Deutscher Pflegetag 2018

Pflegende politisieren – „Wer, wenn nicht wir?“

Pflege macht Politik - sich wirksam einmischen ist eine Forderung beim Deutschen Pflegetag in Berlin. Referentin Mechthild Rawert meint, Pflegende sollten sich politisieren!

Die Zukunft der Pflege hängt sowohl von zahlreichen gesellschaftlichen als auch branchenspezifischen Entscheidungen ab. Entscheidende Hebel sind unter anderem die Erhöhung der Berufsverweildauer und die Gewinnung neuer Personalressourcen.

Berufspolitische Reformen sind notwendig

Die Gleichstellung der personenorientierten SAHGE-Berufe (Soziale Arbeit, haushaltsnahe Dienstleistungen, Gesundheit, Pflege, Erziehung), in denen zu 80 Prozent Frauen tätig sind, mit den „Männerberufen“ ist noch längst nicht erreicht. Vielmehr ist das Image dieser „Frauenberufe“ häufig unattraktiv, es fehlt an ihrer Ausgestaltung als Profession und als „Lebensberuf“, der das Einkommen sichert. Notwendig sind sowohl berufspolitische Reformen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung, gleichstellungorientierte und alter(n)sgerechte Personalplanungen, flexible Arbeitszeiten, ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld sowie eine verlässliche Infrastruktur für die Sorgearbeit.

Neue Generation mit neuen Bedürfnissen

Hinzu kommt der demographische Wandel. Er vollzieht sich generationsübergreifend. Die heute 15- bis 30-Jährigen der Generation Y rollen ihre Lebenspläne von den persönlichen Bedürfnissen her auf. Arbeitsplatzsicherheit steht an erster Stelle der Erwartungen an die Berufstätigkeit, fast gleichauf aber ideelle Aspekte wie eine sinnstiftende Tätigkeit und eine funktionierende work-life-balance. Politik, Arbeitgeber und Gesellschaft reagieren auf die Wünsche insbesondere der jungen Frauen nach einer Vereinbarkeit von „Kinder, Küche, Kirche, Kommune“ sowie Karriere gleichermaßen noch nicht zufriedenstellend. Für die Branche Pflege ist dies aber überlebenswichtig.

Mehr Mitspracherecht einfordern

Pflege ist kein Hilfsberuf sondern ein Heilberuf und als solcher ein unerlässlicher Garant für eine effiziente und qualitätsvolle Gesundheitsversorgung. In der Pflege Tätige können und müssen mehr Selbstbewusstsein entwickeln und mehr Mitsprache- und Mitwirkungsrechte auf allen Handlungsebenen einfordern, unter anderem an den verschiedenen Einsatzorten der Pflege, bei der interdisziplinären Kooperationsgestaltung der Gesundheitsberufe, in den Selbstverwaltungsstrukturen und auch in der Gesetzgebung, wenn Pflege-Settings oder Forderungen Berufsfremder am eigenständigen Selbst- und Berufsverständnis der professionell Pflegenden vorbei zielen und/oder wenn das Wohl der Patienten und Pflegebedürftigen auf dem Spiel steht.

„Pflege ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann.“

Damit dieses so bleibt beziehungsweise wieder so wird, müssen sich mehr als die heutigen rund zehn Prozent der in der Pflege Tätigen in Berufsverbänden, Pflegekammern, Gewerkschaften und/oder Initiativen organisieren. Auch für die Durchsetzung berufspolitischer Ziele – unter anderem die generalistische und die akademische Pflegeausbildung, eine höhere vertikale und horizontale Durchlässigkeit, eine stärkere Tarifbindung, die internationale Anschlussfähigkeit und auch bei Mindest-Personalschlüsseln - gilt die Maxime: „Nur gemeinsam sind wir stark!“.

Mechthild Rawert (SPD, ehem. Bundestagsabgeordnete) ist Referentin beim Deutschen Pflegetag. Am Freitag, 16. März 2018, heißt ihr Thema: "Pflegende politisieren! (Lobbyismus, Strategieforschung)". Melden sie sich jetzt für den Deutschen Pflegetag an.

Autor: Mechthild Rawert/kw

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