Pflege und Politik

Politik ignoriert über 13.000 Pflegedienste

Im Pflege-Sofortprogramm von Jens Spahn spielen nur Krankenhäuser und Pflegeheime eine Rolle. Ein großer Fehler, meint Schlütersche Autor Birger Schlürmann.

Inhaltsverzeichnis

Völlig abgekoppelt von dem Pflege-Sofortprogramm ist die ambulante Pflege. Dies ist unerklärlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass immer mehr Pflegedienste keine neuen Patienten mehr aufnehmen, sich verkleinern oder gar ihre Versorgungsverträge zurückgeben. Allein in Niedersachsen spricht man davon, dass acht Patienten pro Pflegedienst nicht mehr versorgt werden, weil einfach das Personal fehlt. Dabei lautet der Grundsatz doch seit über 20 Jahren „ambulant vor stationär“. Dieser Grundsatz wird aber ad absurdum geführt, wenn man lediglich im Krankenhausbereich und in der stationären Altenpflege marginal Stellen aufbaut. Die mittelfristig auflaufenden Mehrkosten für das gesamte System, wenn die ambulante Pflege ausblutet, wird die heutige Politikergeneration zwar zu verantworten haben – zur Verantwortung aber wird sie niemals gezogen werden.

Und in der stationären Altenpflege gibt es nur einen Tropfen auf den heißen Stein: Ob es nun 8.000 Stellen oder 13.000 Stellen für die Altenpflege sind - es bleibt dabei: Es gibt derzeit 13.000 stationäre Einrichtungen. Somit gibt es pro Einrichtung eine Brutto-Vollzeitstelle, was in Netto-Arbeitszeit heruntergerechnet noch etwa 17 Dienste im Monat entspricht. Eine Einrichtung mit 3 Wohnbereichen hat somit für Früh-, Spät- und Nachtdienst circa 6 Dienste im Monat mehr zu vergeben. Jeder Praktiker weiß, dass eine Krankmeldung über 6 Tage diesen ohnehin nur marginalen Effekt wieder pulverisiert.

"Hier wird wertvolle Pflege kaputt geschrieben"

Der aktuelle MDK-Qualitätsbericht treibt auch unsere Autoren um. Nach Jutta König äußert sich jetzt Birger Schlürmann (Foto unten), unser Experte für die ambulante Pflege.
Artikel lesen >

Spahn verstrickt sich in Widersprüche

Nun sollte man Jens Spahn seine 100 Tage Schonfrist zugestehen. Doch spätestens am 101. Tag seiner Amtszeit sollte er sich Gedanken machen, ob sein Ziel „Vertrauen in die Politik zurückzuholen“ mit dieser Symbolpolitik erreichbar ist. Zudem ist die Finanzierungsfrage völlig offen, Spahn verstrickt sich in Widersprüche: Einerseits sollen die Krankenkassenbeiträge sinken, andererseits die neu zu schaffenden Stellen über die Kassen finanziert werden.

Angela Merkel muss Pflege zur Chefsache machen

Es wird Zeit, dass die Kanzlerin aus ihrem Tiefschlaf erwacht und die Pflege zur Chefsache erklärt. Nur so kann die Politik Vertrauen zurückgewinnen. Es muss der unbedingte Wille erkennbar sein, den Pflegenotstand aufgrund des Personalmangels abzuwenden. Hier liefert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) eine realistische Zahl: Dem DBfK zufolge fehlen mindestsens 100.000 Stellen im System. Das ist die Messlatte, an der Spahn und seine Kabinettskollegen zu messen sind!

Über Birger Schlürmann

Birger Schlürmann blickt auf 25 Jahre Erfahrung in der ambulanten und stationären Pflege zurück. Seit 17 Jahren ist er beratend tätig – unterbrochen von einem Ausflug in das operative Geschäft. Seit zehn Jahren ist er außerdem Chefredakteur beim Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG und betreut dort den Fachinformationsdienst "Wirtschaftlich erfolgreich im Pflegedienst". Bei der Schlüterschen Verlagsgesellschaft ist von ihm 2015 das Buch „Wachstumsmarkt Ambulante Pflege“ erschienen.

Autor: Birger Schlürmann (Foto unten)

Foto: v.l.n.r.:Kath. Hochschule Freiburg/APS/Kath. Hoschule Mainz

1. Welttag der Patientensicherheit

Im Namen der Patienten: Pflege braucht Hierarchien!

Pflegehelfer verteilen Medikamente und wechseln Verbände. Das kommt immer wieder vor. Weil manch Examinierte Angst haben, als arrogant zu gelten, wenn sie es untersagen

Foto: Damir Bosnjak (Unsplash)

Vorlesen im Heim

Bewohner haben keine Lust mehr auf Besinnliches ...

... sie wollen endlich lachen - Heilpädagogin Susann Winkler muss es wissen: Die Autorin von „Bitte 3 x täglich lachen“ hat jahrelang in Pflegeheimen in Großbritannien, Kroatien und Österreich gearbeitet

Foto: hydebrink - stock.adobe.com

1. Welttag der Patientensicherheit

Nachts Medikamente stellen? Besser nicht!

Der Umgang mit Medikamenten in den meisten deutschen Kliniken und Pflegeheimen lax organisiert. Der 1. Welttag der Patientensicherheit ist eine gute Gelegenheit dies zu ändern. Wie's klappen könnte, erklärt Medizinrechtler Tobias Weimer im Interview

Foto: ©mizina - stock.adobe.com

Creme, Shampoo & C0.

Pflege ohne Mikroplastik - das geht!

Umweltschutz ist auch in der Kranken- und Altenpflege ein Thema. Wenn es um Cremes, Shampoos & Co. geht zum Beispiel: Da können wir wunderbar Einfluss nehmen

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.