihrem Berufsalltag sowieso schon stark gefordert sind? Oder ist noch zu wenig bekannt, wie abwechslungsreich die Tätigkeit der Praxisanleiter ist? Hat sich nicht herumgesprochen, dass Praxisanleiter eine höhere Besoldung oder einen Bonus erhalten?

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Gehalt: Wovon Zuschläge und Eingruppierungen abhängen

Um Pflegefachkräfte für eine Tätigkeit als Praxisanleiter zu gewinnen, setzen die Träger der praktischen Ausbildung häufig finanzielle Anreize. In vielen Fällen geschehe dies über eine tariflich vorgesehene Höhergruppierung oder über Funktionszulagen, so das Pflegenetzwerk Deutschland, eine Initiative des Bundesgesundheitsministeriums. Verdi habe in den letzten Jahren die Honorierung von Praxisanleitern in Tarifverhandlungen zum Thema gemacht. In den großen Flächentarifverträgen TVöD und TV-L gibt es Vereinbarungen über eine höhere Eingruppierung oder eine Zulage für Praxisanleiter. Wirkliche Gehaltssprünge sind aber – wie bei den meisten Weiterbildungen – selten, sie hängen auch davon ab, wie  groß der Anteil der Arbeitszeit ist, den die weitergebildete Pflegekraft mit der Praxisanleitung verbringt.

„Die Höhe der Vergütung richtet sich auch nach dem Grad der Verantwortung, der Größe der Einrichtung und für wie viele Auszubildende die Praxisanleitung Verantwortung übernimmt“, erklärt Ulrike Döring. „Die Regelung ist trägerabhängig.“ Sie empfiehlt den Praxisanleitern, den Zuschlag für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit gegebenenfalls auch einzufordern.

Hier einige Gehaltsbeispiele:

  • Laut Verdi zahlen die Universitätskliniken in Baden-Württemberg eine Zulage von bis zu 300 Euro bei 19,5 Stunden Praxisanleitung. Im TV-L sind es knapp 80 Euro Zulage und im TVöD über Höhergruppierung 60 Euro bis zu 100 Euro je nach Entgeltstufe in der P8 TVöD.
  • Im Berliner Vivantes Klinikum erhalten Praxisanleiter auf Stationen in Pflegebereichen ihr Gehalt nach der Entgeltgruppe P8 TVöD sowie eine Zulage von 150 Euro. Auf spezifischen Stationen wie der Intensivstation oder der Psychiatrie, die höher eingruppiert sind, sind es ebenfalls 150 Euro Zulage. Freigestellte Praxisanleiter in den Pflegebereichen erhalten ihr Gehalt nach der Entgeltgruppe P9c TVöD.
  • Laut Caritas-Dienstgeber gibt es in den Häusern der Caritas (sie zahlen Entgelte nach AVR, die dem TVöD recht ähnlich sind) eine Zulage von 160 Euro monatlich, sofern die Praxisanleitung den größten Teil der Arbeitszeit ausmacht.    
  • Die Caritas in Krefeld und Meerbusch honoriert Praxisanleitungen mit Pflegeaufgaben mit einer einmaligen jährlichen Sonderzahlung.

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Praxisanleiter sind für Auszubildende oft wie Mentoren

Vieles spricht dafür, die Weiterbildung zu machen. Zum Beispiel kann man sich innerhalb des Berufes ein neues Aufgabengebiet erschließen und eine bedeutende Funktion in der Ausbildung der Auszubildenden zu übernehmen. „Ich fand es inspirierend, junge Menschen bis zur Prüfung zu begleiten und ihnen sowohl fachliches Wissen wie auch meine persönlichen Erfahrungen weiterzugeben“, erzählt Maja Harwardt.

Die Praxisanleiterin versteht sich als Mentorin der Auszubildenden. Sie führt sie an ihrem neuen Arbeitsplatz ein und betreut sie während ihrer gesamten Ausbildung. Gerade in schulischen Ausbildungsberufen wie dem zur „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ ist es wichtig, dass der Lernort Praxis professionell angeleitet wird. Hier lernen die jungen Leute von den erfahrenen Kräften. „So springen die jungen Leute bei ihren praktischen Einsätzen nicht ins kalte Wasser “, sagt Maja Harwardt.

3 Eigenschaften, die Pflegekräften die Weiterbildung erleichtern  

Sie empfiehlt allen Pflegefachkräften, die ihren Beruf abwechslungsreicher gestalten möchten, die Weiterbildung zu machen. Es hilft, wenn die künftigen Fachkräfte

  • kommunikativ sind
  • soziale und pädagogische Kompetenzen haben
  • über ein fundiertes Fachwissen verfügen, das sie gerne teilen möchten

Praxisanleitung ist keine Einbahnstraße: Wer mit jungen Menschen arbeitet, profitiert auch von dem Wissen, das sie von den Schulen mitbringen. „Sie bringen frischen Wind mit in die Praxis“, erzählt Maja Harwardt. Anleitende Pflegefachkräfte seien dadurch immer über aktuelle Leitlinien und neue Pflegestandards informiert. „Diese Chance der indirekten Weiterbildung sollten Pflegefachkräfte für sich nutzen.“

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Die 6 wichtigsten Fakten über die WB Praxisanleitung

  • Die Weiterbildung zur Praxisanleitung können ausgebildete Pflegefachkräfte machen, die mindestens zwei Jahre Berufserfahrung hat.
  • Die berufsbegleitende Weiterbildung dauert ein Jahr und umfasst 300 Stunden Theorie. Sie kann auch in Vollzeit absolviert werden.
  • Die Weiterbildung wird auf die Arbeitszeit angerechnet.
  • Die Kosten übernimmt in der Regel der Arbeitgeber.
  • Praxisanleiter müssen jährlich 24 Stunden Fortbildung nachweisen.
  • Laut Tarifvertrag steht Praxisanleitern ein höheres Entgelt zu, gestaffelt nach dem Grad der Freistellung.

8 Fähigkeiten, die die Weiterbildung Praxisanleitung vermittelt

  • Gespräche mit Auszubildenden kompetent führen
  • Lern- und Anleitungssituationen planen
  • Wissen auf strukturierte und anschauliche Art vermitteln  (didaktische Kompetenz)
  • Eine pädagogische Grundhaltung entwickeln
  • Methodentraining
  • Heikle Situationen meistern
  • Qualitätsmanagement
  • Ausbildungsdokumentationen schreiben

Hier finden Sie einige Anbieter der Weiterbildung Praxisanleitung:

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