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Handekzeme

Pflegekräfte brauchen Händedesinfektion ohne Alkohol! 

Desinfektionsmittel auf Chlor-Basis sind viel hautverträglicher, sagt Andreas Malkowski. Warum Kliniken und Heimen sie trotzdem nicht verwenden, und wie sich die Situation verbessern lässt, erklärt der Krankenpfleger und Gesundheitsökonom im Interview       

pflegen-online: Herr Dr. Malkowski, seit Jahren hören wir, dass die Händedesinfektion hautschonender ist als Waschen mit Wasser und Seife. Warum sehen Sie die Händedesinfektion trotzdem so kritisch?

Andreas Malkowski: Ich sehe die Händedesinfektion mit alkoholbasierten Substanzen kritisch. Das Problem bei ihnen: Sie wirken nicht nur viruzid und antibakteriell, sie wirken unter anderem auch fungizid. Aber warum sollte sich ein Händedesinfektionsmittel gegen das gesamte Spektrum an Keimen richten? Das ist gar nicht nötig. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Trotzdem werden alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel in geschätzt 99 Prozent aller Kliniken und Pflegeheime verwendet und beeinträchtigen dort die Hautflora der Pflegekräfte: Der Säureschutzmantel ihrer Haut wird während der Händedesinfektion zerstört, der Hautfettmantel aufgelöst.

Nun enthalten die meisten alkoholhaltigen Händedesinfektionsmittel rückfettende Substanzen. Bewahren diese die Haut nicht vor dem Austrocknen?

Rückfettende Substanzen nutzen schon etwas, aber sie reparieren ein Übel, das nicht sein müsste: Erst werden die Hautfette durch den Alkohol gelöst und hinterher wird der Haut wieder ein Fett zugeführt, um den Schaden zu begrenzen.

Hinzu kommt: Die gelösten Fette auf der Haut sind ein idealer Nährboden für Keime. Keime lieben Fette. Das bedeutet: Wenn ich die Einwirkzeit nicht beachte – was ja wirklich häufig vorkommt – und gleich weiterarbeite, haben es die Keime, mit denen ich in Berührung komme, leicht, meine Haut anzugreifen: Der schützende Fettmantel ist noch nicht wiederhergestellt, weil die rückfettenden Substanzen noch nicht vollständig aufgenommen sind. So kann es auch leicht passieren, dass die Proteinhüllen der gelösten Keime, etwa von Spikeproteinen, noch an meiner Haut kleben und ich sie weiterverteile.

Streng genommen müsste ich nach der Desinfektion mit alkoholbasierten Substanzen meine Hände waschen, so wie ich es auch mache, wenn ich etwa einen Patienten nach dem Stuhlgang beim Reinigen helfe.     

Bedeutet das auch, dass ich mir eigentlich die Hände nicht eincremen darf, wenn ich danach gleich weiterarbeite?

Ganz genau. Wer mit fettigen, frisch gecremten Händen arbeitet, zieht Keime an, die ihn selbst und seine Patienten oder Bewohner gefährden. Am besten cremt man die Hände vor der Pause und nach Dienstschluss ein.

Was ist die Alternative zu alkoholhaltigen Händedesinfektionsmitteln? 

Empfehlenswert sind Händedesinfektionsmittel auf Basis von Benzol oder Chlor, die dann oft noch mit Natrium oder Alkyl vermischt sind. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Hautfettmantel nicht lösen. Man hat also nicht das Problem der Rückfettung, wenn man mit ihnen arbeitet.

Chlorhaltige Händedesinfektionsmittel sind – wie auch das Robert Koch-Institut bestätigt –, genauso antibakteriell und viruzid wie alkoholbasierte, ihre Einwirkzeit beträgt ebenfalls 30 Sekunden. Sie sind auch für die Oberflächendesinfektion zugelassen und haben den Vorteil, dass sie hier keine brandgefährdenden Dämpfe verursachen. Wir alle kennen die Chlor Desinfektion übrigens aus dem Schwimmbad ...

Die meisten empfinden gechlortes Wasser aber als unangenehm …

Das liegt daran, dass es die Schleimhäute angreift, weshalb wir im Schwimmbad leicht rote Augen bekommen. Aber die Haut greift das Chlorwasser nicht an.

Wenn die Vorteile von chlorhaltigem Desinfektionsmittel so klar auf der Hand liegen: Warum hat es nicht längst Einzug in Kliniken und Heime gehalten?         

Chlorhaltiges Desinfektionsmittel ist viel teurer als alkoholbasiertes. Es kostet 3 bis 5 Euro pro 100 Milliliter, die alkoholbasierten Desinfektionsmittel dagegen nur 20 bis 50 Cent. Allerdings könnte jedes Krankenhaus chlorbasiertes Desinfektionsmittel in großen Mengen selbst herstellen. Die Kosten betragen dann nur noch ein Zehntel. Dass es im Einkauf so viel mehr kostet, liegt schlicht daran, dass es in sehr viel geringeren Mengen von kleinen und mittelgroßen Unternehmen produziert wird.

Chlorgas ist im Einkauf aber sehr günstig – anderenfalls würden es Schwimmbäder nicht so großzügig einsetzen. Natürlich ist Chlor als Gas hochgiftig, wenn es freigesetzt wird, aber eine Krankenhausapotheke weiß man damit umzugehen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat kürzlich sogar Standards veröffentlicht, damit Apotheken eigenes Desinfektionsmittel sicher zubereiten können. Ich kann ambulanten Diensten und Pflegeheimen nur raten, Rücksprache mit Apotheken zu halten. Die Langzeitfolgen durch dermatologisch bedingte Erkrankungen und damit verbundenen Fehlzeiten, bis hin zur Berufsabwendung, dürften gegenüber dem Kostenargument in keinem Verhältnis stehen.

Wie kommt es, dass Krankenhäuser und Heime an alkoholbasiertem Händedesinfektionsmittel festhalten?   

Das hat meiner Meinung nach mit der mangelnden Wertschätzung der Mitarbeiter zu tun. Andererseits lassen die Pflegekräfte es sich auch gefallen. Warum fordern sie nicht besseres Desinfektionsmittel? Dass Veränderungen für die eigene Berufsgruppe von den meisten nicht wirklich gewollt sind, merkt man doch schon an der Abwahl der Pflegekammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Wie gering das Interesse ist, für die Gesundheit der Mitarbeiter etwas zu investieren, merkt man doch schon daran, dass in der Fleischindustrie inzwischen sogar eine Händedesinfektion mit UV-Strahlen üblich ist. Das ist eine noch bessere Methode als die Händedesinfektion mit chlorhaltigen Substanzen. Die wäre eigentlich auch für Krankenhäuser und Heime das Optimale.      

Interview: Kirsten Gaede

Über Andreas Malkowski

Der Kranken- und Gesundheitspfleger hat auch eine Ausbildung als Notfallsanitäter absolviert sowie eine  Praxisanleiter-Weiterbildung für den Rettungsdienst und die Pflege. Der promovierte Gesundheitsökonom (56) arbeitet freiberuflich als Dozent, Lehrer (unter anderem für angehende Hygienefachkräfte), Berater und Buchautor.   

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